Internet

Es ist vollbracht: Nach gerade einmal eineinhalb Monaten hat die Firma orange es fertig gebracht, uns einen funktionierenden Internetanschluss zur Verfügung zu stellen. Ganz schön schnell, nicht wahr?

Nein!

Aber was soll’s, jetzt ist es da. Noch weiß ich nicht, ob ich mein iPhone auch online bekommen werde, aber selbst wenn nicht – egal.

Wir haben heute das Passwort per Post bekommen; die Livebox (der Router) war schon seit einigen Tagen da. Betsy hat das Teil dann angeschlossen. Als es bei ihr ging, haben wir es mit meinem Laptop probiert und siehe da – es ging. Jedoch ging es dann auf einmal bei ihr nicht mehr; wieso, weiß ich nicht. Es war aus meiner Sicht höchst seltsam.

Nach einer Weile lief es dann aber auch bei ihr und wir (d.h. vor allem sie; der Router steht bei ihr in der Wohnung und damit hat sie sozusagen alle Macht) konnten an das nächste Problem gehen: Facebook ging nicht. Auch hier: Ich habe keine Ahnung, wieso. Ich war dann noch einkaufen und als ich zurück kam, ging es. Betsy hatte irgendwas an ihrem Computer umgestellt und irgendwie hatte das groteskerweise auch auf mich Auswirkungen. Alles ein bisschen seltsam, aber jetzt sind wir beide im Internet und wir sind beide glücklich…

Inzwischen unterrichte ich tatsächlich. Es macht nach wie vor Spaß; das einzig blöde ist immer ein wenig die Ungewissheit, da ich ja immer wieder neue Sachen planen muss und in den meisten Fällen keine Vorgaben hab, also sozusagen machen kann, was ich will. Es ist zwar schön, alle Freiheiten der Welt zu haben, aber irgendwie auch doof, weil man halt nicht so genau weiß, was jetzt gut ist und was nicht. Mit der Vorstellung von Mannheim bin ich jetzt wohl so ziemlich durch, sprich: Ich habe es in allen Klassen gemacht. In einigen Klassen habe ich zusätzlich noch das Lied „In Mannheim weint man zwei Mal“ eingebaut, was auch gut ankam.

Der Montag war dann so richtig chaotisch. Am Wochenende war ich wieder zu Hause und habe ein bisschen was vorbereitet. Ich wollte ein wenig deutsche Politik machen. Ich habe auf eine Seite alle Ministerämter geschrieben und auf die andere Seite die Namen. Die Schüler sollten nun beides korrekt zusammen bringen. Als Hilfestellung hatte ich zu jedem Minister eine Schlagzeile gesucht, aus der einigermaßen hervorgeht, welches Amt er hat (z.B. „Guttenberg: Bundeswehr darf Handelswege sichern“). Jetzt das Fiasko: Im Lehrerzimmer ging der Drucker nicht. Daheim in Deutschland hatte ich keinen Ausdruck gemacht und im Lehrerzimmer gibt es nur diesen einen Drucker (der nach wie vor nicht druckt). Offenbar hat es momentan mehrere technische Probleme, denn zwei der sechs PCs im Lehrerzimmer verweigern ebenfalls den Dienst).

Ich habe dann Ämter und Namen handschriftlich auf ein Blatt übertragen und das kopiert. Die Schlagzeilen wollte ich den Schülern per Beamer zeigen. In der Klasse dann der nächste Schock: An den PCs in den Klassenzimmern gibt es kein Office. Es gibt nur ein Programm, mit dem man Power Point Präsentationen abspielen kann. Word-Dokumente lassen sich nicht öffnen. Ich habe später herausgefunden, dass das doch geht, mit einem Programm namens „swriter“, was irgendwie mit Open Office zu tun hat, aber das wusste ich in dem Moment nicht und das war extrem doof. Glücklicherweise hatte ich auch die Schlagzeilen abgeschrieben, da ich einige Vokabeln angeben wollte, sodass ich sie den Schülern immerhin vorlesen konnte. So wurde die Übung schwerer als gedacht, genau genommen wurde sie fast unmöglich. Die Schüler (vier Stück) haben schlussendlich einfach geraten, bis sie es richtig hatten. War insgesamt leider nicht ideal.

Eine Klasse hat momentan nur mich in Deutsch, also zwei Stunden in der Woche. Dort muss ich mich etwas mehr am Lehrplan orientieren; ich mache mit denen jetzt Bildbeschreibung. Dazu müssen sie zunächst diverse Vokabeln kennen lernen. Nicht allzu spannend, aber auch das muss getan werden. In dieser Klasse (acht Schüler) habe ich sogar bereits einen Test geschrieben. Es war eine Mischung aus Vokabeltest und Grammatik, genau genommen indirekte Rede (also Sätze einleiten mit „er sagt, dass“ oder „er fragt, ob/Fragewort“. Dummerweise habe ich Teile eines Tests der eigentlichen Lehrerin übernommen, die falsch waren, bzw. bei denen die Schüler einfach die Worte nicht kannten, was bei einer Übersetzungsaufgabe, die die Hälfte der Punkte ausmacht, nicht besonders toll ist. Ich habe das aber mit der Lehrerin besprochen und da das weder mein Fehler noch der der Schüler war, habe ich die Aufgabe einfach aus der Wertung genommen.

Kurz etwas zum Notensystem hier: Es gibt Noten von 0 bis 20, wobei 20 das Beste ist. Arbeiten und Vokabeltests kann man somit einfach auf 20 Punkte konzipieren. Ich finde dieses System wesentlich besser und gerechter als unser System von 1 bis 6, in der im Zeugnis der mit dem genauen Schnitt von 2,6 die gleiche Note bekommt wie der mit dem Schnitt 3,4. Durch dieses System hat es mir einmal einen Zeugnisschnitt in der Mittelstufe gründlich verhagelt…

Eine der nächsten Sachen, die ich machen will, ist das Lied „Weltmeister“ von den Wise Guys. Aus diesem Lied kann man echt viele Klischees über uns Deutsche herauslesen; dürfte also eine gute Unterrichtsstunde abgeben. Auch möchte ich auf jeden Fall mal etwas zur Geographie machen, denn davon haben die Schüler hier auch keine Ahnung. Sie kennen kaum Städte und Bundesländer schon gar nicht. Wenn hier jemand eine Idee hat, wie ich da was machen könnte, gebt mir bitte Bescheid; ich bin nach wie vor für jeden Vorschlag aufgeschlossen.

Am Freitag habe ich im collège über St. Martin gesprochen. Der 11. November ist in Frankreich ja ein Feiertag (Armistice; das Ende des ersten Weltkriegs), aber bei uns eben nicht. Ich habe auch erwähnt, dass am 11.11. um 11:11 Uhr offiziell der Karneval anfängt, aber hauptsächlich habe ich über St. Martin geredet, also die Geschichte erzählt und ein wenig berichtet, wie man das feiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich ewig nicht mehr über St. Martin nachgedacht habe und echt überlegen / mich einlesen musste, um etwas darüber sagen zu können. Dank Thomas hatte ich auch die Lieder „Laterne, Laterne“ und „Ich geh mit meiner Laterne“ hier und konnte sie vorspielen. Gesungen haben wir dann auch; die Kleinen machen da glücklicherweise noch mit.

Wenn alles klappt, werde ich im Dezember zwei Ausflüge zum Weihnachtsmarkt nach Freiburg machen. Die eine Lehrerin im lycée hat mich da schon vor einiger Zeit angesprochen und am Freitag wurde ich auch im collège gefragt. Ich stelle mir das echt toll vor, hoffentlich wird es so auch.

Im collège ist der Ausflug komplett kostenlos für die Schüler. Jedoch löst das selbstredend nicht alle Probleme. Die Schüler brauchen eine Karte von der Versicherung (glaube ich), da sie ja ins Ausland reisen. Dazu müssen die Eltern bei der Versicherung anrufen und das beantragen. Sie bekommen dann ein provisorisches Schreiben, welches schon für den Ausflug reicht. Aber manchen Eltern ist es offenbar schon zu viel, da anzurufen. Jedenfalls scheint das eine Schülerin zur Lehrerin gesagt zu haben (ich muss zugeben, dass ich das nicht vollständig verstanden habe, zum einen, da mein Französisch doch noch gewisse Grenzen hat, zum anderen, weil ich nicht durchgehend zugehört habe…), worauf die Lehrerin ziemlich ausgerastet ist. Eigentlich dachte ich ja, so etwas sei ein typisch deutsches Verhalten: Man bekommt ganz viel geschenkt (ich vermute mal, ein Ausflug mit dem Bus in eine Stadt, die mehr als 100 km entfernt ist, könnte bei uns daran scheitern, dass diverse Eltern einfach nicht bereit sind, das Geld zu bezahlen), aber das kleine bisschen, das man dafür tun muss, ist dann doch zu viel…

Eine ziemlich schräge Sache hab ich vor einiger Zeit noch am lycée entdeckt: Man kann hier in  der Schule Kondome kaufen. Es gibt am lycée eine Krankenschwester und vor deren Raum hängt ein Kondomautomat. Das ist in dem Flügel, in dem auch das Internat untergebracht ist. Muss mich mal erkundigen, ab wann da offiziell Bettruhe ist…

Letzten Mittwoch haben wir fünf Assistenten aus Lure eine weitere amerikanische Assistentin in Luxeuil besucht, das ist hier in der Nähe, ca. 20 bis 30 Minuten im Bus (Hinfahrt) oder zwölf Minuten im Zug (Rückfahrt). Sie wohnt zusammen mit noch anderen Leuten (u.a. einer deutschen Assistentin, die ich an dem Tag aber nur ganz kurz gesehen hab) auch in einem lycée; jeder hat ein eigenes Zimmer, aber Küche und Toilette wird geteilt. Insgesamt ist dort alles viel enger als hier und ich stelle immer wieder fest, wie gut ich es getroffen habe mit meiner Wohnung ganz für mich alleine. Ich habe hier einfach Platz; wenn wir genug Stühle hätten, könnten wir uns hier zur Not auch zu zehnt oder so aufhalten. Und eine eigene Küche und Toilette zu haben, ist auch höchst angenehm.

Wir bekamen dann auch Mittagessen von der Assistentin (ihr Name ist Sam; sie war letztes Jahr hier am lycée Colomb, ist also die Vorgängerin von Betsy und macht das Programm ein zweites Mal); es gab Salat (und ich musste zum wiederholten Mal erklären, dass ich keinen Salat esse) und eine Gemüsesuppe mit Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln.

Danach haben wir ein wenig gespielt. Sam hat ein Spiel namens Banagram. Das ist so ähnlich wie Scrabble. Jeder bekommt ein paar Buchstaben auf kleinen Holzplättchen und muss damit Wörter legen, aber jeder für sich. Wer zuerst all seine Buchstaben „verbraucht“ hat, ruft „peel“ und jeder muss einen weiteren Buchstaben nehmen. Das wiederholt sich, bis keine Buchstaben mehr übrig sind; Gewinner ist, wer in dieser letzten Runde zuerst fertig ist. Wir haben das Ganze auf Englisch gespielt, was natürlich etwas unfair war, da neben drei Amerikanerinnen und einem Engländer auch eine Schweizerin und ein Deutscher mitgespielt haben. Ich darf aber stolz behaupten, dass ich zwar keine ganze Runde gewonnen habe, aber sehr wohl ein paar Mal zwischenzeitlich „peel“ rufen konnte. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Außerdem haben wir noch ein paar Laterale gemacht (also so Ja-/Nein-Rätsel, z.B. „Ein Mann mit Taucheranzug liegt tot im Wald. Was ist passiert?). Ich liebe diese Dinger, muss ich zugeben.

Und nebenbei warf Sam noch eine „Would you rather“ Frage in die Runde, die sie aus einem Buch hat und mit der ich den Blogeintrag heute beende (wenn auch auf Deutsch, also eher „Würdest du lieber…“?). Wir haben über die Antwort dann ein wenig philosophiert; es war wirklich lustig, weswegen ich die Frage sehr gerne weitergebe und jedem rate, sie mal gemeinsam mit Freunden zu erörtern.

Also: Worauf würdest du lieber verzichten: Käse oder Oralsex?

 

 

Mit (oder ohne) Untertitel

Hier sind sie jetzt in Lure: Die Fremdsprachenassistenten haben seit einigen Wochen ihre Koffer ausgepackt, ihre Dokumente seit September sortiert, auf der Mission der nächsten Monate.
Welche? In den Schulen der Stadt unterrichten. Die da sind: Die Grundschulen „du Centre“, „de la Pologne“, „de Jean-Macé“, das collège Jacquard und noch das lycée Colomb.
Dieses Jahr sind es fünf. Kaitlin Grady und Betsy Sanford, die zwei Amerikanerinnen, Corinne Hunziker, die Schweizerin, Mario Henn, der Deutsche und Chris Sudlow, der Engländer. Das Datum des ersten Unterrichts? Anfang Oktober. Einen Monat schon. „Ich bin sicher, dass das Niveau in Englisch am lycée in Frankreich wesentlich besser ist als das von den amerikanischen Schülern, die Französisch lernen“, schätzt Betsy Sanford. Dort, im lycée Colomb, weicht sie nicht von der Regel ab. Alles auf Englisch. In der Originalversion. Ohne Untertitel, nur – mit Rücksicht auf das Alter, für die jüngeren Schüler. „Ich stelle fest, dass die Schüler im collège in den lebenden Sprachen wesentlich besser motiviert sind als die im lycée“, stellt Mario Henn fest. „Man hat mir gesagt, dass die kleinen Franzosen kein Ohr für Sprachen haben. Das ist falsch… Je jünger man anfängt, desto einfacher ist es…“, erklärt Corinne Hunziker. Nun gut.

„Sympathische Einwohner“
Drei Fremdsprachenassistenten haben Französisch bisher nur hinter dem Schreibtisch gelernt. Sie wollen ihre Kompetenzen der Sprache von Molière vor Ort vervollständigen, während sie davon träumen, später als Lehrer in ihren Ländern zu arbeiten. Nur Kaitlin Grady hat bereits vor einigen Jahren für sechs Monate im Sechseck (das ist eine symbolische Bezeichnung für Frankreich) gelebt, in Montpellier. „In unseren Ländern haben die Franzosen das Bild eines arroganten Volks. Zu Unrecht. Nachdem, was wir gesehen haben, seit wir hier sind, sind die Einwohner von Lure sympathisch. Entgegenkommend“, erzählen sie. „Ich mag die Stadt sehr, auch wenn sie sehr klein ist“, komplettiert Betsy Sanford.

Für alle, die Französisch können

9. November 2010 2 Kommentare

Das Interview

8. November 2010 1 Kommentar

(Diesen Eintrag wollte ich eigentlich gestern Abend veröffentlichen, aber das Internet bei McDonalds ging nicht…)

Es ist eine ganze Weile her, dass ich etwas gebloggt habe. Das lag wohl vor allem daran, dass in der Zwischenzeit Herbstferien waren und ich nach Hause gefahren bin und daheim habe ich echt nicht ans bloggen gedacht.

Inzwischen habe ich tatsächlich ein wenig unterrichtet. War – denke ich – auch ganz gut. Es sind aber auch wieder schräge Dinge passiert.

Aber der Reihe nach. Vor den Ferien war ja die große Streikwelle in Frankreich wegen der Rente mit 62 (wer sich nicht auskennt: Sarkozy will das Renteneintrittsalter in Frankreich von 60 auf 62 erhöhen und das ganze Volk incl. der Schüler macht mobil dagegen). Inzwischen habe ich auch erfahren, warum die Lehrer (und damit dann auch die Schüler) immer dienstags oder donnerstags streiken:

Bis vor einigen Jahren wurden die Lehrer auch wenn sie streikten, voll bezahlt. Das hat sich geändert; heute müssen sie 1/20 des Lohns pro Streiktag abgeben. Aus irgendwelchen (mir nicht bekannten, wahrscheinlich unlogischen) Gründen ist es aber so, dass, wenn man montags streikt, auch der Sonntag als Streiktag berechnet wird und man daher 2/20 = 1/10 abgeben muss. Entsprechendes gilt für den Freitag, nur eben mit dem Samstag. Am Mittwoch ist an vielen Schulen in Frankreich gar keine Schule und wenn doch, dann nur am Vormittag. Hier müssten die Lehrer also 1/20 abgeben für nur einen halben Arbeitstag. Da sie aber größtmöglichen Arbeitsausfall bei geringstmöglichem Verdienstausfall wollen, streiken sie immer an Dienstagen und Donnerstagen. Da sieht man mal, wie kompliziert Streik ist. Ich finde das Ganze nach wie vor albern. In Deutschland gehen wir mit 67 in Rente, da sollen sich die Franzosen mal nicht so anstellen. Überhaupt geht mir diese ganze Streik- und Revolutionsmentalität ziemlich auf den Keks. Frankreich braucht mehr Konservative! Ich werde in den nächsten Monaten mein bestes geben, die Franzosen ein wenig zu bekehren…

Bei einem der Streiks hier an bzw. vor der Schule sind offenbar auch Eier geflogen. Gehört habe ich das von Betsy, die wohl zusammen mit Lehrern und dem Proviseur vor der Schule war, als auf dem großen Platz dort jede Menge Schüler waren (die wohl auch von dem anderen Lycée in Lure kamen). Ich weiß nicht genau, ob da vermittelt werden sollte oder so, aber auf jeden Fall flog wohl etwas durch die Luft und Betsy hat es später als Ei erkannt.

Am Donnerstag vor den Ferien war unser zweites und letztes Praktikum in Besançon. Es war wieder an der selben Schule, nur konnte ich dieses Mal nicht auf dem Schulgelände parken. Grund: Es war mal wieder grève und die Schüler hatten mit Hilfe von Mülltonnen die Zufahrt zu den Parkplätzen (die halt vor allem von den Lehrern genutzt werden) blockiert. Mir blieb nichts anderes übrig als auf der Straße zu parken und das in unmittelbarer Nähe zur Schule. So hatte ich den ganzen Tag über ein wenig Angst um mein Auto, schließlich hat man ja schon genug gehört über französische Jugendliche, die Autos anzünden… Aber ich hatte Glück. Die Leute in Franche-Comté sind wohl sehr nett und das trifft wohl auch auf die Schüler zu. Hier in Lure ist das auf jeden Fall so; ich persönlich hatte mir den Umgang mit den Schülern schwieriger vorgestellt, weil alle französischen Jugendlichen, die ich bislang gesehen hatte, eher unsympathisch schienen. Aber meinem Auto ging es noch gut und wir kamen ohne Probleme nach Hause.

Das Praktikum selbst war übrigens (im Gegensatz zum ersten) wirklich nicht schlecht. Der Vormittag plätscherte zwar wieder halbwegs unspannend vor sich hin, aber am Nachmittag gab es einige Gruppenarbeiten, von denen man zwei machen musste, die auch sehr interessant waren. Das erste, das ich gemacht hab, war zu der Frage, wie man die Schüler dazu bekommt, im Unterricht zu reden. Ich war dann dort in der Untergruppe „Spiele“, wo wir uns eben verschiedene Spiele ausgedacht haben, die man im Unterricht machen kann. Eine Idee von mir war Stadt, Land, Fluss, was ich auch schon in einigen Stunden gespielt hab. In Frankreich nennt man dieses Spiel „jeu du baccalauréat“ und den Schülern hat es echt Spaß gemacht. Als Kategorien habe ich gewählt: Substantiv, Adjektiv, Verb (alles auf Deutsch) und Stadt, wobei es die volle Punktzahl nur gab, wenn man eine Stadt aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nannte (bei einer anderen Stadt gab es die Hälfte der Punkte).

In der zweiten Gruppe ging es darum, wie man die Kultur seines Landes präsentieren kann und etwas konkreter um Vorurteile über die verschiedenen Länder. War ganz witzig; wir sind zunächst alle Länder durchgegangen, die im Raum waren (es waren einige; angefangen bei Deutschland, England, Italien in Europa, aber auch die USA und diverse Länder in Mittel- und Südamerika) und dann haben wir in Partnerarbeit je einer Karikatur, die irgendein Land repräsentiert, bearbeitet und überlegt, was man mit der im Unterricht machen könnte. Ich hatte eine Karikatur von einem typischen Amerikaner: dicker Bauch, US-Flagge als T-Shirt, Cowboyhut, iPod, Burger, Cola etc. Man kann mit sowas vor allem gut Bildbeschreibungen machen, da die Schüler das für ihr bac eh können müssen.

Meine erste Unterrichtseinheit in fast allen Klassen war und ist das Präsentieren meiner Heimatstadt, also Mannheim. Ich habe hierzu eine Powerpoint-Präsentation gemacht (in den meisten Klassenzimmern gibt es hier Beamer und einen PC; sehr praktische Sache). Ich habe die Schüler zunächst ein wenig raten lassen, wo Mannheim liegt (niemand kannte Mannheim), dann eben von den Flüssen berichtet, von der Einwohnerzahl, dann von den Erfindungen (Auto, Laufrad, Traktor) und noch von der SAP-Arena mit den Mannheimer Adlern und den Rhein-Neckar-Löwen und zum Abschluss noch von den Musikern in Mannheim, also Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims (mit Hörbeispielen). Die Präsentation kam gut an; besonders schön war aus meiner Sicht immer der Moment, in dem ich das Mannheimer Schloss zeigte und den Schülern erklärte, dass ich da studiere.

Am Donnerstag lief leider nicht alles so glatt, wie ich es wollte. Ich scheine hier echt einige schräge Dinge zu erleben. Der Donnerstag war der erste Tag nach den Ferien und der erste Tag, an dem ich so richtig anfing, nach meinem Stundenplan zu arbeiten. Ich war morgens in der ersten Stunde alleine mit acht Schülern. Wie so oft lief es zunächst nicht perfekt organisiert, da mir nicht klar war, dass ich den appel machen musste und mir auch nie jemand erklärt hatte, wie das geht. Ist aber ganz einfach: Man muss nur die Namen der abwesenden Schüler auf den dafür vorgesehenen Zettel schreiben, unterzeichnen und ihn dann in die Klarsichtfolie stecken, die an jeder Tür hängt und in der sich der Raumbelegungsplan befindet. Das habe ich dann auch gemacht – wie ein richtiger Lehrer.

Dann wollte ich die eben erwähnte Präsentation machen. Zunächst hab ich die Schüler noch aufgefordert, sich mir vorzustellen, aber danach war die Präsentation dran. Ich wollte die Leinwand, die über der Tafel angebracht ist, nach unten ziehen, aber das blöde Ding wollte einfach nicht unten bleiben. Also machte ich einen Fehler: Ich zog fester. Kurz darauf kam mir die komplette Leinwand entgegen. Großartig. Die erste Stunde nach den Ferien, die zweite überhaupt für mich ohne Lehrer im Hintergrund und ich zerstöre eine Leinwand. Organisatorisch war das kein großes Problem; ich meldete den Schaden der intendante und sie kümmert sich jetzt darum; die Lehrerin, die nach mir in dem Raum war, meinte noch, die Leinwand sei vorher schon locker oder irgendwie beschädigt gewesen. Aber es war natürlich ein großartiger Start in den Tag…

In einer anderen Stunde an diesem Tag machte ich dann eine Verbesserung einer Klassenarbeit, die die Lehrerin direkt davor zurückgegeben hatte und schob dann noch eine Grammatikübung ein, da die Klasse in der nächsten Stunde einen Test schreibt und das das Thema ist. Den Test darf ich für den Teil der Klasse, den ich hab, jetzt auch selbst konzipieren. Bin mal gespannt, ob ich das hinbekomme. Bei den Übungen ging es um Nebensätze, die man mit „dass“ einleitet und um Fragen in Nebensätzen. Ich bin mal gespannt, ob ich da einen angemessenen Test hinbekomme…

In der letzten Stunde an dem Tag habe ich die Mannheim-Präsentation dann noch einmal gemacht und, weil noch Zeit war, ein Quiz mit deutschen Personen. Immer, wenn ich noch Zeit hatte, hab ich die Schüler gefragt, welche berühmten Deutschen sie kennen. Sie kennen nicht viele. Angela Merkel fiel immer sehr schnell, aber dann dauerte es immer ein wenig. Nena fiel mehrfach (und ich habe sie mit Lena verwechselt; aber in einer Klasse wurde definitiv Nena gemeint) und nach einer Weile auch der ein oder andere Fußballspieler. Dirk Nowitzki kannte niemand. Im collège haben die Schüler viele Bands genannt, z.B. Juli, die Toten Hosen etc. Tokio Hotel war selbstredend auch ein Begriff.

Im collège hab ich dann diesen Freitag wieder Mannheim vorgestellt, nur eben dieses Mal in den Klassen der anderen Lehrerin. In einer Klasse war das dann auch echt ungemütlich: Weil eine Schülerin mehrfach gestört hat, wollte die Lehrerin ihr einen Eintrag in ihr carnet (das hat noch einen Namenszusatz, aber irgendwie schaffe ich es nicht, mir den zu merken; auf jeden Fall wird in diesem carnet alles vermerkt, was der Schüler so macht, das bedeutet, es gibt keine Einträge im Klassenbuch, sondern in dem carnet, das der Schüler dann den Eltern vorzeigen muss. Ich meine, so etwas gibt es inzwischen auch zumindest in der Unterstufe an deutschen Gymnasien / an meiner alten Schule, bin mir aber nicht sicher. Hier gibt es das offenbar an allen Schulen.) machen. Diese hatte ihr carnet jedoch nicht vorbei. Da das carnet so in etwa die Funktion eines Personalausweises hat, ist es doof, das nicht dabei zu haben. Deswegen muss man das dann auch dem bureau de vie scolaire melden. Dort wird so Zeug verwaltet, auch die Fehlzeiten und Dinge wie Nachsitzen etc. Normalerweise wird der betroffene Schüler dann wohl von einem anderen Schüler begleitet, aber irgendwie muss die Schülerin noch irgendwas gesagt haben oder so, sodass die Lehrerin recht erbost beschloss, sie selbst zu begleiten. Ich sollte inzwischen mit meiner Präsentation anfangen.

Die Schüler sahen in der Abwesenheit ihrer (recht strengen, wobei das gerade in dieser Klasse wohl der einzig funktionierende Weg ist) Lehrerin wohl einen Freifahrtschein zum laut sein. Ich behaupte zwar, eine gewisse Autorität zu haben, aber hier war das echt schwer. Mir fehlt noch ein bisschen Vokabular in die Richtung „Seid ihr bitte ruhig“ etc. Deswegen wusste ich nicht, was ich sagen sollte; auf das Deutsche hat immer nur ein Teil reagiert.

Nach einer Ewigkeit kam die Lehrerin dann wieder zurück und schlagartig wurde es still. Ich weiß jetzt also, was ich noch trainieren muss; ich glaube aber auch, in Deutschland mit deutschen Schülern hätte ich das etwas besser hinbekommen. An solchen Stellen gibt es dann eben doch noch eine Sprachbarriere.

Am Donnerstag Abend gab es dann noch einen Feueralarm. Ich war in meiner Wohnung und hatte den Fernseher an, als ich ein seltsames Geräusch vernahm. Im ersten Moment dachte ich, es wäre im Fernseher (ich war, wie die meiste Zeit hier, am DVD schauen). Doch irgendwie war es zu laut. Ich näherte mich dem Eingang zu meiner Wohnung und es wurde lauter. Dann schloss ich die Tür auf und es war sehr laut, da im Treppenhaus die Alarmdinger hängen. Ich holte mir eine Jacke und mein Handy und beschloss dann, erst einmal das Gebäude zu verlassen. Auf dem Weg traf ich dann Betsy, die genauso ratlos war wie ich. Auf dem Hof sahen wir dann auch die Schüler, die unter der Woche in der Schule wohnten. Es war zwischen halb acht und acht und alle Schüler waren in ihre Bettdecke gewickelt.

Wir warteten eine Weile, bis die intendante kam, auf die Schüler zuging und etwas sagte in der Richtung von: „Es war im ersten Stock. Wer war das?“ Nach einer Weile war der Alarm dann endlich aus und alle gingen wieder nach drinnen. Betsy und ich blieben mehr oder minder ratlos zurück, gingen dann aber auch wieder rein.

Am Freitag Abend wiederum hatten wir dann Besuch. Zwei der drei Assistenten, die auch in Lure sind, kamen zum Abendessen vorbei. Jeder hatte etwas vorbereitet / mitgebracht, so gab es einen Salat, Käse und Brot; ich hatte eine Champignoncremesuppe gemacht, die bei allen sehr gut ankam (da man das Gemüse in dem Rezept variieren kann, wurde der Wusch geäußert, dass ich auf die entsprechende Weise mal eine Kürbissuppe machen soll). Als Dessert gab es eine Art Tiramisu, allerdings ohne Alkohol (da kommt doch welcher rein, oder?) und mit Früchten. War auch sehr lecker.

Vor allem war es auch mal angenehm, mit einigen anderen zusammen zu sitzen und zu reden etc. Wir haben uns (wie immer) fast nur auf Englisch unterhalten, aber mir macht das eigentlich nix aus, Englisch üben lohnt sich ja auch (schlussendlich hätte ich auch kein Problem, Deutsch zu reden, wenn alle Deutsch könnten).

Musikalisch untermalt wurde der Abend vor allem von Popmusik der 90er Jahre. Betsy war und ist großer Fan der Backstreet Boys (sie war schon auf sechs oder acht Konzerten!), sodass deren Musik ein großer Bestandteil des Abends war. Aber auch NSync und die Spice Girls waren da und auch Britney Spears (das waren glaube ich schon nicht mehr die 90er…). Es war auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend; ich hoffe und denke, dass wir das öfters machen werden.

Heute haben wir alle ein Interview gegeben. Bei dem Streiktag mit den Eiern, den ich weiter oben beschrieben habe, hat Betsy offenbar einen Journalisten kennen gelernt. Der will einen Bericht über uns Assistenten schreiben und hat uns deswegen heute in das Gebäude der Zeitung eingeladen.

Wir waren eine knappe Stunde dort und haben uns mit ihm unterhalten. Was wir genau erzählt haben, weiß ich im Detail schon gar nicht mehr, aber ich werde mich melden, wenn der Artikel in der Zeitung steht. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht und ich freue mich, bald in Frankreich in der Zeitung zu stehen^^.

Für morgen sollte ich noch ein paar Kleinigkeiten an Unterricht vorbereiten, weil meine Präsentation über Mannheim vielleicht doch keine ganze Stunde ausfüllt (auch nicht mit den Fragen, die ich vorbereitet habe). Ich hoffe, mir fällt gleich noch etwas ein; wie immer bin ich aber über jede Idee sehr dankbar.

Die Batterie

Was für eine schräge Woche!

Dienstag und Mittwoche würde ich wohl unter dem Kapitel „Dinge, die nur im echten Leben passieren“ ablegen. Im Grunde war es alles andere als schön, aber inzwischen, mit dem nötigen Abstand, kann ich glücklicherweise darüber lachen.

Am Dienstag stieg ich in mein Auto, weil ich einkaufen fahren wollte. Jedoch ging nichts mehr. Zunächst war ich noch verwundert, weil sich das Auto schon nicht per Fernbedienung öffnen ließ. Jedoch dachte ich, dass die Batterie der Fernbedienung leer sei. Mit Batterie lag ich richtig, mit Fernbedienung falsch.

Die Batterie vom Auto war zusammengebrochen. Nichts ging mehr, kein Licht, keine Anzeigen, einfach nichts. Eine neue Batterie musste her.

Es war Dienstag Nachmittag und am Dienstag begann in Frankreich mal wieder eine große Streikphase. Den ganzen Tag über war in der Schule schon nicht viel los (am Vormittag habe ich in einer Klasse hospitiert, in der eigentlich 14 Schüler sind; da die Schüler aber bei Streik auch durchaus gerne zu Hause bleiben, waren gerade einmal drei da) und am späteren Nachmittag erstrecht nicht. Aber ich hatte jetzt ein großes Problem: Wo bekomme ich in Lure eine Autobatterie her? Überhaupt: Wo kann man in Frankreich Batterien kaufen und wo nicht?

Mein Vater erwähnte am Telefon Baumärkte als deutsche Alternative. Auf meiner ersten Suche nach Leclerc landete ich zwischenzeitlich auf dem Parkplatz eines Leclerc-Baumarktes in unmittelbarer Nähe von Leclerc selbst. Also beschloss ich, es dort zu versuchen. Da mein Auto nicht mehr lief, machte ich mich zu Fuß auf den Weg.

So fand ich immerhin einen kurzen Weg zu Leclerc. Man muss die Bahnschienen überqueren und in Lure gibt es nur einen richtigen Bahnübergang. Jedoch habe ich auf dem Weg zu Leclerc noch einen zweiten Fußweg über die Schienen gefunden. So beträgt die Entfernung zu Leclerc von der Schule aus etwas mehr als 1,5 Kilometer, man kann also problemlos in 20 Minuten hinlaufen.

Ohne Batterie.

Baumärkte in Frankreich sind wesentlich kleiner als die in Deutschland. Entsprechend haben sie auch weniger Produkte; unter anderem keinerlei Produkte für das Auto. Also ging ich weiter; ich wollte es jetzt beim normalen Leclerc Supermarkt probieren. Auf dem Weg dorthin lief ich aber an einem Point S vorbei, einem Laden mit Autoteilen und Werkstatt. Dort konnte ich dann tatsächlich eine Batterie erwerben.

Jetzt kam der komplizierte Teil, den ich vorher nicht unbedingt für kompliziert gehalten hätte: Die Batterie musste nach Hause.

Klar, mir war bewusst, dass eine Autobatterie nicht unbedingt leicht ist, aber ich dachte mir, das wird schon gehen. Sind ja „nur“ 1,5 Kilometer.

Getäuscht.

Es war die Hölle. Hab mal im Internet gesucht; eine Batterie in der Größe, wie ich sie getragen hatte, wiegt etwa 15 bis 17 kg. Oben sind zwar Griffe montiert, aber die dienen eigentlich vor allem dazu, eine Batterie aus einem Motor raus und auch wieder rein zu heben. Zum durch die Gegend tragen sind sie eigentlich nicht geeignet, wie ich nach 100 Metern feststellen durfte. Es war echt eine Katastrophe. Das Ding war schwer und ich fand einfach keine zumindest einigermaßen bequeme Tragestellung. Rechte Hand, linke Hand, in beide Arme nehmen… im Grunde war alles gleich schlecht.

Alle 50 bis 100 Meter musste ich eine Pause machen und das Ding abstellen. Aus den 20 Minuten Hinweg wurden mindestens 45 Minuten Rückweg, wenn nicht eine Stunde. Ich war richtig fertig. Das nächste Mal lasse ich mir was anderes einfallen…

Es war eine echte Tortur, die Batterie heim zu bekommen. Ich wurde später von verschiedenen Leuten gefragt, warum ich den nichts gesagt hätte; man hätte mich ja hinfahren können. Ich kann nur immer wieder betonen, wie hilfsbereit und freundlich hier alle sind. Aber ich war halt irgendwie mehr oder weniger in Panik und hab sehr spontan gehandelt, ohne viel nachzudenken. Immerhin ging der Muskelkater sehr schnell vorbei…

Am nächsten Tag stand dann das Projekt „Batterie einbauen“ an. Ich hatte kein Werkzeug, war also auf Hilfe angewiesen. Daher bin ich zur intendante und habe ihr mein Problem geschildert. Auch an der Stelle lief alles reibungslos; an der Schule arbeiten zwei Mechaniker, die wohl für sämtliche Reparaturen u.ä. verantwortlich sind. An dem Tag, als ich in Lure ankam, haben sie beispielsweise die Dusche in der Wohnung von Betsy repariert. Die beiden hatten dann nicht nur Werkzeug, sie haben mir die Batterie dann auch eingebaut. Eigentlich war also alles gut.

Eigentlich.

Die Batterie war drin und ich testete. Nichts passierte. Einfach keine Reaktion. Was war jetzt also? Ich bekam Panik. Wenn es nicht die Batterie war, was dann? Musste das Auto in die Werkstatt? Zu Hause wäre das ja kein Problem, aber im Ausland? Mir ging es in dem Moment echt nicht gut.

Ein dritter Mann kam hinzu, der ein Testgerät dabei hatte. Ich weiß nicht so genau, wie der zu der Schule gehört; habe ihn glaube ich schon ein paar Mal im Lehrerzimmer gesehen, es könnte sich also um einen Lehrer handeln, aber wieso dann mit einem Testgerät an meinem Auto auftauchte – ich weiß es nicht…

Sie haben getestet, sie haben das Testgerät gewechselt (glaube ich), sie haben miteinander geredet und ich habe nicht alles verstanden. Nach einer Weile habe ich dann mal nachgefragt und erfahren, dass die Batterie das Problem war. Anders gesagt: Ich hatte am Vortag eine defekte Batterie gekauft und durch halb Lure getragen. Zum Kotzen.

Aber auch an dieser Stelle waren die Leute sehr hilfsbereit. Der eine hat aus seinem Privatauto ein Starthilfekabel geholt, der andere hat dann sein Privatauto selbst aufs Gelände geholt und man hat mir Starthilfe gegeben. Dann sprang mein Auto tatsächlich endlich mal wieder an. Und so konnte ich zum Point S fahren und meine Batterie reklamieren.

Und auch hier verlief dann alles ohne Diskussion und Probleme. Der Mechaniker wollte nicht einmal die Rechnung sehen. Er testete kurz und tauschte die Batterie dann aus. Seither funktioniert mein Auto wieder. Aber was für ein Stress… Wie gesagt, so eine Geschichte kann nur im echten Leben passieren…

Im Moment bin ich gerade zu Hause; in ein paar Stunden werde ich aber wieder zurück nach Frankreich fahren. Theoretisch müsste ich diese Woche in einigen Klassen schon unterrichten, aber noch bin ich mir da nicht so sicher. Im collège werde ich sicherlich etwas machen, das habe ich auch diesen Freitag schon. Aber am lycée bin ich noch ein wenig uninformiert. Im Zweifel kann ich mein Zeugs fürs collège auch am lycée anwenden und die erste Stunde mit mir (und gleichzeitig die letzte vor den Ferien für die Schüler) werde ich schon irgendwie rumbekommen (Vorstellungsrunde etc.). Langsam wird es echt ernst…

Schule und Unterricht

Kommen wir also endlich zum im Grunde spannendsten Teil meiner Berichterstattung hier, dem Unterricht. Deswegen bin ich ja hier; mein Aufenthalt hier ersetzt ja mein Praxissemester an einer deutschen Schule, sprich: Mit deutschen Schülern werde ich erst zu tun haben, wenn ich mit der Uni fertig bin.

Leider habe ich diese Woche nicht ganz so viele Stunden observiert wie geplant, da Claudine, meine Kontaktperson hier, in deren Klassen ich die meisten Stunden habe, krank war. Immerhin habe ich letzten und diesen Freitag meine je vier Stunden am collège machen können, sodass ich schon sehr viele Eindrücke habe gewinnen können.

Die Deutschklassen sind Sprachgruppen, sprich nicht eine komplette Klasse ist im Deutschunterricht, sondern meist Teile von zwei Klassen. Da Deutsch nicht so beliebt ist wie Englisch oder wohl auch Spanisch, sind die Klassen nicht besonders groß, was zum Arbeiten natürlich gut ist. Im lycée überschreiten die Deutschklassen, die ich beobachtet habe, nie die Marke von 20 Schülern; es gibt auch einige mit weniger als zehn.

Am collège gibt es schon Klassen mit mehr als 20 Schülern, aber mehr als 25 kommen, glaube ich, nicht vor.

Ein großer Unterschied zwischen deutscher und französischer Schule ist, dass es hier viel mehr Verwaltungsangelegenheiten gibt. Ich glaube, inzwischen hat auch in Deutschland (oder zumindest am PPG) jeder Schüler (oder waren das nur die der Unterstufe?) ein eigenes Heft, in dem offizielle Dinge eingetragen werden. Auf jeden Fall gibt es das hier auch, schon länger und soweit ich weiß, haben das alle Schüler, also nicht nur die Jüngeren am collège, sondern eben auch die am lycée. In dieses carnet (der genaue Name will mir gerade nicht einfallen) werden wohl Fehlzeiten eingetragen bzw. die Entschuldigungen geschrieben und es gibt da auch das, was man bei uns als Klassenbücher bezeichnet. Ein Klassenbuch gibt es auch; da müssen die Lehrer wie in Deutschland den Unterrichtsstoff und auch die Fehlenden eintragen. Zusätzlich müssen sie letzteres offenbar noch auf einen Zettel schreiben, der dann entweder (am collège) in irgendeinen Briefkasten geworfen wird, den ich noch nicht bemerkt habe, oder (im lycée) in die Klarsichthülle, in der der Raumbelegungsplan steckt,  gesteckt wird, wo er dann wiederum offenbar von den surveillants eingesammelt wird. Die surveillants sind ja, wie ich glaube ich bereits mal erwähnt hatte, so eine Art Überwachungspersonal, die dafür sorgen, dass die Schüler keinen Unsinn treiben.

In jeder französischen Schule gibt es ein sogenanntes CDI. Das ist eine Art Bibliothek und Mediathek, in der die Schüler eben recherchieren können, Hausaufgaben machen können und in der sie auch teilweise während des Unterrichts als Klasse gehen. Am PPG hatten wir ja „zufälligerweise“ die Zweigstelle der Stadtbücherei, aber das CDI hat hier schon einen recht deutlichen Unterschied, u.a. da es nur für die Schule da ist und weil es dementsprechend auch immer geöffnet ist, wenn die Schule auf hat.

Am collège hat es einen Raum, in den die Schüler gehen müssen, wenn sie eine Freistunde haben. So wird verhindert, dass sie überall verstreut sind und sie sind eben unter Aufsicht. Soweit ich weiß, werden dort auch die Nachsitzstunden abgehalten; die werden nämlich nicht von dem entsprechenden Lehrer betreut, sondern von zentraler Stelle; der Lehrer muss dem Schüler nur Aufgaben geben, damit der beschäftigt ist.

Die französische Schule hat also einige Vorteile gegenüber der deutschen. Größter Vorteil ist meiner Meinung nach, dass mehr Personal an den Schulen vorhanden ist. In den Bio- und Chemielaboren hat es, wenn ich das richtig verstanden habe, sogar eigene Laboranten, die etwa die Klassenzimmer vorbereiten (als die Biostunde, die ich hab, begann, stand an jeder Bank bereits ein Mikroskop und der benötigte Kleinkram dazu). Aber auch diese Überwachungsleute sind durchaus sinnvoll, denke ich. Ich habe einfach das Gefühl, dass hier kaum Spannungen in der Luft liegen. Kann aber natürlich auch damit zusammen hängen, dass ich hier mehr oder minder auf dem Land bin.

Dennoch ist das französische Bildungssystem alles andere als ideal. Ein riesiges Problem ist das Gesamtschulsystem, also dass es nicht wie in Deutschland Haupt-, Realschule und Gymnasium gibt, sondern eben nur eine Stufe.

Bis heute halte ich prinzipiell das deutsche System für wesentlich besser; ich hatte nur sehr lange Zweifel, da die Länder, die bei der Pisa-Studie ganz vorne waren, ja auch ein Gesamtschulsystem hatten. Jedoch hat mir ein Buch, das ich gerade lese („Unter Linken“ von Jan Fleischhauer; für mich als Konservativen, der in einem sehr linken Milieu aufgewachsen ist, eine Wohltat ich Buchform; mit Dank an Thomas) zu diesem Thema ein wenig die Augen geöffnet: In Finnland und den anderen skandinavischen Ländern ist die Bevölkerungsdichte zu gering, um dreigleißig zu fahren. Man hat quasi keine andere Wahl, als auf die Gesamtschule zurückzugreifen. Ob die Ergebnisse mit einem mehrgleißigen Schulsystem noch besser gewesen wären, kann man nicht sagen. Außerdem findet man in der Spitzengruppe der Pisa-Studie auch Länder mit verschiedenen Schulen und Norwegen steht mit seinem Gesamtschulsystem noch weit hinter Deutschland.

Dank dem System liegt Finnland also nicht vorne, es dürfte eher daran liegen, dass in einer Klasse ganz wenige Schüler und auch noch zwei Lehrer sind. Das wurde in oben erwähntem Buch auch geschrieben: Wenn man in Deutschland über die schlechten Pisa-Ergebnisse diskutiert, wird sofort die Systemfrage gestellt und man will alles ändern, anstatt ein wenig darüber nachzudenken. Meiner persönlichen Meinung nach ist das größte Problem am deutschen Bildungssystem die Tatsache, dass es von den Ländern geregelt wird und nicht vom Bund. Das muss meiner Meinung geändert werden, aber allen muss hierbei auch klar sein, dass das nicht von heute auf morgen geht, sondern dass dies mindestens zehn, wenn nicht sogar noch mehr Jahre dauert. Und in zehn Jahren sind mindestens zwei Bundestagswahlen, bei denen sich was ändern kann. Ein sehr kompliziertes Problem, das Ganze, aber darauf wollte ich heute gar nicht groß eingehen.

 

Kommen wir jetzt endlich mal zum Unterricht, den ich bisher beobachten durfte. Die beiden Lehrerinnen am collège sagten mir über die Klassen: Die Sixieme (die Jüngsten; entspricht der sechsten Klasse in Deutschland, jedoch geht es umgekehrt weiter, sprich: Danach kommt die cinquième) sei total engagiert und die Schüler wollen unbedingt mitarbeiten; die Klassen danach sind eher ruhig und müssen stärker aufgefordert werden. Mein Fazit nach gut einer Woche: Die Schüler am collège sind total engagiert, während die am lycée im Unterricht weitgehend zum Stühle wärmen da sind.

Die Stunden im collège haben mir echt Spaß gemacht. Für mich ist es momentan echt spannend, zu beobachten, was überhaupt für Ausländer die Probleme der deutschen Sprache sind. Ein Problem sind die vielen deutschen Laute, die es in Frankreich nicht gibt, z.B. ä, eu, au, ei, sp, st, …

Das Niveau ist zum größten Teil ziemlich gering. Die Schüler machen sehr einfache Dinge, wie etwa das Konjugieren von Wörtern (Ich spiele Computer. Du spielst Computer. Er …). In der 6è wurden Tage und Monate geübt; in der zweiten Woche jetzt die Geburtsdaten. Was auch lustig ist, ist, dass die Schüler das „h“ vor sehr viele deutsche Worte setzen, die mit einem Vokal anfangen. Sie kennen das halt nicht und wenden es ganz oft an. Auch den Buchstaben „u“ sprechen sie anders aus; im Französischen wird er eben als „ü“ gesprochen und die Schüler übernehmen das dann auch im Deutschen.

Einen Tag vor meinem Arbeitsbeginn war Céline, meine Kontaktperson am collège, von einem Deutschland-Austausch nach Asperg (der deutschen Partnerstadt von Lure) zurück gekommen. In der entsprechenden Klasse war ich an dem Tag dann auch. Es war nur die Hälfte der Klasse bei dem Austausch dabei, daher machte Céline eine Gruppenarbeit mit dem Ziel, dass die vom Austausch den anderen von selbigem erzählen sollten und die anderen eben Fragen stellen sollten. Das war dann auch mein erster Einsatz, denn ich bin dann auch, wie Céline, durch die Klasse gegangen und habe den Schülern geholfen, ihre Fragen etc. zu formulieren.

Die zweite Lehrerin am collège, Tanja, eine Deutsche, die schon sehr lange in Frankreich lebt und jetzt neu nach Lure gekommen war, gab allen Klassen an diesem Tag übrigens die selbe Hausaufgabe auf: Sie sollten herausfinden, was am 3. Oktober in Deutschland so passiert. Mir war erst unklar, was sie wollte, da sie nur vom Sonntag sprach und erst, als sie das Datum nannte, wusste ich, was sie wollte. Leider habe ich die Ergebnisse nicht mitbekommen, da das wohl irgendwann am Anfang dieser Woche besprochen wurde und ich ja nur freitags im collège bin.

Am Abend des 1. Oktober, in der letzten Stunde, habe ich dann noch eine Klasse am lycée von Claudine besucht. Die Klasse bestand aus gerade mal neun Schülern; ein Teil davon macht Deutsch wohl im Abi, diese vier Leute werde ich dann in Zukunft einmal die Woche betreuen. Die Schüler durften Fragen an mich stellen, etwa, was für Musik ich höre. So spontan sind mir irgendwie kaum deutsche Bands eingefallen, die ich höre. Aber was soll’s, meine Antworten waren zufriedenstellend.

Am Montag hatte ich dann eine besondere Stunde: Am lycée gibt es eine Gruppe mit fünf Schülerinnen, die eine Stunde in der Woche deutschsprachigen Biologieunterricht haben. Die Lehrerin, Valérie, ist sehr jung und hat Deutsch nicht studiert. An französischen Schulen unterrichtet der Lehrer ja nur ein Fach und nicht mindestens zwei. Ihr Deutsch war dementsprechenden auch nicht so wahnsinnig gut; sie hat auch Texte auf Deutsch verfasst, in denen ich dann doch relativ viele Fehler gefunden habe. So gesehen ist es sehr sinnvoll, dass ich dabei bin, denn so kann ich ihr helfen, die Fehler zu vermeiden.

In der Stunde ging es dann um das Thema Mikroskop. Die Schülerinnen bekamen ein Blatt mit einem beschrifteten Bild eines Mikroskops und einem Text, in dem beschrieben wurde, wofür die einzelnen Teile des Mikroskops da sind. Den Text sollten sie durcharbeiten und dann eine Tabelle ausfüllen. Gerade das Lesen hat unglaublich lange gedauert, sodass außer dem Besprechen des Blattes nichts mehr gemacht wurde. In der nächsten Stunde will Valérie dann noch Moos mikroskopieren lassen und einen kurzen Film über das Mikrofon zeigen.

Später an dem Tag hatte ich dann noch meine erste Stunde bei Christine, der zweiten Deutsch-Lehrerin am lycée. Sie ist offenbar mit einem Deutschen verheiratet und wohnt in Lanau, fährt entsprechend jedes Wochenende nach Hause. Die Klasse, die sie hatte, war keine normale Deutschklasse, auch wenn sie alle Deutsch in der Schule hatten. Der Sinn dieser Stunde hat sich mir bislang noch nicht ganz erschlossen; irgendwie müssen die jetzt ein Projekt machen zum Thema Nobelpreis. Dazu wurde ihnen zunächst ein Film gezeigt über Mutter Theresa. Der Film war auf Französisch, sodass ich nicht allzu viel verstanden habe; ich habe mir aber auch absolut keine Mühe gegeben. Es war eine Arte-Dokumentation, die 51 Minuten ging. Die Lehrerin übersprang ein paar Teile, aber die Schüler sahen garantiert noch eine halbe Stunde des Films. Es war einschläfernd. Ich finde das Medium Film in der Schule ja toll, aber dann doch bitte interessante Filme oder ganz kurze. Aber auf keinen Fall eine halbe Stunde über Mutter Theresa!

Danach sollten die Schüler im CDI ein paar Nobelpreisgewinner recherchieren. Sie sollten alle Nobelpreisgewinner der ersten drei Jahre recherchieren und dann noch für jede Kategorie je einen deutschen und einen französischen Nobelpreisgewinner finden. Dazu durften sie aber nicht die Computer benutzen, wie Christine mir erklärte. Begründung: Mit Hilfe des Internets wäre die Aufgabe viel zu einfach; die Schüler sollen auch lernen, mit Büchern umzugehen. Da mag ja was dran sein, aber wenn man so einfache Dinge wissen will, befragt man heutzutage nun mal das Internet. Ein Schüler fand nach einer ziemlichen Weile dann einen Artikel über den Nobelpreis mit großen Tabellen aller Preisträger. Ohne diese Tabelle wäre die Aufgabe für die Schüler ja mehr oder minder unlösbar gewesen, denn tatsächliches Wissen der Schüler war nicht ausreichend vorhanden.

Das Ganze war eine Doppelstunde, die aus meiner Sicht zum größten Teil Zeitverschwendung war. Ich glaube nicht, dass ich mit Christines Unterrichtsstil gut auskommen werde, aber ich werde ja die meiste Zeit Hälften der Klassen alleine betreuen, kann dem Ganzen also meinen eigenen Stempel aufdrücken.

Im Laufe dieser Woche hatte ich dann auch mal die Gelegenheit, in ein Schulbuch hier zu schauen. Dieses war leider ziemlich veraltet, was man vor allem daran erkannte, dass in den Texten noch die alte Rechtschreibung gebraucht wurde. Auch war zu einem Thema das Titelblatt einer Ausgabe des Focus abgebildet – vom Dezember 1993.

Heute im collège hat Céline einer Klasse dann einen Film gezeigt, der vom Goethe-Institut war. Der Film war schon gute zehn Jahre alt, was man an der Mode sehr deutlich erkannte. Es ging darum, dass sich ein paar Schüler aus Deutschland vorstellten, also Name, Alter, Größe… Wirklich nicht viel und so weit auch in Ordnung; er erfüllte seinen Zweck. Faszinierend fand ich nur diese extreme politische Korrektheit, mit der man diesen Film gemacht hatte. Unter den sechs Jugendlichen, die in dem Film vorgestellt wurden, war selbstverständlich eine dabei mit Migrationshintergrund. Sie war aber keine Türkin, sondern einfach dunkelhäutig, damit man auch ganz deutlich erkennen konnte, dass in Deutschland alle Völker zusammen leben, nehme ich an. Auch gab es zwei animierte Figuren in dem Film und sogar hiervon war eine dunkelhäutig. Dann wurden noch ein paar Kinder gezeigt, die von ihren Hobbys berichteten – mit dabei zwei Kinder im Rollstuhl, die Basketball als Hobby angaben. Im Grunde ist das ja alles ganz toll, aber das ist doch ein harmloser kleiner Film, der Anfängern mit Deutsch ein bisschen was über deutsche Jugendkultur vermitteln soll. Und es ist doch nicht gerade typisch, dass deutsche Jugendliche im Rollstuhl sitzen und Basketball spielen. Diese politische Korrektheit ist echt etwas nervig…

Insgesamt habe ich bislang einen sehr positiven Eindruck von den Schulen hier. Alle sind sehr freundlich zu mir und auch sehr hilfsbereit. Die Kommunikation am lycée gefällt mir im Moment noch nicht so extrem (dass Claudine diese Woche krank ist, habe ich nur durch Zufall erfahren und ich frage mich, wie das in Zukunft ist, wenn ich einen Teil der Klassen betreue…), aber das ist im Grunde auch das einzige.

Die Schüler sind auch nicht so schlimm, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich kannte Jugendliche aus Frankreich bislang wohl nur aus den Medien oder maximal noch den Großstädten, wo es naturgemäß mehr Probleme gibt als in einer so kleinen Stadt wie hier. Hier wirken alle sehr friedlich und ich denke mal, dass ich mit den Leuten hier gut arbeiten können werde, selbst mit denen, die nicht so gut sind oder eher als Störenfriede gelten. Am nächsten Freitag ist meine Observationszeit offiziell vorbei; dann werde ich zum ersten Mal selbst etwas machen. Ich bin sehr gespannt, wie das wird…

 

 

Besançon

8. Oktober 2010 1 Kommentar

Wenn alles klappt, lest könnt ihr dies hier noch am Freitag Abend lesen. Ich schreibe dies hier noch in meiner Wohnung, aber ich habe vor, gleich noch in die Bar Le BMC zu gehen. Dort laufen recht oft Fußballspiele, und da Frankreich erst morgen spielt, zeigen sie vielleicht heute Abend das Spiel Deutschland – Türkei. Aber ich würde mir auch andere Länderspiele anschauen; ein bisschen Fußball kann ja nie schaden.

Am Dienstag war, wie ich bereits erwähnt habe, mein stage in Besançon. Offen gestanden hat es nicht besonders viel geholfen; wirklich gut war nur, dass man mal die ganzen anderen Assistenten in Franche-Comté kennen lernen konnte. Aus meiner Sicht waren das überraschend wenige. Ich glaube, es waren elf deutschsprachige Assistenten. Englischsprachige Assistenten waren es deutlich mehr, aber auch einige spanischsprachige Assistenten sind dabei und zwei aus Italien.

Das stage begann mit dem petit dejeuner, also mit Frühstück. Anders gesagt: Die erste halbe Stunde hatte keinen Programmpunkt, man konnte nur rumsitzen und essen. Prinzipiell zwar schön, da man so Zeit hatte, die anderen Assistenten kennen zu lernen, aber irgendwie auch sinnlos. Ich hätte lieber eine halbe Stunde länger geschlafen; ich musste ja schließlich schon recht früh los, da man von Lure nach Besançon schon eine gute Stunde fährt. Netterweise hat mich mein Navi übrigens nicht auf die Autobahn geleitet, sodass wir keine Maut zahlen mussten.

Dann ging es weiter. Wir wurden in einen großen Saal geleitet, in dem uns dann alle Leute vorgestellt wurden und in dem wir dann auch ein wenig über den weiteren Tagesverlauf erfuhren. Es wurde aufgeteilt zwischen EU-Einwohnern und Nicht-EUlern, da diese ja auch noch Fragen in Sachen Visum zu klären hatten.

Wir Deutschen wurden dann von zwei Frauen betreut. Bevor wir den großen Saal verließen, konnten wir uns noch mit einigen Werbebroschüren über Franche-Comté eindecken und bekamen auch die Unterlagen zum MGEN. Das ist die Sozialversicherung, die alle Assistenten verpflichtend abschließen müssen. Eigentlich sollten wir – dachte ich – bei diesem stage nähere Informationen zu dem ganzen Versicherungskram bekommen. Es kam jedoch ein wenig anders: Während die Nicht-EU-Gruppen tatsächlich über diesen Kram informiert wurden (es waren also Leute von der Versicherung da), wurden wir Deutschen hierbei ausgelassen. Die Begründung: Letztes Jahr wussten angeblich schon alle Deutschen über das MGEN bescheid, weswegen man dachte, dass diese Veranstaltung für uns dieses Jahr nicht nötig sei. Toll. Eigentlich war das für mich einer der Hauptgründe für dieses stage. Tatsächlich hatten dann eine ganze Menge Deutsche die ein oder andere Frage, weswegen wir uns dann improvisierter Weise zu einer anderen Gruppe in gesellen konnten, sodass wir dann doch noch zumindest einigermaßen die nötigen Informationen bekamen. Schlussendlich muss man sagen, dass das MGEN nicht so extrem kompliziert ist; es sei denn, man möchte noch Zusatzversicherungen abschließen, was ich aber nicht tun werde, da ich alles, was die MGEN nicht übernimmt, bei meiner Versicherung in Deutschland einreichen kann.

Was bei dieser improvisierten MGEN-Veranstaltung dann auch lustig war, war die Art, wie die beiden Frauen Französisch sprachen. Die eine war eben von der MGEN, deren Französisch war eine echte Katastrophe. Man konnte fast nichts verstehen. Die zweite Frau wiederum war von der académie Besançon oder von der Schule; sie war sich also sehr bewusst, dass vor ihr nur Ausländer saßen. Sie erklärte dann das Wesentliche immer noch einmal, aber gaaaaaanz laaaangsaaam. Und zwar so, als säßen vor ihr nur Dreijährige. Ich will mich ja nicht beschweren, aber ein bisschen Französisch können wir alle ja schon…

Im Grunde war das auch schon der ganze Vormittag. Ich fand das so weit ziemlich unorganisiert. Wir Deutschen stellten uns vorher noch alle kurz untereinander vor und sagten, wie es uns bisher gefällt. Den meisten gefiel alles bislang auch echt gut; nur eine hatte offenbar ziemliche Probleme mit ihrem Zimmer. So wie ich es verstanden habe, wohnt sie in einem Wohnheim der Uni in Besançon. Das Zimmer wurde von ihrem Vormieter in katastrophalem Zustand hinterlassen; offenbar stinkt es bis heute stark nach Urin. Da sie aber schon ein wenig renoviert hat, will sie das Zimmer nur ungern wechseln und offenbar wurde ihr dann gedroht, dass, sollte sie sich weiter beschweren, ihr Zimmer einfach abgeschlossen wird und sie sich eine andere Bleibe suchen darf. Manchmal sind Menschen echt komisch. Ich persönlich kann mir aber irgendwie nicht vorstellen, dass ich dann so eingeknickt wäre; hierbei handelt es sich ja echt um eine Frechheit und ich persönlich finde, dass die Verantwortlichen hierfür gerade zu stehen haben und gerade bei solchen Drohungen sollten die dann aufs Feinste verklag werden.

Dann war offiziell eineinhalb Stunden Mittagspause. Der Franzose braucht da seine Zeit. Da wir durch all das Nichtstun aber schon hinter unserem Zeitplan lagen, wurde unsere Pause auf gerade mal eine Stunde gekürzt. Das war schon knapp; wir hatten gerade einmal eine halbe Stunde, um sinnlos in der Schulkantine herumzusitzen.

In den Schulkantinen in Frankreich gibt es immer Drei-Gänge-Menüs. Also eine kleine Vorspeise, meist Salat, in dem Fall gab es auch mit Käse gefüllte Teigtaschen (keine Ahnung, was das für ein Käse sein soll, schmeckte eigentlich ein bisschen wie kaum bis gar nicht gesüßter Vanillepudding), dann den Hauptgang, in dem Fall ein Hähnchenschlegel mit verkochtem Gemüse. Die Dessertauswahl war an der Schule (die übrigens unfassbar groß ist) recht groß; ich entschied mich für ein Stück Käsekuchen, der sehr lecker war.

Am Nachmittag gab es dann Programm für die Assistenten aller Länder zusammen. Das war ja mal sinnvoll… Wir sollten ein Speed-Dating vorbereiten. Dazu sollte sich jeder von uns seine Trauminsel für einen Urlaub überlegen und dann fünf Leute „daten“, um herauszufinden, wer die ideale Begleitung ist. Das ganze sollte eine sinnvolle didaktische Übung darstellen, die uns einen Anstoß geben sollte für unseren eigenen Unterricht. Prinzipiell war die Übung in unserem speziellen Fall auch nicht so schlecht, denn zum einen sprechen wir Assistenten gut genug Französisch, damit eine flüssige Unterhaltung möglich ist, zum anderen kannten wir uns nicht und die Gespräche waren daher nicht allzu albern. Ich hatte so die Möglichkeit, mich mit zwei Amerikanerinnen, einer Jamaikanerin, einem Argentinier und einer Mexikanerin zu unterhalten. Aber wie soll so etwas in einer Deutschklasse funktionieren, wo man froh sein muss, wenn sie mal einen ganzen Satz korrekt hinbekommen? In den letzten Jahren war dieses Nachmittagsprogramm wohl für die einzelnen Sprachen unterteilt und damit konkreter. Das wäre auch hier besser gewesen, denn so war es schlussendlich ziemlich albern und vor allem unnötig. Bislang hat mir hier ja im Grunde alles gefallen, dieses stage in Besançon ist daher im Grunde das erste, wovon ich ein negatives Fazit ziehe…

Ingesamt ließ sich der Tag dann aber doch noch zum Positiven wenden. Nach dem Ende des stage überredete Betsy mich, noch in die Innen- bzw. Altstadt von Besançon zu gehen. Ich hatte eine Deutsche kennen gelernt und mich auch sehr gut mit ihr verstanden, die in Besançon wohnte und sich daher ein klein wenig auskannte. Sie kam mit uns, lotste mich zuerst zu einem Parkplatz unmittelbar im Zentrum (der überraschend billig war; in Mannheim kann da höchstens der in B6 mithalten) und zeigte uns dann auch noch ein wenig die Stadt.

Was soll man sagen? Besançon ist unglaublich toll. Die Innenstadt ist nicht besonders groß, sodass man sie in wenigen Minuten durchquert hat. Sie liegt in einer Schleife des Flusses Doubs, sodass sie fast komplett vom Wasser umschlossen ist. Die ganzen Gebäude sind echt schön und es hat viele eher kleine Geschäfte und auch Cafés. Auch die Getränke sind nicht teuer; man kann sagen, dass es nicht überall in Frankeich teuer ist (ich muss zugeben, dass ich da ein bisschen von Paris geprägt war). Eigentlich ist es ein bisschen schade, dass ich fast 80 Kilometer von Besançon weg bin, denn da würde ich auf jeden Fall öfters hingehen. Aber ich denke, dass ich das auch so machen werde, beispielsweise an Wochenenden oder an jedem Mittwoch, weil ich da ja auch nix habe.

 

Inzwischen sitze ich im BMC und schreibe hier. Fußball läuft leider nicht, aber was soll’s. Immerhin Internet. Und da ich noch ein bisschen bleiben möchte, schreibe ich einfach noch ein wenig weiter.

Was hier in Frankreich auch spannend ist, ist das Einkaufen. In Lure hat es eine gute Auswahl an Supermärkten, darunter auch die günstigen Alternativen Aldi und Lidl. Lidl hat die deutscheste Produktpalette, habe ich festgestellt. Ein typisch deutsches Produkt ist beispielsweise Apfelschorle, die habe ich bislang nur dort gefunden. Es ist genau die selbe Marke wie beim deutschen Lidl und die Flaschen sehen auch genau so aus. Einziger Unterschied: Kein Pfand. Diese Tatsache ist toll, aber wenn man als Deutscher Pfand gewohnt ist, auch ein wenig ungewohnt. Gerade in den allerersten Tagen habe ich immer mal wieder den richtigen Zeitpunkt verpasst, eine Flasche wegzuwerfen. Immerhin habe ich inzwischen wieder einen Grund zum Behalten, denn auch hier recyclet man inzwischen. Und da der entsprechende Container nicht gerade auf einem meiner täglichen Wege liegt, kann ich die Flaschen jetzt wieder sammeln, um sie wegzuwerfen.

Was hier auch nicht leicht zu bekommen ist, ist Hackfleisch. Bei Leclerc gibt es oft nur etwas namens „farce à tomate“, etwas, was bereits irgendwie gewürzt ist. Und wenn man norales „viande haché“ bekommt, ist es sehr teuer. Auch hier schafft Lidl Abhilfe, 500g Hackfleisch sind hier nicht nur ständig im Sortiment, sondern auch mit 2,49 Euro nicht so extrem viel teurer als in Deutschland. Lidl wird wohl schlussendlich zu meinem Standardsupermarkt werden.

Zu Leclerc würde ich ja auch öfters gehen, aber der liegt so abseits. Gerade momentan verbinde ich Einkaufen ganz gerne mit Internet, und Lidl liegt fast neben McDonalds und dem Gratis-W-LAN, welches auch vor der Tür funktioniert, wodurch ich nicht immer was kaufen muss. Leclerc (und auch Aldi) sind leider in dem zweiten Gewerbegebiet in Lure, weswegen ich da nur zu besonderen Anlässen hinfahre, etwa, wenn ich nach Hause fahre, um tolles Gebäckzeugs wie etwa Eclairs mitzubringen. Da hat Leclerc eine unglaubliche Auswahl und alles sieht sensationell gut aus. Extrem teuer ist es auch nicht; für zwei Eclairs bezahlt man 2,50 Euro. Und die Dinger sind es echt wert.

Auch immer schön ist es, im Regal mit dem Pudding und ähnlichem zu stöbern. Da könnte ich auch jedes Mal etwas Neues kaufen. Die ersten Monate hier in Frankreich werden wohl nur aus Probieren bestehen.

Nervig ist hier dagegen das Bezahlen. Das dauert. Und dauert. Und dauert… Das ist echt unglaublich. Ein Grund dafür sind die kurzen Kassenbänder. Ihr kennt ja die Länge der Teile in Deutschland. Hier sind die maximal halb so lang, was etwas kontraproduktiv ist, wenn man bedenkt, dass Franzosen nur den Großeinkauf kennen (vielleicht lebt man hier in ständiger Angst vor einem Atomkrieg und will zumindest versorgungstechnisch vorbereitet sein!?). Dann sind die Kassierer langsamer, man redet mehr miteinander und am Ende des Kassiervorgangs wird, natürlich erst, nachdem man den Einkaufwagen wieder gemütlich eingeräumt hat, noch ein Scheck ausgeschrieben (die sind hier noch sehr verbreitet). Und man selbst steht dahinter und wartet sich kaputt.

Lustigerweise haben die Kassenbänder bei Aldi und Lidl die deutsche Länge. Hoffentlich orientieren sich die anderen Läden daran und das ändert sich mit der Zeit.

 

Da hier in der Bar ein Musiksender läuft, habe ich gerade eine neue französische Sängerin entdeckt: Joyce Jonathan. Geboren am 3. November 1989. Jünger als ich. Immer mehr Popstars und sogar Fußballspieler sind älter als ich. Eine Karriere als U-Nationalspieler kann ich mir jetzt schon abschminken. Ich glaube, ich werde alt…