Das war’s!

Seit einer ganzen Weile ist meine Zeit als Fremdsprachenassistent schon vorbei. Mit der (vollständigen) Rückkehr nach Deutschland gab es tausend kleine Dinge zu tun bzw. ich habe alte Routinen wieder entdeckt, die ich in Frankreich nicht ausleben konnte (damit hat beispielsweise auch ein Fernseher zu tun…). Daher bin ich bislang nicht zum Schreiben gekommen oder besser gesagt: Ich habe es verdrängt und immer wieder verschoben. Aber jetzt ist es endlich mal wieder so weit.

Die letzten Unterrichtswochen verliefen gut. Einige Stunden haben sich von wöchentlich auf jede zweite Woche verschoben, weswegen ich (noch) weniger arbeiten musste als am Anfang. Bei gleicher Bezahlung. Feine Sache.

Lola rennt haben ich beendet. Ist (glaube ich) gut angekommen. Das Schöne an dem Film ist, dass man ihn sehr gut in einige Abschnitte einteilen kann, die bequem in eine Stunde passen. Dazu kommt, dass man den Film relativ gut verstehen kann. Sollte also irgendwer auch mal im Ausland Deutsch unterrichten, dann kann ich diesen Film nur empfehlen.

In der letzten Woche gab es dann einige Besonderheiten. Am Dienstag war so ein bisschen der offizielle Verabschiedungstag. Zehn Minuten nach Ende der Stunde gab es in der Kantine des lycée eine Art Empfang für mich und Betsy. Anwesend waren der proviseur sowie die Englisch- und die Deutschlehrer. Am Anfang sagte der proviseur ein paar Worte, dann bedankte sich meine Kontaktperson bei mir und eine der Englischlehrerinnen sagte etwas entsprechendes zu Betsy. Außerdem bekamen wir beide Geschenke. Ich bekam ein Buch über die Region Franche-Comté und dazu noch ein Kochbuch mit Rezepten der Region. Hat mich sehr gefreut.

Nebenbei machte der proviseur noch einen Scherz, den zu verstehen mich doch ein bisschen Zeit kostete. Er meinte, dass ich mir ja extra ein Auto besorgt habe, auf welchem die zum département passende Nummer steht.

Ich bin mal so frei und erkläre das kurz: In Frankreich haben nicht die Städte feste Buchstabenkombinationen auf dem Autokennzeichen, sondern es gibt Nummernkombinationen für die verschiedenen départements (die Regionen bestehen aus mehreren départements; Franche-Comté besteht, meine ich aus vieren). Das département, in dem Lure liegt, heißt Haute-Saône und hat die Nummer 70. Und ich hatte in Frankreich eben den Volvo V70 von meinem Vater. Und das steht auch hinten drauf. Klingt geschrieben nicht wirklich witzig, aber war eine nette Anmerkung.

Am selben Abend ging es dann noch weiter. Die beiden Lehrer des collège hatten mich zum Essen eingeladen. Wir gingen in ein Lokal in einem kleinen Ort in der Nähe von Vesoul, welchen ich fast nicht gefunden habe. Das Lokal war sehr schön und das Essen sehr lecker. Ich hab Entenbrust gegessen, dazu gab es Kartoffelgratin und Gemüse. Als Dessert dann noch Nougat. War wirklich gut. Ich finde es sehr schwer, in Frankreich essen zu gehen, denn fast alle Lokale sehen von außen ziemlich mies aus. Hinzu kommt, dass Lokale in Frankreich ein gutes Stück teurer sind als in Deutschland, was es irgendwie auch schwieriger macht, etwas auszuwählen, da man sich immer so vorkommt, als gehe man relativ edel essen.

Dieses Lokal sah eigentlich gut aus, aber es war in einer Nebenstraße und auf der Hauptstraße war ein großes buntes Schild, welches ich persönlich als billigen Versuch fehlinterpretiert hätte, Touristen zu locken. Sah halt irgendwie billig gemacht aus. Aber das Lokal war sehr schön und geschmeckt hat es auch. Da ich mich mit den beiden Lehrern ohnehin immer sehr gut verstanden habe, haben wir auch einen sehr angenehmen Abend miteinander verbracht.

Die letzten Unterrichtstage verliefen auch ganz gut. Natürlich musste ich mich auch von meinen Schülern verabschieden. Bei meinem letzten Besuch in Deutschland hatte ich Geschenke eingekauft, die meine Schüler jetzt bekamen: Für die Schüler im lycée gab es Hanuta, für die im collège gab es Haribos. Dass diese Geschenke extrem gut ankamen, muss ich wohl kaum erwähnen. Haribo ist in Frankreich ja auch sehr bekannt, aber laut einer Lehrerin schmecken sie in Frankreich anders. Wenn ich mich richtig erinnere, meinte sie, dass die Gummibärchen in Frankreich Konservierungsstoffe haben oder etwas ähnliches, was die deutschen Haribos eben nicht haben. Nebenbei sei auch erwähnt, dass ich in den verschiedenen Supermärkten zwar durchaus verschiedene Sorten an Haribo gefunden habe, aber nie ganz normale Gummibärchen. Irgendwie seltsam…

Hanuta kannten aber nur die wenigsten. Einige aber schon und die waren auch begeistert. Insgesamt habe ich also offenbar die richtigen Dinge ausgewählt.

Von zwei Klassen im collège (die beiden 6è, also Sechstklässler) bekam ich auch ein kleines Geschenk. Von der ersten Klasse bekam ich eine selbst gebastelte Geburtstagskarte. Die zweite Klasse hat eine Mappe zusammengestellt, in der jeder Schüler einen Steckbrief über sich ausgefüllt hat. Somit habe ich tatsächlich eine Erinnerung an ein paar Schüler.

Der letzte Tag im collège war dann auch mein letzter Arbeitstag. Es gab nochmal ein paar Probleme mit einem Schüler in der ersten Stunde, dafür war die allerletzte Klasse (die aus meiner Sicht die schwierigste war, die ich in Frankreich hatte) an dem Tag ganz in Ordnung. Am Ende des Tages bekam ich dann auch noch von den beiden Lehrern des collège Abschiedsgeschenke. Auch hier waren es Bücher, nämlich ein Kochbuch mit französischen Desserts (ich hatte mal erwähnt, dass ich mit der französischen Küche an sich nicht allzu viel anfangen kann, aber die Desserts sensationell finde), eines über französische Redewendungen, ein kleines Büchlein mit französischen Zungenbrechern und dazu noch ein Comic-Band „Titeuf“. Das ist ein ca. 10jähriger Junge, der so langsam in die Pubertät kommt. Die Comics gehen alle nur über eine Seite und daher kann ich die später mal bestimmt gut im Unterricht einsetzen (die anderen Bücher sind hier übrigens ebenfalls hilfreich).

Am selben Tag ging es dann noch zurück nach Deutschland, wo ich die Osterferien verbrachte. Ich hatte Geburtstag und nach Ostern bekam ich noch einmal Besuch von Betsy, mit der ich für ein paar Tage nach Berlin fuhr.

Inzwischen ist es auch schon mehr als zwei Wochen her, dass ich zum letzten Mal nach Lure gefahren bin. Wir fuhren montags schon früh zurück, denn Betsy hatte einiges zu erledigen, denn sie reiste am Tag darauf schon weiter. Ich wiederum hatte am Montag gar nichts zu tun. Ich musste mein Konto auflösen und die Wohnung ausräumen. Da meine Bank montags geschlossen hatte, konnte ich dies erst dienstags tun. Daher verbrachte ich meinen letzten Tag in Lure weitgehend mit nichts tun.

Der Dienstag verlief dann ohne große Probleme. Alles dauerte zwar länger als geplant, jedoch klappte am Ende alles. Meine Wohnung bestand die Abnahme und somit bekam ich auch meine Kaution zurück. Nach einer freundlichen Verabschiedung von der intendante verließ ich Lure dann zum vorerst letzten Mal.

Es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Ich habe jetzt ohnehin etwas Abstand, kann das Ganze also recht nüchtern betrachten. Aber mein Urteil wäre vor zwei Wochen nicht anders gewesen: Es war toll!

Jede einzelne Minute war es wert, an diesem Programm teilzunehmen. Da ich ja ohnehin als Teil meines Studiums eine Weile im Ausland verbringen muss, wäre die einzige Alternative ein Auslandssemester an einer Uni. Der Vorteil dabei wäre gewesen, dass man mehr Franzosen und insbesondere Franzosen im selben Alter und mit dem selben „Status“ kennen lernt (Einige der Schüler waren ja fast so alt wie ich. Aber das kann man selbstredend nicht wirklich vergleichen). Jedoch habe ich auch gehört, dass man nur sehr wenige Kurse dann auch im eigenen Studium anrechnen kann.

Ein Vorteil des Fremdsprachenassistenzprograms ist auf jeden Fall, dass man das erforderliche Praxis- und das Auslandssemester kombinieren kann. Je nach Uni (Mannheim gehört leider nicht dazu) kann man das Programm in einem Semester absolvieren und spart damit sogar noch Zeit. Bei mir war das, wie erwähnt, nicht der Fall, aber ich habe auch keine Zeit verloren und jetzt eben auch bis September frei (ob das gut oder schlecht ist, ist relativ). Natürlich ist auch noch zu erwähnen, dass man für die wenige Arbeit, die man hat, auch noch bezahlt wird, und das auch noch ziemlich ordentlich. Ich konnte mir durch dieses Programm jetzt also auch noch etwas Geld ansparen und das kann man ja immer gut gebrauchen.

Das Unterrichten an der Schule hat sehr viel Spaß gemacht. Es gab zwischendurch zwar auch mal ein paar kleinere Probleme, aber nie etwas Großes und es wurde auch immer eine Lösung gefunden. Die Lehrer waren alle sehr nett und die Zusammenarbeit mit ihnen war daher sehr gut.

Ich konnte mit Chris, Kaitlin, Corinne und vor allem Betsy tolle Leute kennen lernen, mit denen ich auch viel unternommen habe. Ich habe zwar längst nicht so viel gesehen wie die anderen Assistenten, aber auch ich konnte einige neue Städte in Lure kennen lernen und somit einiges über Frankreich erfahren.

Auch wenn die betroffenen Personen dies nicht lesen werden: Ich möchte allen, die mich durch meine Zeit in Lure begleitet haben, bedanken. Merci beaucoup! J’ai bien aimé être et travailler à Lure.

Und auch meinen Lesern möchte ich noch danken. Ich hab es euch nicht gerade leicht gemacht, weil ich nur sehr selten und unregelmäßig gebloggt habe. Vermutlich habe ich den einen oder anderen Leser so auch verprellt mit der Zeit. Das tut mir sehr leid. An die, die das hier noch lesen aber: Vielen Dank dafür.

Ich habe gemerkt, dass das Bloggen im Tagebuchstil nicht mehr meine Welt ist. Das Schreiben an sich jedoch schon. Von daher gibt es durchaus eine Chance, dass dieser Blog fortgeführt wird. Wie genau das aussieht, weiß ich jedoch noch nicht. Ich würde gerne ab und an etwas über das aktuelle Tagesgeschehen schreiben und auch über die Fernsehwelt. Ob das passiert oder nicht, wird sich noch zeigen. Ihr werdet aber davon hören; Abonnenten per Mail und der Rest per Facebook!

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