Archive

Archive for Januar 2011

Wie die Zeit vergeht…

Und schon wieder ist es mehr als drei Wochen her, dass ich gebloggt habe. Irgendwie schaffe ich es einfach nicht öfter, ich weiß auch nicht, wieso. Diese Art zu bloggen scheint mir nicht mehr wirklich zu liegen. Mal sehen, was ich mit diesem Blog mache, wenn meine Zeit in Frankreich zu Ende ist. Vielleicht mache ich dann etwas in Richtung Kommentare zur TV-Landschaft, Politik und allem anderen, was in der Öffentlichkeit so passiert. Mal sehen; ich würde auf jeden Fall gerne weiterschreiben und ein Blog ist eben eine Möglichkeit, dies zu tun.

Inzwischen war ich endlich zum ersten Mal hier im Kino. Das Kino ist ja nur ein paar Meter von hier entfernt; ich kann also in weniger als zehn Minuten hinlaufen, wenn ich will. Dennoch hat es mehr als drei Monate gedauert, bis ich endlich mal dort gelandet bin. Der Film hieß „Des vrais mensonges“. Es ist eine Komödie mit Audrey Tautou und Nathalie Baye. Die Handlung: Ein Typ ist verliebt in die Besitzerin eines Friseursalons (Audrey Tautou) und schreibt ihr einen Brief. Sie wirft diesen Brief jedoch weg. Später holt sie ihn aber wieder aus dem Müll, tippt ihn ab und schickt ihn an ihre Mutter, die die Trennung von ihrem Mann nie überwunden hat. Da die Wirkung nicht allzu lang anhält, muss sie weitere Briefe schreiben und durch eine Verwechslung hält die Mutter dann den echten Verfasser des ersten Briefes für ihren heimlichen Verehrer.

Insgesamt eine schöne Komödie, die ich auf jeden Fall empfehlen kann. Der Handlung konnte ich sehr gut folgen, wenn ich auch nicht jedes Wort verstanden habe. Es hat sich aber etwas blöd angefühlt, wenn die ganzen Franzosen um einen rum an einer Stelle lachen, man selbst aber nicht. Etwas beruhigend: Die anderen Assistenten (Betsy, Corinne und Kaitlin waren dabei) haben auch nicht alles verstanden / auch nicht bei jedem Witz gelacht. Ich liege also im Soll mit meinem Französisch. Es fällt mir ein wenig schwer zu beurteilen, ob sich mein Französisch in den letzten Monaten verbessert hat. Ich denke aber schon. Ich kann mich inzwischen einigermaßen flüssig unterhalten und auch bei den Nachrichten im Radio kann ich zumindest teilweise verstehen, was passiert ist. Und für den Kinobesuch hat es auch gereicht; ich hoffe, zukünftig schaffe ich es öfters dorthin.

In meinem letzten Eintrag habe ich ja angesprochen, dass ich ein Arbeitsblatt namens „Menschen 2010“ mit meinen Schülern machen wollte. Das habe ich auch gemacht; genau genommen habe ich nicht viel anderes gemacht seit dem. Die meisten Klassen habe ich ja nur alle zwei Wochen (bei einer Klasse hat sich das auch gerade erst von jeder Woche auf jede zweite Woche geändert), von daher ist das einigermaßen normal. Zudem ist noch die eine oder andere Stunde ausgefallen (was nie meine Schuld war).

Auf jeden Fall hat dieses Arbeitsblatt wirklich gut funktioniert. Die Schüler sind nicht schlecht und bekommen die Leute, die sie kennen können, ganz gut hin. Nur der Name „Jörg Kachelmann“ bereitet ihnen große Probleme. War mir gar nicht bewusst, dass dieser Name so schwierig ist für Franzosen. Ich hatte als weitere Aufgabe noch vorgesehen, dass sie sich überlegen sollten, wer für sie ein „Mensch 2010“ war. Bislang hat das nicht so wahnsinnig gut geklappt, da die Schüler auch nach recht langer Vorbereitungszeit nicht allzu viel sagen konnten. Aber der erste Teil hat ziemlich gut funktioniert.

Seit Freitag habe ich endlich die Materialien zu „Lola rennt“. In den Klassen, in denen ich das mache, werde ich nichts anderes mehr vorbereiten müssen. Im Grunde ist das Problem jetzt anders herum: Viele Klassen habe ich ja nur alle zwei Wochen, was bei noch acht Arbeitswochen (ja, mehr sind es nicht mehr) bedeutet, dass ich sie nur noch vier Mal sehen werde. Der Film hat eine kurze Vorgeschichte und dann wird drei Mal das selbe erzählt. Will ich das alles zeigen, brauche ich eigentlich mindestens diese vier Stunden. Will ich es etwas ausführlicher machen, dann habe ich schon ein Problem. Am Donnerstag könnte ich das zum ersten Mal machen und so lange habe ich jetzt noch Zeit, zu überlegen, was genau ich machen könnte.

Letzte Woche war meine Mutter da. Ich habe ihr Lure ein wenig gezeigt und wir haben einen Ausflug nach Besançon gemacht. Ich kenne Lure jetzt wesentlich besser als zuvor. Normalerweise laufe ich hier ja nicht allzu viel rum und daher habe ich auch noch nicht allzu viel von Lure wahrgenommen. Das hat sich jetzt ein wenig geändert. Ich kenne jetzt immerhin auch ein paar Seitenstraßen und war auch in noch ein paar Geschäften mehr (es gibt hier ein Geschäft, in dem man sehr gute und leider auch sehr teure Schokolade und auch Pralinen kaufen kann).

Besançon ist eine wundervolle Stadt. Vom Flair ähnelt sie sehr Heidelberg. Es gibt sehr viele Studenten, sprich man sieht fast nur junge Menschen in Besançon. Und die vielen kleinen Gassen im centre ville sind einfach nur toll. Ich kann jedem nur empfehlen, mal in dieser Stadt vorbeizuschauen.

Gestern war ich bei meinem ersten Konzert in Frankreich. Im Auditorium in Lure spielte Xavier Merlet. Vor dem Konzert waren ich und Betsy, die auch mitging, noch bei Tanja, der einen Lehrerin vom collège, eingeladen. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe vom Auditorium in einem sehr interessanten aus. Es hat ein bisschen was von einem Schloss. Am Eingang ist ein riesiges Tor und wenn man in das Gebäude geht, hat es noch ein etwas verwirrendes Treppenhaus, bis man in der Wohnung ist.

Wir bekamen etwas zu trinken und einige Snacks (Wurst, Käse, Chips, Tomaten…). Und wir haben uns natürlich unterhalten. Eine recht lange Konversation auf Französisch – das hatte ich bislang nicht oft. Aber es war wirklich angenehm und hat auch gut geklappt.

Das Konzert, auf das wir dann im Anschluss alle drei gingen, war wirklich gut. Es ist nicht gerade leicht, den Stil zu beschreiben. Hatte etwas von schrägem Schlager der 70er Jahre (die Anmoderationen vom Sänger waren auch sehr schräg und auch sonst haben er und seine Band viele schräge Dinge getan auf der Bühne), aber auch von typischer französischer Musik. Die Instrumente waren Gitarre, Klavier, Kontrabass und Akkordeon. Ich habe mir (ebenso wie die anderen beiden) im Anschluss die CD von ihm gekauft. Es war also wirklich ein gelungener Abend.

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit jetzt auf einmal doch vergeht. Ich habe noch acht Arbeitswochen. In drei Wochen sind schon wieder Ferien und danach sind es nur noch fünf Wochen, bis alles vorbei ist. Und dabei habe ich mich gerade daran gewöhnt, hier zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir die Zeit hier fehlen wird, wenn ich erst einmal weg bin. Klar, es wird auch schön, wieder zu Hause zu sein, aber ich habe mich beispielsweise gerade daran gewöhnt, alleine zu wohnen und es ist weit weniger unangenehm, als ich dachte.

Ich werde jetzt also versuchen, die letzten Wochen hier so gut wie möglich zu genießen. Ich habe auch die Hoffnung, dass ich etwas mehr unternehme als zu Beginn. Der Ausflug nach Besançon, der Kinobesuch vor ein paar Wochen und der Konzertbesuch gestern waren ja schon einmal ein guter Anfang; mal sehen, wie es weitergeht.

 

Die Vorweihnachtszeit – Teil 2

Ein frohes neues Jahr an alle! Während in Deutschland bzw. insbesondere in Baden-Württemberg die meisten diese Woche noch Ferien oder Urlaub genossen haben (oder zumindest am Donnerstag frei hatten, weil da ja Feiertag war), bin ich seit letztem Sonntag schon wieder in Lure und habe fleißig gearbeitet.

Bevor ich aber dazu komme, muss ich noch die restlichen Dinge erzählen, die vor Weihnachten passiert sind.

Mitte Dezember ist Betsy mit mir nach Mannheim gefahren. Ich wollte ihr Mannheim zeigen und vor allem den Weihnachtsmarkt. In Frankreich ist das Phänomen Weihnachtsmarkt inzwischen auch sehr verbreitet (Betsy hat in den Weihnachtsferien eine Art Rundreise durch Frankreich gemacht und ich habe Bilder gesehen von mehreren Weihnachtsmärkten in den verschiedensten Regionen Frankreichs), aber ursprünglich ist es ja etwas Deutsches und bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie auch noch keinen gesehen. So gesehen also eine spannende Sache.

Ich denke (und auf Betsys Blog lässt sich das auch nachlesen), ihr hat der Aufenthalt in Mannheim gefallen. Es war für sie das erste Mal in Deutschland. Auf jeden Fall hat sie sich mal sehr positiv über das Essen geäußert. An dem Tag, als wir ankamen, hatten wir Nürnberger Bratwurst und Pommes. Sonntags waren wir bei mir in der Nähe essen und am Samstag waren wir auf dem Weihnachtsmarkt, wo sie (glaube ich) nur eine Brezel aß, die sie aber auch toll fand. Ich sollte ein Foto von ihr machen mit einer Brezel in der Hand. Irgendwie schräg. Amerikaner sind offenbar sehr leicht zu begeistern…

Neben mir und Betsy war noch Thomas (für alle, die ihn nicht kennen: Das ist ein Freund von mir.) dabei. War ein lustiger Nachmittag / Abend. Die beiden haben keinen Glühwein, aber dafür Feuerzangenbowle getrunken. Schön daran ist zweifelsohne das Wort an sich; ich denke nicht, dass man das als Ausländer ohne mehrere Jahre Deutsch-Studium auswendig hinbekommt…

Nebenbei bekam ich von Betsy im Laufe des Wochenendes noch ein paar Einrichtungstipps. Ich denke, ich werde einer Idee sogar folgen, wenn ich wieder ganz zu Hause bin. Thanks for that!

Einen Tag, nachdem wir wieder zurück waren, haben wir fünf Assistenten aus Lure uns dann noch zum Abendessen bei mir getroffen, sozusagen als kleine Weihnachtsfeier. War ein sehr gemütlicher und angenehmer Abend. Internet ist auch in so einem Fall eine schöne Sache; das ein oder andere youtube-Video hat uns an diesem Abend auch begleitet.

Ich habe ein typisch deutsches Weihnachtsessen gekocht: Würstchen mit Kartoffelsalat. Ist ja glücklicherweise einfach zu machen (vor allem wenn man am Vortag daheim war und so auch deutsche Würstchen besorgen konnte). Außerdem habe ich noch eine Kartoffel-Sellerie-Suppe gemacht, die, wie auch das andere, gut ankam (offenbar so gut, dass das Dessert, welches Corinne, die Schweizerin, gemacht hat, unangetastet blieb, weil alle voll waren. Es scheint, als kann ich tatsächlich ganz gut kochen…

Vor den Ferien habe ich noch eine besondere Schulstunde besucht. Eine Klasse im lycée hat in einer Doppelstunde Hexenhäuser gebastelt. Die sahen echt klasse aus. Ich war echt beeindruckt, was manche da hinbekommen haben. Die Schüler mussten wohl den Lebkuchen zu Hause backen und zurechtschneiden; das Zusammensetzen und Dekorieren fand dann in der Kantine statt. Dazu brachten die Schüler halt jede Menge Zeugs mit: Puderzucker, Schokolade zum Schmelzen, Gummibärchen etc., Smarties (oder M&Ms?)… Die Ergebnisse waren echt toll. Eine schöne Idee, die ich mir merken werde. Kann man ja auch mal als Deutschlehrer in Deutschland kurz vor den Ferien machen oder so…

Und dann waren auch schon Ferien. Und seit einer Woche bin ich jetzt eben wieder hier. Letztes Wochenende hatte ich absolut keine Lust zu fahren. Ich hatte mich in den Ferien wieder zu sehr ans Daheim-Sein und an das Nichtstun gewöhnt; dazu kam noch das deutsche Fernsehen etc. Aber das ist schon wieder Vergangenheit. Ich fühle mich schon wieder sehr wohl hier. Das lag wohl auch daran, dass der Unterricht diese Woche ziemlich gut geklappt hat. Ich habe mir das Lied „Wenn jetzt Sommer wär‘“ von Pohlmann ausgesucht, daraus (wie üblich) einen Lückentext gemacht und nach Vervollständigen sollten mir die Schüler erst sagen, was Pohlmann machen würde, wenn jetzt Sommer wäre und danach noch, was sie selbst machen würden, wenn jetzt Sommer wäre. Somit hatte ich sogar eine kleine Konjunktivübung mit drin (jedoch nur für den Konjunktiv mit „würde“, aber mit dem kann man ja schon wunderbar ausdrücken, was man ausdrücken will). Donnerstags habe ich ja an und für sich meine schwierigste Klasse, aber dieses Mal wirkten sie echt motiviert und arbeiteten sehr gut mit. Das hat mich sehr gefreut. Das Lied „Wenn jetzt Sommer wär‘“ ist also sehr zu empfehlen.

Gestern im collège habe ich noch etwas gemacht, was ich nächste Woche auch im lycée machen werde. Zum einen eine kleine Präsentation über Silvester in Deutschland (was nicht so wahnsinnig spannend ist, da es zu dem Thema nicht wirklich viel gibt), zum anderen eine Art Quiz mit dem Titel „Menschen 2010“. Ich hab die Bilder und Namen von zwölf Deutschen, die 2010 in irgendeiner Form besonders waren (z.B. Thomas Müller, Christian Wulff, Lena usw.) auf ein Blatt gedruckt und darunter pro Person einen Satz in Ich-Form. Die Schüler sollten die Sätze den Personen zuordnen. Zum Teil mussten die Schüler raten (weil wenn man Jörg Kachelmann und Thilo Sarrazin nicht kennt, kann man nicht wissen, wer ein Buch geschrieben und wer gerade einen Gerichtsprozess am Laufen hat), zum Teil konnte man es auch erschließen (Thomas Müller als Fußballspieler könnte was mit der WM 2010 zu tun haben etc.). Das hat auch ziemlich gut funktioniert; die Schüler haben nicht einfach blind geraten (außer bei den Personen, bei denen es nicht anders ging), sondern wirklich nachgedacht und das meiste logisch erschlossen.

Außerdem habe ich durch die eine Lehrerin gestern eine großartige Idee bekommen: Der Film „Lola rennt“. Den kann man sehr gut in drei Teile teilen und dazu einiges arbeiten. Ich hab den Film hier und werde ihn mir jetzt noch einmal genau anschauen und überlegen, was man da alles machen kann. Auf jeden Fall bietet das Potential für mehrere Unterrichtsstunden. Die Lehrerin, die mir davon erzählt hat (ein Kollege von ihr hat das Thema angefangen und sie hat es zu Ende geführt), hat mir erzählt, dass die Schüler zum Beispiel ein Telefonat am Anfang nachsynchronisieren mussten. Dazu müssen die Schüler auch mal ein bisschen aus sich rausgehen und emotional werden. Im collège hat das offenbar echt gut geklappt. Dann sollte ich damit im lycée auch etwas anfangen können. Dass ich auf den Film nicht früher gekommen bin…

So, jetzt seid ihr endlich wieder auf dem aktuellsten Stand. Ich habe dieses Wochenende mehr oder weniger Halbzeit, da hier ja ab Mitte April Ferien sind. Insgesamt habe ich noch genau zwölf Unterrichtswochen vor mir. Klingt irgendwie nach total wenig. Aber wir werden sehen…