Routine

Internet haben ist so schön. Es treten einfach wieder gewisse Routinen ein, die eine ganze Weile weg waren. Sei es ICQ, Facebook oder einfach nur die Tatsache, dass man durchgehend E-Mails empfangen oder schreiben kann – es ist angenehm, dass das alles mal wieder da ist.

Auch in der Arbeit kehrt allmählich Routine ein. Ich schaffe es inzwischen sogar, mir den ein oder anderen Namen zu merken. Der Unterricht läuft gut und inzwischen habe ich so ein oder zwei Wochen Vorlauf mit dem, was ich tue. Manche Klassen habe ich ja nur jede zweite Woche, für die brauche ich entsprechend weniger Ideen. Ich glaube eigentlich, dass ich bislang nur bei einer Klasse mit all meinen Ideen durch bin und das wird sich diese Woche wohl auch nicht mehr ändern. Noch ist einfach viel ausgefallen.

Ich dachte immer, Unterrichtsausfälle kommen nur durch abwesende Lehrer zustande. So kann man sich täuschen. Letzten Donnerstag kam unmittelbar vor der ersten Stunde eine Schülerin auf mich zu und versuchte mir zu erklären, dass sie eine conseil de classe vorbereiten muss. Da ich das genaue System hier ja nicht kenne und mein Französisch alles andere als perfekt ist, gab es allerdings zunächst Kommunikationsschwierigkeiten. Es dauerte einige Versuche, bis ich verstand. Ich habe mich inzwischen auch noch mit einer Lehrerin unterhalten und weiß jetzt etwas genauer, was bei einer conseil de classe so passiert:

Im Grunde ist das sehr ähnlich der Notenkonferenzen in deutschen Schulen. Alle Lehrer einer Klasse setzen sich zusammen und reden eben über die Noten der Schüler (das Schuljahr ist hier in Trimester unterteilt). Im Unterschied zu Deutschland sind in Frankreich jedoch nicht nur die Lehrer anwesend, sondern auch gewählte Vertreter von Eltern- und von Schülerseite. Ich muss wirklich sagen, der administrative Teil des französischen Schulsystems gefällt mir deutlich besser als der in Deutschland.

Auf jeden Fall wollte die besagte Schülerin mit ihren Klassenkameraden die conseil de classe vorbereiten. Dazu ist wohl offiziell auch tatsächlich eine Stunde vorgesehen; wie genau das läuft, ist mir aber nicht ganz klar. Sie wollte jetzt eben von mir wissen, ob ich bereit wäre, meine Stunde ausfallen zu lassen, damit sie in der Zeit ihre Vorbereitungen machen können. Hätte ich das auf Anhieb verstanden, wäre alles wunderbar gewesen. Doch das Verständnis war eben das Problem. Es hat doch eine Weile gedauert, bis mir klar war, was sie wollte. Was ich besonders interessant fand: Sie hat mehrfach betont, dass es in Ordnung wäre, wenn ich auf meinen Unterricht bestehen würde. Ihr muss nach einer Weile klar geworden sein, dass ich echt nicht wusste, ob ich sie gehen lassen „muss“ oder ob ich es nur auf freiwilliger Basis tun kann. Normalerweise würden Schüler diese Unwissenheit doch dann ausnutzen, denke ich mal. Ich hätte das vermutlich getan, zumindest so tendenziell. Aber sie hat echt mehrfach betont, dass ich den Unterricht auch machen könne, wenn ich wolle.

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich bin echt überrascht über die die Freundlichkeit der Schüler hier.

Was mir noch nicht genügend gelingt, ist, die Schüler dazu zu bewegen, Deutsch zu reden. Gerade wenn ich alleine mit ihnen bin, ist das nicht so einfach, weil ich dann doch immer wieder ins Französische verfalle. Ich muss mir einfach Sachen ausdenken, bei denen die Schüler mehr sprechen müssen.

Ich habe jetzt in einigen Klassen das Lied „Weltmeister“ von den Wise Guys behandelt. Es war schwerer als ich dachte; das Lied ist doch recht schnell, weswegen der Text nicht so leicht zu verstehen ist. Aber ich habe es dann doch immer einigermaßen hinbekommen, dass die Schüler einigermaßen verstehen, um was es in dem Lied geht. Mindestens in einer Klasse werde ich das nächste Mal noch einmal auf das Lied eingehen, dann lasse ich mir erzählen, welche Vorurteile man in dem Lied über Deutschland erfährt, bzw. was typisch Deutsch ist. Aufbauend darauf will ich dann fragen, ob den Schülern noch mehr Vorurteile einfallen und dann vielleicht auch, welche Vorurteile sie über Frankreich kennen und vielleicht auch noch über andere Länder – mal sehen, was die Zeit dazu sagt.

Außerdem habe ich etwas zur Geographie vorbereitet. In einer Deutschlandkarte sollen die Schüler dann die Bundesländer benennen und auch 15 Städte. Da sie das sehr wahrscheinlich nicht wissen, werde ich noch Hinweise schreiben, mit denen sie die Städte durch Logik zuordnen können. Den Teil muss ich mir noch ausdenken, aber das wird schon.

Sonst gibt es momentan eigentlich nicht besonders viel zu berichten. Es ist insgesamt sehr ruhig hier, aber mir macht das ja schlussendlich nix aus. Ich genieße die Ruhe. Vielleicht sollte ich etwas mehr versuchen, mit Franzosen in Kontakt zu treten, aber man kann ja auch nicht alles haben. Vielleicht kommt das ja auch noch mit der Zeit, ich bin ja schon noch eine Weile hier.

Mal überlegen, was ich im Unterricht alles zu Weihnachten machen kann. Ist ja doch ein wichtiges Thema und im Dezember habe ich drei Wochen, also pro Klasse maximal drei Unterrichtsstunden, in denen ich etwas zu dem Thema machen könnte. Prinzipiell könnte Weihnachten auf jeden Fall mehr als eine Stunde einnehmen – mal sehen, was mir einfällt.

 

 

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