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Archive for Dezember 2010

Die Vorweihnachtszeit – Teil 1

Oh je, es ist ja schon eine Ewigkeit her, dass ich zum letzten Mal etwas geschrieben habe. Zuerst war es irgendwie so, dass nichts Spannendes passiert ist, danach wurde dann alles ein wenig hektisch, weswegen ich nicht wirklich dazu gekommen bin, einen Eintrag zu schreiben. Dann war ich in der letzten Woche vor den Ferien auch noch erkältet (und natürlich auch mit der Abreise beschäftigt) und in den Ferien hatte ich meinen Kopf auch die meiste Zeit woanders.

Dennoch: Ich möchte mich in aller Form bei meinen treuen Lesern (gerade solchen, die ich nicht so oft sehe und die daher vielleicht wirklich nicht wissen, was ich in letzter Zeit so gemacht habe) entschuldigen. Ich hoffe sehr, dass es im neuen Jahr wieder besser wird.

Hätte ich den Eintrag am Anfang des Monats geschrieben, würde ich jetzt wohl ausführlich beschreiben, wie viel Schnee in Lure lag. Aber inzwischen ist das in Deutschland (bzw. Mannheim und Umgebung) ja nicht anders. In Lure hat es nur ein paar Tage früher angefangen. Es war auch nicht mehr als in Deutschland; genau genommen lag jetzt um Weihnachten hier deutlich mehr Schnee als es in Lure vor ein paar Wochen der Fall war. Aber zweifelsohne gab es auch dort sehr viel Schnee, was sehr schön war. Dummerweise war es aber auch sehr kalt, was aber zu ertragen war, da ich ja praktisch keinen Schulweg habe.

Im Dezember standen zwei Ausflüge nach Freiburg an. Im collège wird dieser Ausflug wohl jedes Jahr gemacht; er besteht hier aus einer Stadtrallye durch die Freiburger Altstadt, die am Weihnachtsmarkt endet, wo die Schüler dann ein paar Stunden Freizeit haben, in denen sie eben den Weihnachtsmarkt selbst erkunden können, aber auch einige Straßen um den Weihnachtsmarkt herum, in denen es auch Geschäfte gibt. In einer Klasse war ich auch bei der Vorbereitungsstunde zu dem Ausflug dabei. Die Lehrerin hat einige Geschäfte erwähnt, unter anderem Müller, in dem man eben auch CDs kaufen kann. Die sind in Deutschland doch ein ganzes Stück billiger als in Frankreich. Bei PC-Spielen etc. hat sie auch darauf hingewiesen, dass diese dann eben auf Deutsch sind.

Bei dem Ausflug mit dem collège waren sehr viele Schüler dabei. Ich glaube, es waren vier Klassen mit knapp 70 Schülern. Auf jeden Fall waren zwei Busse voll und auch acht Lehrer als Begleitperson dabei – und eben ich. Pro Klasse / Schülergruppe waren zwei Lehrer dabei und sind mit ihnen die verschiedenen Stationen der Rallye abgelaufen. Der Anfang war das Münster. Auf dem Platz am Münster bzw. um das Münster herum war gerade ein Markt, der wirklich sehr schön war. Auch das Münster selbst was sehr beeindruckend, von innen wie von außen. Und auch sonst muss ich sagen: Freiburg ist eine wirklich schöne Stadt. Ich denke, auch für Deutsche lohnt es sich, da mal hinzufahren und sich die Stadt anzusehen. Was mir vor allem aufgefallen ist: Es scheint sehr viele Lokale zu geben, in denen man richtig traditionelle badische Küche bekommt. Das fand ich sehr sympathisch. Ich persönlich hatte eigentlich geplant, auf dem Weihnachtsmarkt zu essen, aber so kam es dann leider nicht.

Als die Rallye zu Ende war, wurden die Schüler am Weihnachtsmarkt in ihre Freizeit verabschiedet (die mussten mindestens zu dritt losgehen, was aber ganz gut klappte). Dass wir Lehrer mehr oder weniger zusammen bleiben würden, dachte ich mir, aber ich dachte halt auch weiter, dass man dann eben zusammen ein wenig den Weihnachtsmarkt erkunden würde. Ich mag Weihnachtsmärkte ja sehr, daher war das auch so ein wenig meine Hoffnung. Jedoch kamen die Lehrer dann zu dem Schluss, dass sie in einem Lokal essen wollten. Da ich jetzt nicht gleich aus der Rolle fallen wollte, schloss ich mich an.

Gelandet sind wir dann in einer sehr schönen Brauereigaststätte. Es war ein richtig uriges Gasthaus, was mir sehr gut gefallen hat. Das Essen war auch gut; den Franzosen hat das deutsche Essen (u.a. Haxe oder auch Wildschweinbratwurst) offenbar geschmeckt. Ein wenig kompliziert wurde es beim Bezahlen, da man es im Ausland ja nicht gewohnt ist, dass jeder einfach bei der Kellnerin direkt getrennt bezahlt. So kam es dann am Tisch zu einem ausführlichen Rumgerechne und es wurden viele Geldscheine gewechselt, bis dann genug Geld auf dem Tisch lag. Dabei ist das in Deutschland doch so einfach…

Danach landeten wir noch in einem Café und danach war noch etwas mehr als eine halbe Stunde Freizeit, die ich dann im Buchladen verbrachte. Vom Weihnachtsmarkt habe ich an dem Tag leider nicht allzu viel gesehen. Insgesamt war der Tag sehr anstrengend. Die Schüler bekommen ja eine relativ großzügig bemessene Freizeit; die Lehrer schlussendlich auch. Aber da ich dann noch bei den Lehrern geblieben bin, hatte ich nur bedingt „Freizeit“. Von den acht Lehrern waren ja nur zwei Stück Deutschlehrer, also wurde nur Französisch gesprochen. Und wenn acht Franzosen in einem Lokal Französisch reden, dann versteht man erst einmal nix mehr. Und wenn man etwas verstehen will, muss man sich extrem konzentrieren (zumindest ich muss das mit meinen Französischkenntnissen). Deswegen war der Tag für mich extrem anstrengend.

Für den zweiten Ausflug (mit dem lycée) hatte ich mir dann vorgenommen, mich mehr abzuseilen. Noch einmal wollte ich den Tag nicht so anstrengend verleben. Hinzu kam, dass ich bis zu dem Tag vor dem Ausflug nur von einer Begleitperson wusste und das war die neue Deutschlehrerin vom lycée. Ich weiß nicht, was ich schon über sie geschrieben habe, aber sie ist ein wenig anstrengend. Mir gegenüber ist sie immer sehr freundlich; ich kann mich also nicht beklagen. Ich habe aber schon mitbekommen, dass sie im Kollegium ziemlich unbeliebt ist. Sie scheint sich wenig mit den anderen Kollegen zu unterhalten etc. Daher war es auch nicht so einfach für sie, einen weiteren Lehrer als Begleitung zu finden (ich bin mir da zwar nicht sicher, aber ich glaube, dass ich offiziell nicht als Lehrer zähle, also nur „zusätzlich“ dabei bin. Aber eine Person mit tatsächlicher Verantwortung bin ich nicht).

Schlussendlich hat es aber doch geklappt. Ich hab von der zweiten Begleitperson selbst am Vortag des Ausflugs erfahren, dass sie es ist. Darüber war ich aber sehr froh: Die zweite Begleitperson war eine Spanisch-Lehrerin, die ich aus dem Lehrerzimmer schon ganz gut kannte. Na ja… „kannte“ ist genau genommen nicht ganz wahr, denn ich wusste ihren Namen nicht. Sie wusste aber meinen und so grüßte sie mich auch immer, wenn wir uns sahen und fragte auch immer, wie es mir geht. Sie war stets sehr freundlich zu mir, weswegen ich dann auch damit rechnete, dass es ein angenehmer Tag würde.

Der Tag begann mit schneebedingter Verspätung. Es hatte in der Nacht davor sehr viel geschneit und der Ausflug stand auf der Kippe. Zunächst mal war der Bus nicht da. Wir warteten bestimmt eine halbe Stunde, bis sich das Missverständnis aufklärte: Der Bus hatte nicht da gewartet, wo alle Schulbusse hinkommen (hinter der Schule am Friedhof, wo ein großer Parkplatz ist), sondern eben vor der Schule, wo sich ja der Marktplatz befinden. Als das aufgeklärt war, musste der proviseur noch seine offizielle Erlaubnis geben. Es ist nämlich so: Passiert bei dem Ausflug etwas, so ist der proviseur der Verantwortliche. Und gerade bei dem Wetter und den eventuell damit verbundenen Straßenverhältnissen hätte das ja kritisch werden können. Aber der proviseur gab seine Erlaubnisse und es ging los.

Jedoch ging es nicht direkt nach Freiburg, sondern nach Neuf-Brisach, einem Ort, der noch auf der französischen Seite liegt. Dieser Ort ist sehr historisch geprägt, was den Aufbau angeht. Es gibt eine Stadtmauer und auch mehrere Gräben, die die Stadt umschließen. In Neuf-Brisach bekamen wir dann eine Stadtführung. Der Führer hatte dann auch ein historisches Kostüm an (ich werde jetzt kein Jahrhundert nennen; darin bin ich sehr schlecht – es war eben etwas wirklich Altes). Er machte seine Sache echt gut; Jugendlichen historische Dinge über eine Stadt zu erzählen ist ja nicht gerade einfach. Aber ich glaube, die Schüler fanden das durchaus nicht schlecht, was der Mann da geredet hat.

Danach ging es dann wieder im Bus weiter nach Freiburg. Dieses Mal war es übrigens nur ein Bus und wohl etwas mehr als 30 Schüler. In Freiburg hatten die Schüler dann direkt Freizeit. Dieses Mal gingen aber auch die beiden Lehrer auf den Weihnachtsmarkt. Und so bin ich dann doch noch zu meinem Weihnachtsmarkt-Essen gekommen: Suppe im Brot. Es gab an einem Stand verschiedene Suppen, die im Brot serviert wurden. Das Brot hatte in etwa die Form eines Tellers, weswegen das funktionierte. Und geschmeckt hat das Ganze auch noch. Zum Weihnachtsmarkt in Freiburg muss man eigentlich das selbe sagen wie zu der Stadt selbst: Er ist wirklich schön. Vor allem bekommt man dort keinen rein kommerziellen Schrott wie auf vielen großen Weihnachtsmärkten (ich denke da etwa an den Stand mit den afrikanischen Figuren auf dem Weihnachtsmarkt in Mannheim…), sondern wirklich authentische Dinge und schön gemachtes Zeugs.

Nachdem wir dann ein bisschen was vom Weihnachtsmarkt gesehen haben, sind wir auch dieses Mal in einem Café gelandet. Am Münster gibt es ein „Tee- und Schokoladenhaus“, in dem es eben Tee und diverse Sachen aus Schokolade gibt und es ist auch ein Café dabei.

Nach diesem Café-Besuch trennten wir uns: Die Deutsch-Lehrerin wollte in ein Museum, das ebenfalls am Müsterplatz war. Die Spanisch-Lehrerin wollte einige deutsche Dinge kaufen. Ich begleitete sie, da sie ja kein Deutsch spricht. Im ersten Supermarkt kauften wir dann Zuckerrübensirup und Karamalz (ich war sehr überrascht, dass sie das kannte). Eigentlich wollte sie auch deutsches Bier haben, aber das gab es nicht. Begründung: Bei dem Supermarkt handelte es sich um einen Migros, eine Schweizer Supermarktkette, die keinen Alkohol verkauft. So begann eine sehr schräge Suche: Wir suchten ein Geschäft, das Bier verkauft – in Deutschland!

Es gab einen Edeka, aber den haben wir nicht gleich gefunden, weil er etwas versteckt lag. Dort gab es dann aber auch tatsächlich Bier. So verbrachte ich fast den ganzen Nachmittag mit der Spanisch-Lehrerin, die wirklich sehr sympathisch ist. So erfuhr ich dann auch noch ein bisschen was über den Beliebtheitsgrad der Deutsch-Lehrerin. Offenbar hatte sie bereits diverse Lehrer vor der Spanisch-Lehrerin gefragt, jedoch hatten alle abgelehnt. Die Spanisch-Lehrerin wurde von ihr dann mehr oder minder gezwungen, weil sie die Klassenlehrerin eines Teils der Schüler ist. Eigentlich hätte ein Lehrer für „histoire-geo“ (also in etwas Erdkunde und Geschichte, in Frankreich ist das ein bisschen vermisch) mit gesollt, aber da fand sich eben keiner. Offenbar haben sich die anderen Lehrer am Vortag sogar ein bisschen über die Spanisch-Lehrerin lustig gemacht, weil sie eben zu diesem Ausflug mit musste. Es war wirklich interessant, all das mal direkt zu hören. Teile von all dem habe ich ja schon von Dritten gehört, aber wirklich konkret war da eigentlich nichts. Somit war der ganze Tag eigentlich echt interessant und schön. Blöd war nur, dass ich am Ende des Tages ziemliches Halsweh hatte und mich am selben Abend nach der Heimkehr dann ziemlich schlecht fühlte. Daraus wurde dann eine Erkältung, die inzwischen zwar fast, aber noch nicht komplett abgeklungen ist.

Dennoch war es sehr interessant, mal den Ablauf von zwei Ausflügen zu sehen. Eigentlich habe ich nicht allzu viel mitbekommen, da die gesamte Planung und Organisation ja ohne mich stattfand.

 

Ich lass es jetzt einmal gut sein für heute. Ihr habt ja jetzt schon eine ganze Menge zu lesen gehabt. Der Rest folgt dann in den nächsten Tagen.

 

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