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Quelque chose à déclarer

Und wieder ist es mehr als einen Monat her, dass ich gebloggt habe. Tagebuch schreiben scheint absolut nicht mehr meine Welt zu sein. Gut zu wissen…

Was ist inzwischen passiert? Gute Frage, nächste Frage. Im Grunde wohl ziemlich viel, andererseits aber auch nicht so wahnsinnig viel, was man hier erzählen müsste.

Das letzte Mal habe ich von einer Klasse mit vier Schülern berichtet, die mir auf den Geist gegangen sind. Diese Klasse ist auf zwei Schüler geschrumpft. Ich habe mich mit der Lehrerin unterhalten und sie hat entschieden, dass die beiden Störenfriede nicht mehr kommen sollen. Soll mir Recht sein. Lustiger Nebeneffekt: Von den beiden Verbliebenen kommt eine nur alle zwei Wochen. Bewusst war mir das nie aufgefallen. Sie war nicht immer da, ja, aber dass sie so regelmäßig abwesend war, habe ich nicht bemerkt. Mit nur einer Schülerin Unterricht machen ist aber unsinnig, weswegen die Stunde jetzt nur noch alle zwei Wochen stattfindet.

Ohnehin wird mein Unterricht immer weniger: Erst jetzt habe ich erfahren, dass ich eine Klasse, die ich zu Beginn jede Woche und dann nur noch alle zwei Wochen hatte, jetzt gar nicht mehr habe. Deren Stundenplan wurde geändert, so dass sie zum Zeitpunkt meiner Stunde keine Zeit mehr haben. Also eine weitere Stunde gespart. Dazu kommt noch, dass meine „Nachhilfeschülerin“ nur noch sehr unregelmäßig erscheint (was mir egal ist, ist ihre Entscheidung und meines Wissens eh keine so richtig offizielle Stunde) und die eine Lehrerin im collège ein wenig im Rückstand mit einer ihrer Klassen ist, weswegen ich diese Klasse auch schon eine Weile nicht mehr gesehen habe. Aus wenig Arbeit ist inzwischen also sehr wenig Arbeit geworden.

Aber das hat nicht nur Vorteile. In der ersten Woche nach den Ferien hatte ich gerade mal sechs Stunden. Die erste war mit meiner SVT-Klasse, wo die Lehrerin immer noch abwesend war (meines Wissens ist sie morgen wieder da) und in der ich keinen richtigen Unterricht mache. Wir haben in den letzten Wochen fast immer Stadt, Land, Fluss gespielt; diesen Montag haben wir uns fast die ganze Stunde über Fernsehserien unterhalten (die eine schaut genauso viel wie ich). War sehr lustig und die fünf können auch echt gut Deutsch.

Die zweite Stunde war der größte Schwachsinn seit langem. Im Grunde war es eine Observationsstunde. Ich sollte kommen, weil ich etwas aufnehmen sollte, was die Schüler vorbereitet hatten. Jedoch war an diesem Tag kein einziger Schüler vorbereitet, weswegen ich nichts machen konnte. Aber dennoch wollte die Lehrerin, dass ich dableibe, weil sie nach der Stunde etwas mit mir besprechen wollte. Diese Besprechung hatten wir meiner Meinung nach aber schon vor der Stunde (es gab also keine neuen Informationen), was das Ganze umso nerviger machte. So saß ich rum und beobachtete den Unterricht – und ich fand ihn nicht einmal gut. Die Lehrerin hat in der Stunde zweimal Schüler auseinandergesetzt und ebenfalls zweimal Strafarbeiten verteilt. Nach der Stunde meinte sie zu mir, die Klasse sei ganz schön unruhig gewesen. Aber dem war nicht so! Ich fand die Stimmung in der Klasse angenehm bis lustig. Die Gründe für all die Bestrafungen waren mir absolut nicht ersichtlich. Aber was will man machen…

Am Freitag habe ich dann eine Klasse erlebt, bei der die Bestrafungen tatsächlich Sinn gemacht hätten. Die Lehrerin musste zu einem conseil de classe, daher war ich mit den Schülern alleine. Ich hatte da vorher schon ein ungutes Gefühl, denn ich kenne die Klasse ja schon eine Weile. Die 4ème entsprechen der 8. Klasse in deutschen Schulen und das scheint eine sehr schwierige Stufe zu sein. Und tatsächlich hatte mir dann auch mehr oder weniger niemand zugehört. Ich hatte eine Präsentation zu Karneval und am Ende gab es eine kleine Aufgabe. Ich habe den Schülern den Refrain von sechs Karnevalsliedern vorgespielt (Das rote Pferd, Ich bin ein Döner, Polonäse Blankenese, Viva Colonia, Cowboy und Indianer, Die Hände zum Himmel) und sie sollten die Titel zuordnen. In den beiden Klassen davor war das kein großes Problem (incl. den 6ème, den Kleinsten, die im ersten Lehrjahr Deutsch sind), aber bei denen (sie waren die Ältesten des Tages) ging das gar nicht. Beim ersten Lied schafften sie das Kunststück, erst im sechsten (!) Versuch, den richtigen Titel zu erraten. Ich spielte ihnen die Titel ein zweites Mal vor und währenddessen klingelte es. Hier war die Aufmerksamkeit dann auf einmal größer, da ich von mehreren darauf hingewiesen wurde, dass es gerade geklingelt hatte. Dass ich meine Übung noch schnell fertig machen wollte, wurde nicht allzu gern gesehen, aber die halbe Minute blieben sie dann immerhin noch im Zimmer.

Am Samstag war in Lure Karneval. Irgendwie lustig: Ich konnte mich fast komplett vor dem deutschen Karneval drücken (und habe auch nichts mitbekommen), und dann mache ich eine Präsentation über genau das. Begonnen damit habe ich am Aschermittwoch! Irgendwie schräg. Am selben Tag gab es im Rathaus eine Art Präsentation von Karneval. Genau erklären kann ich es nicht. Es scheint von der Stadt Lure eine Art Institution zu geben, in der Kinder irgendwas in ihrer Freizeit machen können. Und deswegen waren da eben eine Handvoll Kinder im Grundschulalter, die ein bisschen was über Karneval, Beignets und Crèpes erzählten. Ich habe nicht allzu viel verstanden (die Raumbedingungen waren nicht optimal), was mich aber auch nicht groß gekümmert hat. Neben uns Assistenten waren noch zwei Journalisten da und der Vater eines der Kinder. Das Ganze war irgendwie ein bisschen seltsam; die Kinder wirkten auf mich auch nicht so vorbereitet, als wollten sie jetzt freiwillig etwas erzählen. Hatte mehr etwas von mündlichem Abfragen. Immerhin gab es danach beignets und etwas zu trinken.

Zurück zum Karneval vom Samstag. Der bestand hier aus einem Umzug durch die Innenstadt. Beginn war auf dem Platz vor dem lycée, also bin ich dahin gegangen und war erstaunt: So viele Menschen auf einem Haufen habe ich in Lure definitiv noch nicht gesehen. Das Motto des Umzuges waren offenbar Gesellschaftsspiele, was echt schön gemacht war. Viele waren als Spielkarten verkleidet und eine Gruppe sogar als Monopoly. War wirklich sehr schön gemacht.

Auf dem Umzug gab es keine Kamelle, dafür aber Konfetti, das z.T. auch gezielt auf Leute im Publikum geworfen wurde. Im Dorf kennt halt jeder jeden. Dummerweise liefen auch zwei Englischlehrer von lycée mit und die kannten mich. So bekam ich dann auch zwei Hände voll Konfetti ab, die ich dann mit in meine Wohnung trug. Aber egal – es war lustig.

Auch das Kino von Lure habe ich inzwischen noch ein paar Mal von innen gesehen. Gleich zwei Mal gesehen habe ich „Rien à déclarer“, einen Film von Dany Boon, dem Mann, der auch „Bienvenue chez les ch’tis“ gemacht hat. Auch hier hat er das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und selbst mitgespielt. Und das merkt man dem Film an: Er ist wirklich gut und sehr lustig.

Es geht im Wesentlichen um den Konflikt zwischen Frankreich und Belgien. Das Verhältnis dürfte dem von Deutschland und Österreich sehr ähneln, denke ich. Der Film spielt im Jahr 1993 an der Grenze; zu diesem Zeitpunkt wurden irgendwelche Gesetze geändert, sodass zukünftig keine Zollbeamten mehr gebraucht werden. Ein Franzose und ein Belgier sollen dann zusammen eine Einheit bilden und mobile Zollkontrollen durchführen. Dabei jagen sie nebenbei noch einen Drogenschmuggler. Der Belgier hat dummerweise extreme Vorurteile gegenüber den „camenberts“, was das Ganze nicht gerade einfacher, dafür aber wesentlich lustiger gestaltet.

Der Film kann meiner Meinung nach mit „Bienvenue chez les ch’tis“ wirklich mithalten. Ich kann ihn nur jedem empfehlen. Gleichzeitig hoffe ich, dass der Film irgendwann auch nach Deutschland kommt. Warten wir’s ab.

Einmal war ich auch in Vesoul im Kino. Dort war vor einiger Zeit ein asiatisches Filmfestival. Zunächst kurz zur Stadt: Vesoul ist nicht sehr groß, aber wirklich hübsch. Hat mich echt positiv überrascht. Muss definitiv noch einmal hinfahren.

Das Kino von Vesoul ist aber schon deutlich größer als jenes von Lure. Hier sind auch den ganzen Tag Vorführungen, nicht nur am Abend. Der Film, den wir gesehen haben („La fiancée syréenne), war auf Hebräisch und / oder Arabisch mit französischen Untertiteln. Es ging um eine syrische Braut, die verheiratet werden sollte, aber dazu musste sie wohl nach Israel und ihre Familie konnte da nicht mit, aber an der Grenze gibt es jede Menge politische Konflikte. War kein schlechter Film, nur das Ende war seltsam.

Auf jeden Fall komme ich langsam auf den Geschmack, was Kino in Frankreich betrifft. Sollte ich auf jeden Fall beibehalten, auch wenn ich in Deutschland bin. So weit weg ist Frankreich ja glücklicherweise nicht.

Fünf Wochen sind es noch, dann ist meine Zeit in Lure zu Ende. Unfassbar, wie schnell das jetzt ging. Allerdings glaube ich nach der letzten Woche, dass es jetzt allmählich Zeit ist, zu gehen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber meine Motivation hier ist momentan ziemlich am Boden. In den Ferien war ich zu Hause und habe ein paar Pläne gemacht, was zu tun ist, wenn ich daheim bin, aber jetzt kann ich logischerweise noch nichts angehen, weil ich eben noch hier rumsitze. Ich hoffe aber (und bin auch optimistisch), dass die nächsten Wochen wieder besser werden und ich noch ein paar schöne Tage hier erlebe. Ein paar Ausflüge stehen evtl. auch noch auf dem Programm (wir wollen nach Domrémy-la-pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d’Arc) und mit etwas Glück bekomme ich vielleicht auch endlich doch noch mal Besuch. Und in wenigen Wochen ist das ganze Abenteuer dann beendet…

 

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