Nervensägen

Letzten Mittwoch habe ich mal wieder einen Tagesausflug gemacht. Wie schon erwähnt – so langsam mache ich hier etwas mehr. Zusammen mit Kaitlin und Betsy ging es nach Dijon.

Als ich wusste, dass ich nach Lure komme, habe ich nachgesehen, welche bekannteren Städte dort in der Nähe sind. Dijon war eine davon. Ich habe damals mehr oder weniger im Scherz zu meinen Eltern gesagt: „Wenn ich mal nach Dijon fahre, dann bring ich euch Senf mit.“ Und so war es dann auch.

Die erste Hälfte des Ausflugs war dann besonders lustig: Es ging zur Ikea. Bei der Frage, welche Ikea-Filiale die geringste Entfernung zu Lure hat, müsste (wie mir gerade in den Sinn kommt) Freiburg gewinnen, Dijon liegt aber auf Platz zwei (Strasbourg ist noch ein gutes Stück weiter). Kaitlin (die bis Juni bleibt) wollte noch ein paar Sachen haben und – vor allem – sie war noch nie in einer Ikea. Das musste natürlich geändert werden.

Ikea in Frankreich sieht nicht anders aus als Ikea in Deutschland. Ich glaube aber, dass die Produktnamen nicht identisch sind. Im Grunde ist das total unsinnig und ich würde es selbst nicht glauben, aber ich habe meinen alten Schreibtischstuhl wieder erkannt und der Name war ziemlich sicher ein anderer.

Kaitlin hat gut eingekauft (u.a. einen Spiegel, einen kleinen Tisch, etwas, um Kleidung aufzuhängen, nicht zu vergessen diverser Kleikran) und auch Betsy fand zwei oder drei Dinge. Ich habe tatsächlich nichts gekauft. Vorher war ich mir noch sicher, dass auch ich irgendwas finden werde. Aber nein. Ich habe ein paar Sachen gesehen, die ich gerne für mein „richtiges zu Hause“ hätte, aber die kaufe ich dann doch lieber in Deutschland.

Betsy meinte ein oder zwei Tage vor unserem Ausflug noch, dass Kaitlin sagte, sie brauche wohl etwa eineinhalb Stunden; sie selbst dachte, es würde schneller gehen. Tatsächlich waren wir gut drei Stunden dort, allerdings inklusive Mittagessen. Es war extrem voll und so dauerte es eine Weile, bis wir unser Essen bekamen.

Ich kam mir mit meinem Tablett ziemlich nackt vor. Der Franzose isst ja immer mehrere Gänge. Das bedeutet: Jeder Franzose hatte ein Brötchen (30 Cent) auf dem Tablett und ein Dessert, viele auch Vorspeisen. Wir hatten nur jeder unseren Hauptgang und einen Becher für unser Getränk. Aber was soll’s, satt wurden wir trotzdem und es war gut und dazu noch billig. Halt auch: Wie in Deutschland.

Dann ging es weiter nach Dijon. Es war eine Art Höllenritt: Ich kenne keine Stadt, in der Auto fahren so unangenehm ist wie in Dijon. Paris kann da kaum schlimmer sein; da sind immerhin die Straßen etwas größer. Ganz Dijon war offenbar eine riesige Baustelle. Dazu war leider auch nicht gerade wenig Verkehr. Das Fahren hat wirklich keinen Spaß gemacht.

Auch das Parkhaus war ganz schön eng. Wir fuhren immer tiefer nach unten bis auf Ebene J. Zum besseren Merken war diese Ebene zusätzlich noch mit einer Katze versehen. Die Parkplätze waren auch ziemlich eng, was mit meinem Volvo Kombi (auch Schlachtschiff genannt) dann auch noch ein ziemlicher Spaß war. Immerhin: Das Parken war angenehm günstig; die erste Stunde einen Euro, jede weitere 50 Cent.

Zu Dijon: Mir persönlich gefällt die Stadt nicht besonders. Dijon ist zum shoppen sicherlich besser als Besançon (und als Lure sowieso, aber das muss man eigentlich nicht extra erwähnen). Da ich mit zwei Mädchen unterwegs war, musste ich auch in Kleidergeschäfte. Aber zum Glück nur zwei Stück, es war also zu ertragen.

Es gibt einige ganz gute Fotomotive in Dijon, einige recht beeindruckende Gebäude. Jedoch sind viele davon recht heruntergekommen oder verdreckt; zumindest wirkten sie so. Aber gut, die Meinungen gehen ja auseinander. Kaitlin und Betsy gefiel die Stadt und ich muss erwähnen, dass es trotzdem ein sehr schöner Tag war; nur eben im Vergleich mit den wenigen anderen Städten in Frankreich, die ich kenne, hält Dijon nicht wirklich mit.

In einem Souvenirladen kaufte ich dann den zu Beginn angesprochenen Senf. Am Wochenende habe ich festgestellt, dass man die exakt selben Marken auch im deutschen Supermarkt bekommt. Den, den ich gekauft habe, habe ich aber nicht gesehen. Ich selbst esse ja keinen Senf, also war das wirklich nur ein Mitbringsel für meine Eltern. Es gibt unfassbar viele Sorten an Senf, viele davon recht exotisch und ausgefallen. Ich habe mich für Senf mit Weißwein entschieden, das klang noch mit am normalsten.

Danach haben wir dann endlich mal etwas getan, was für mich ein wesentlicher Bestandteil des Flairs von Frankreich ist: Wir haben uns in ein Café gesetzt. Genau das macht Frankreich für mich aus, aber getan habe ich es bislang noch nicht besonders oft. In Lure gibt es einfach kein entsprechendes Café mit gemütlichem Flair und woanders bin ich ja nicht so oft.

In Dijon haben wir es dann aber getan. War auch sehr schön. Es hat bis zu dem Ausflug nach Besançon in der Woche zuvor gedauert, bis ich hier mal einen Crêpes gegessen habe. Dafür habe ich dann in Dijon gleich wieder einen gegessen. War auch wieder gut.

Gegen Abend waren wir dann noch in einem Spielwarengeschäft und einem Musikladen. Dann begann der beschwerliche Rückweg. Von Dijon nach Lure sind es rund 140 km. Mein Navi leitete mich (im Gegensatz zu google maps) keinen Kilometer über die Autobahn. Komplett Landstraße. Bei Tag eine schöne Strecke. Recht hügelig und so – schöne Landschaft. Bei Nacht allerdings extrem anstrengend. Ich habe mich mehrfach verfahren, weil das Navi sich entweder unklar ausdrückte oder ich nicht richtig aufgepasst habe bzw. bestimmte Dinge erst in letzter Sekunde gesehen habe, weil es eben dunkel war. Ich fahre wirklich gerne Auto, aber diese Fahrt war Stress pur.

Dann haben wir noch einen Zwischenstopp bei Kaitlin gemacht, um ihr Zeug auszuladen. Wir sind dann auch noch eine halbe Stunde oder so geblieben. Insgesamt war es ein sehr langer und anstrengender Tag. Jedoch war es sehr schön, mal etwas zu unternehmen und etwas von der Region zu sehen. Diesen Mittwoch werden wir wahrscheinlich nach Vesoul gehen. Das ist wesentlich näher und damit nicht so umständlich zu fahren.

Heute hatte ich zwei Unterrichtsstunden, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. In meiner SVT-Klasse haben wir heute nur Stadt, Land, Fluss gespielt. Hat sehr viel Spaß gemacht: Ich habe mitgespielt, jedoch nicht auf Deutsch, sondern auf Französisch. Habe auch tatsächlich gewonnen, jetzt ist also auch rechnerisch erwiesen, dass ich besser Französisch kann als meine Schüler Deutsch.

Am Abend hatte ich dann in der nächsten Klasse meine erste Stunde zu „Lola rennt“. Die Klasse hat ja nur vier Schüler und gerade die beiden Jungs sind sehr schwierig. Sie reden nur (und das nicht auf Deutsch) und lenken alle ab. Besonders der eine der beiden ist für mich inzwischen nur noch nervig. Wir haben uns den ersten Teil des Films angesehen und er hat nur geredet. Ich hatte einige Dinge vorbereitet, aber habe dann spontan meine Pläne umgeschmissen. Ich wollte sie mündlich erzählen lassen, was passiert ist. Aber da mündliche Aufgaben bei denen nie richtig klappen (und meine Laune jetzt auch nicht mehr die beste war), habe ich mich entschieden, dass sie einen Text schreiben sollen. Die beiden Mädchen haben auch etwas zustande gebracht, der eine Junge einen Satz, der andere hat gar nichts geschrieben, weil er alles im Kopf habe, wie er sagte. Was er dann erzählt hat, war dann zwar auch korrekt, aber eben viel zu wenig, gerade im Vergleich mit den beiden Mädchen.

Ausgerechnet diese Klasse habe ich jede Woche. Ich weiß nicht, wie ich mit denen umgehen soll. Ich war immer tolerant und habe mich nie beschwert. Aber so ausnutzen lassen will ich meine Gutmütigkeit auf Dauer dann doch nicht. Ich habe ihnen angekündigt, dass ich mal mit ihrer Lehrerin reden werde, was man machen kann, damit das aufhört. Keine Ahnung, ob das eine Auswirkung hat oder ob die Lehrerin eine Idee hat. Vielleicht reicht es ja auch, wenn sie nur etwas sagt. Ich will wirklich niemanden reinreiten oder bestrafen, aber ich will auch vernünftig Unterricht machen. Das funktioniert im Großen und Ganzen in allen Klassen, nur in dieser habe ich regelmäßig Probleme. Sicher haben die Deutsch nur als dritte Fremdsprache, sind also noch nicht besonders gut, aber ein bisschen Aufmerksamkeit und Respekt kann man ja schon erwarten…

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  1. Doro
    13. Februar 2011 um 22:44

    seit wann hast du nen Volvo? 😉

  2. aufsteiger
    14. Februar 2011 um 01:00

    Ich hab zur Zeit nicht mein eigenes Auto, sondern den Volvo von meinem Vater. Der ist ein Diesel, verbraucht deutlich weniger und hat eine wesentlich größere Reichweite (1000 km gegenüber 600 bei meinem Mercedes). Wenn ich dann aus Frankreich zurück bin, werden wir wieder tauschen 🙂

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