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Archive for November 2010

Routine

Internet haben ist so schön. Es treten einfach wieder gewisse Routinen ein, die eine ganze Weile weg waren. Sei es ICQ, Facebook oder einfach nur die Tatsache, dass man durchgehend E-Mails empfangen oder schreiben kann – es ist angenehm, dass das alles mal wieder da ist.

Auch in der Arbeit kehrt allmählich Routine ein. Ich schaffe es inzwischen sogar, mir den ein oder anderen Namen zu merken. Der Unterricht läuft gut und inzwischen habe ich so ein oder zwei Wochen Vorlauf mit dem, was ich tue. Manche Klassen habe ich ja nur jede zweite Woche, für die brauche ich entsprechend weniger Ideen. Ich glaube eigentlich, dass ich bislang nur bei einer Klasse mit all meinen Ideen durch bin und das wird sich diese Woche wohl auch nicht mehr ändern. Noch ist einfach viel ausgefallen.

Ich dachte immer, Unterrichtsausfälle kommen nur durch abwesende Lehrer zustande. So kann man sich täuschen. Letzten Donnerstag kam unmittelbar vor der ersten Stunde eine Schülerin auf mich zu und versuchte mir zu erklären, dass sie eine conseil de classe vorbereiten muss. Da ich das genaue System hier ja nicht kenne und mein Französisch alles andere als perfekt ist, gab es allerdings zunächst Kommunikationsschwierigkeiten. Es dauerte einige Versuche, bis ich verstand. Ich habe mich inzwischen auch noch mit einer Lehrerin unterhalten und weiß jetzt etwas genauer, was bei einer conseil de classe so passiert:

Im Grunde ist das sehr ähnlich der Notenkonferenzen in deutschen Schulen. Alle Lehrer einer Klasse setzen sich zusammen und reden eben über die Noten der Schüler (das Schuljahr ist hier in Trimester unterteilt). Im Unterschied zu Deutschland sind in Frankreich jedoch nicht nur die Lehrer anwesend, sondern auch gewählte Vertreter von Eltern- und von Schülerseite. Ich muss wirklich sagen, der administrative Teil des französischen Schulsystems gefällt mir deutlich besser als der in Deutschland.

Auf jeden Fall wollte die besagte Schülerin mit ihren Klassenkameraden die conseil de classe vorbereiten. Dazu ist wohl offiziell auch tatsächlich eine Stunde vorgesehen; wie genau das läuft, ist mir aber nicht ganz klar. Sie wollte jetzt eben von mir wissen, ob ich bereit wäre, meine Stunde ausfallen zu lassen, damit sie in der Zeit ihre Vorbereitungen machen können. Hätte ich das auf Anhieb verstanden, wäre alles wunderbar gewesen. Doch das Verständnis war eben das Problem. Es hat doch eine Weile gedauert, bis mir klar war, was sie wollte. Was ich besonders interessant fand: Sie hat mehrfach betont, dass es in Ordnung wäre, wenn ich auf meinen Unterricht bestehen würde. Ihr muss nach einer Weile klar geworden sein, dass ich echt nicht wusste, ob ich sie gehen lassen „muss“ oder ob ich es nur auf freiwilliger Basis tun kann. Normalerweise würden Schüler diese Unwissenheit doch dann ausnutzen, denke ich mal. Ich hätte das vermutlich getan, zumindest so tendenziell. Aber sie hat echt mehrfach betont, dass ich den Unterricht auch machen könne, wenn ich wolle.

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich bin echt überrascht über die die Freundlichkeit der Schüler hier.

Was mir noch nicht genügend gelingt, ist, die Schüler dazu zu bewegen, Deutsch zu reden. Gerade wenn ich alleine mit ihnen bin, ist das nicht so einfach, weil ich dann doch immer wieder ins Französische verfalle. Ich muss mir einfach Sachen ausdenken, bei denen die Schüler mehr sprechen müssen.

Ich habe jetzt in einigen Klassen das Lied „Weltmeister“ von den Wise Guys behandelt. Es war schwerer als ich dachte; das Lied ist doch recht schnell, weswegen der Text nicht so leicht zu verstehen ist. Aber ich habe es dann doch immer einigermaßen hinbekommen, dass die Schüler einigermaßen verstehen, um was es in dem Lied geht. Mindestens in einer Klasse werde ich das nächste Mal noch einmal auf das Lied eingehen, dann lasse ich mir erzählen, welche Vorurteile man in dem Lied über Deutschland erfährt, bzw. was typisch Deutsch ist. Aufbauend darauf will ich dann fragen, ob den Schülern noch mehr Vorurteile einfallen und dann vielleicht auch, welche Vorurteile sie über Frankreich kennen und vielleicht auch noch über andere Länder – mal sehen, was die Zeit dazu sagt.

Außerdem habe ich etwas zur Geographie vorbereitet. In einer Deutschlandkarte sollen die Schüler dann die Bundesländer benennen und auch 15 Städte. Da sie das sehr wahrscheinlich nicht wissen, werde ich noch Hinweise schreiben, mit denen sie die Städte durch Logik zuordnen können. Den Teil muss ich mir noch ausdenken, aber das wird schon.

Sonst gibt es momentan eigentlich nicht besonders viel zu berichten. Es ist insgesamt sehr ruhig hier, aber mir macht das ja schlussendlich nix aus. Ich genieße die Ruhe. Vielleicht sollte ich etwas mehr versuchen, mit Franzosen in Kontakt zu treten, aber man kann ja auch nicht alles haben. Vielleicht kommt das ja auch noch mit der Zeit, ich bin ja schon noch eine Weile hier.

Mal überlegen, was ich im Unterricht alles zu Weihnachten machen kann. Ist ja doch ein wichtiges Thema und im Dezember habe ich drei Wochen, also pro Klasse maximal drei Unterrichtsstunden, in denen ich etwas zu dem Thema machen könnte. Prinzipiell könnte Weihnachten auf jeden Fall mehr als eine Stunde einnehmen – mal sehen, was mir einfällt.

 

 

Internet

Es ist vollbracht: Nach gerade einmal eineinhalb Monaten hat die Firma orange es fertig gebracht, uns einen funktionierenden Internetanschluss zur Verfügung zu stellen. Ganz schön schnell, nicht wahr?

Nein!

Aber was soll’s, jetzt ist es da. Noch weiß ich nicht, ob ich mein iPhone auch online bekommen werde, aber selbst wenn nicht – egal.

Wir haben heute das Passwort per Post bekommen; die Livebox (der Router) war schon seit einigen Tagen da. Betsy hat das Teil dann angeschlossen. Als es bei ihr ging, haben wir es mit meinem Laptop probiert und siehe da – es ging. Jedoch ging es dann auf einmal bei ihr nicht mehr; wieso, weiß ich nicht. Es war aus meiner Sicht höchst seltsam.

Nach einer Weile lief es dann aber auch bei ihr und wir (d.h. vor allem sie; der Router steht bei ihr in der Wohnung und damit hat sie sozusagen alle Macht) konnten an das nächste Problem gehen: Facebook ging nicht. Auch hier: Ich habe keine Ahnung, wieso. Ich war dann noch einkaufen und als ich zurück kam, ging es. Betsy hatte irgendwas an ihrem Computer umgestellt und irgendwie hatte das groteskerweise auch auf mich Auswirkungen. Alles ein bisschen seltsam, aber jetzt sind wir beide im Internet und wir sind beide glücklich…

Inzwischen unterrichte ich tatsächlich. Es macht nach wie vor Spaß; das einzig blöde ist immer ein wenig die Ungewissheit, da ich ja immer wieder neue Sachen planen muss und in den meisten Fällen keine Vorgaben hab, also sozusagen machen kann, was ich will. Es ist zwar schön, alle Freiheiten der Welt zu haben, aber irgendwie auch doof, weil man halt nicht so genau weiß, was jetzt gut ist und was nicht. Mit der Vorstellung von Mannheim bin ich jetzt wohl so ziemlich durch, sprich: Ich habe es in allen Klassen gemacht. In einigen Klassen habe ich zusätzlich noch das Lied „In Mannheim weint man zwei Mal“ eingebaut, was auch gut ankam.

Der Montag war dann so richtig chaotisch. Am Wochenende war ich wieder zu Hause und habe ein bisschen was vorbereitet. Ich wollte ein wenig deutsche Politik machen. Ich habe auf eine Seite alle Ministerämter geschrieben und auf die andere Seite die Namen. Die Schüler sollten nun beides korrekt zusammen bringen. Als Hilfestellung hatte ich zu jedem Minister eine Schlagzeile gesucht, aus der einigermaßen hervorgeht, welches Amt er hat (z.B. „Guttenberg: Bundeswehr darf Handelswege sichern“). Jetzt das Fiasko: Im Lehrerzimmer ging der Drucker nicht. Daheim in Deutschland hatte ich keinen Ausdruck gemacht und im Lehrerzimmer gibt es nur diesen einen Drucker (der nach wie vor nicht druckt). Offenbar hat es momentan mehrere technische Probleme, denn zwei der sechs PCs im Lehrerzimmer verweigern ebenfalls den Dienst).

Ich habe dann Ämter und Namen handschriftlich auf ein Blatt übertragen und das kopiert. Die Schlagzeilen wollte ich den Schülern per Beamer zeigen. In der Klasse dann der nächste Schock: An den PCs in den Klassenzimmern gibt es kein Office. Es gibt nur ein Programm, mit dem man Power Point Präsentationen abspielen kann. Word-Dokumente lassen sich nicht öffnen. Ich habe später herausgefunden, dass das doch geht, mit einem Programm namens „swriter“, was irgendwie mit Open Office zu tun hat, aber das wusste ich in dem Moment nicht und das war extrem doof. Glücklicherweise hatte ich auch die Schlagzeilen abgeschrieben, da ich einige Vokabeln angeben wollte, sodass ich sie den Schülern immerhin vorlesen konnte. So wurde die Übung schwerer als gedacht, genau genommen wurde sie fast unmöglich. Die Schüler (vier Stück) haben schlussendlich einfach geraten, bis sie es richtig hatten. War insgesamt leider nicht ideal.

Eine Klasse hat momentan nur mich in Deutsch, also zwei Stunden in der Woche. Dort muss ich mich etwas mehr am Lehrplan orientieren; ich mache mit denen jetzt Bildbeschreibung. Dazu müssen sie zunächst diverse Vokabeln kennen lernen. Nicht allzu spannend, aber auch das muss getan werden. In dieser Klasse (acht Schüler) habe ich sogar bereits einen Test geschrieben. Es war eine Mischung aus Vokabeltest und Grammatik, genau genommen indirekte Rede (also Sätze einleiten mit „er sagt, dass“ oder „er fragt, ob/Fragewort“. Dummerweise habe ich Teile eines Tests der eigentlichen Lehrerin übernommen, die falsch waren, bzw. bei denen die Schüler einfach die Worte nicht kannten, was bei einer Übersetzungsaufgabe, die die Hälfte der Punkte ausmacht, nicht besonders toll ist. Ich habe das aber mit der Lehrerin besprochen und da das weder mein Fehler noch der der Schüler war, habe ich die Aufgabe einfach aus der Wertung genommen.

Kurz etwas zum Notensystem hier: Es gibt Noten von 0 bis 20, wobei 20 das Beste ist. Arbeiten und Vokabeltests kann man somit einfach auf 20 Punkte konzipieren. Ich finde dieses System wesentlich besser und gerechter als unser System von 1 bis 6, in der im Zeugnis der mit dem genauen Schnitt von 2,6 die gleiche Note bekommt wie der mit dem Schnitt 3,4. Durch dieses System hat es mir einmal einen Zeugnisschnitt in der Mittelstufe gründlich verhagelt…

Eine der nächsten Sachen, die ich machen will, ist das Lied „Weltmeister“ von den Wise Guys. Aus diesem Lied kann man echt viele Klischees über uns Deutsche herauslesen; dürfte also eine gute Unterrichtsstunde abgeben. Auch möchte ich auf jeden Fall mal etwas zur Geographie machen, denn davon haben die Schüler hier auch keine Ahnung. Sie kennen kaum Städte und Bundesländer schon gar nicht. Wenn hier jemand eine Idee hat, wie ich da was machen könnte, gebt mir bitte Bescheid; ich bin nach wie vor für jeden Vorschlag aufgeschlossen.

Am Freitag habe ich im collège über St. Martin gesprochen. Der 11. November ist in Frankreich ja ein Feiertag (Armistice; das Ende des ersten Weltkriegs), aber bei uns eben nicht. Ich habe auch erwähnt, dass am 11.11. um 11:11 Uhr offiziell der Karneval anfängt, aber hauptsächlich habe ich über St. Martin geredet, also die Geschichte erzählt und ein wenig berichtet, wie man das feiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich ewig nicht mehr über St. Martin nachgedacht habe und echt überlegen / mich einlesen musste, um etwas darüber sagen zu können. Dank Thomas hatte ich auch die Lieder „Laterne, Laterne“ und „Ich geh mit meiner Laterne“ hier und konnte sie vorspielen. Gesungen haben wir dann auch; die Kleinen machen da glücklicherweise noch mit.

Wenn alles klappt, werde ich im Dezember zwei Ausflüge zum Weihnachtsmarkt nach Freiburg machen. Die eine Lehrerin im lycée hat mich da schon vor einiger Zeit angesprochen und am Freitag wurde ich auch im collège gefragt. Ich stelle mir das echt toll vor, hoffentlich wird es so auch.

Im collège ist der Ausflug komplett kostenlos für die Schüler. Jedoch löst das selbstredend nicht alle Probleme. Die Schüler brauchen eine Karte von der Versicherung (glaube ich), da sie ja ins Ausland reisen. Dazu müssen die Eltern bei der Versicherung anrufen und das beantragen. Sie bekommen dann ein provisorisches Schreiben, welches schon für den Ausflug reicht. Aber manchen Eltern ist es offenbar schon zu viel, da anzurufen. Jedenfalls scheint das eine Schülerin zur Lehrerin gesagt zu haben (ich muss zugeben, dass ich das nicht vollständig verstanden habe, zum einen, da mein Französisch doch noch gewisse Grenzen hat, zum anderen, weil ich nicht durchgehend zugehört habe…), worauf die Lehrerin ziemlich ausgerastet ist. Eigentlich dachte ich ja, so etwas sei ein typisch deutsches Verhalten: Man bekommt ganz viel geschenkt (ich vermute mal, ein Ausflug mit dem Bus in eine Stadt, die mehr als 100 km entfernt ist, könnte bei uns daran scheitern, dass diverse Eltern einfach nicht bereit sind, das Geld zu bezahlen), aber das kleine bisschen, das man dafür tun muss, ist dann doch zu viel…

Eine ziemlich schräge Sache hab ich vor einiger Zeit noch am lycée entdeckt: Man kann hier in  der Schule Kondome kaufen. Es gibt am lycée eine Krankenschwester und vor deren Raum hängt ein Kondomautomat. Das ist in dem Flügel, in dem auch das Internat untergebracht ist. Muss mich mal erkundigen, ab wann da offiziell Bettruhe ist…

Letzten Mittwoch haben wir fünf Assistenten aus Lure eine weitere amerikanische Assistentin in Luxeuil besucht, das ist hier in der Nähe, ca. 20 bis 30 Minuten im Bus (Hinfahrt) oder zwölf Minuten im Zug (Rückfahrt). Sie wohnt zusammen mit noch anderen Leuten (u.a. einer deutschen Assistentin, die ich an dem Tag aber nur ganz kurz gesehen hab) auch in einem lycée; jeder hat ein eigenes Zimmer, aber Küche und Toilette wird geteilt. Insgesamt ist dort alles viel enger als hier und ich stelle immer wieder fest, wie gut ich es getroffen habe mit meiner Wohnung ganz für mich alleine. Ich habe hier einfach Platz; wenn wir genug Stühle hätten, könnten wir uns hier zur Not auch zu zehnt oder so aufhalten. Und eine eigene Küche und Toilette zu haben, ist auch höchst angenehm.

Wir bekamen dann auch Mittagessen von der Assistentin (ihr Name ist Sam; sie war letztes Jahr hier am lycée Colomb, ist also die Vorgängerin von Betsy und macht das Programm ein zweites Mal); es gab Salat (und ich musste zum wiederholten Mal erklären, dass ich keinen Salat esse) und eine Gemüsesuppe mit Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln.

Danach haben wir ein wenig gespielt. Sam hat ein Spiel namens Banagram. Das ist so ähnlich wie Scrabble. Jeder bekommt ein paar Buchstaben auf kleinen Holzplättchen und muss damit Wörter legen, aber jeder für sich. Wer zuerst all seine Buchstaben „verbraucht“ hat, ruft „peel“ und jeder muss einen weiteren Buchstaben nehmen. Das wiederholt sich, bis keine Buchstaben mehr übrig sind; Gewinner ist, wer in dieser letzten Runde zuerst fertig ist. Wir haben das Ganze auf Englisch gespielt, was natürlich etwas unfair war, da neben drei Amerikanerinnen und einem Engländer auch eine Schweizerin und ein Deutscher mitgespielt haben. Ich darf aber stolz behaupten, dass ich zwar keine ganze Runde gewonnen habe, aber sehr wohl ein paar Mal zwischenzeitlich „peel“ rufen konnte. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Außerdem haben wir noch ein paar Laterale gemacht (also so Ja-/Nein-Rätsel, z.B. „Ein Mann mit Taucheranzug liegt tot im Wald. Was ist passiert?). Ich liebe diese Dinger, muss ich zugeben.

Und nebenbei warf Sam noch eine „Would you rather“ Frage in die Runde, die sie aus einem Buch hat und mit der ich den Blogeintrag heute beende (wenn auch auf Deutsch, also eher „Würdest du lieber…“?). Wir haben über die Antwort dann ein wenig philosophiert; es war wirklich lustig, weswegen ich die Frage sehr gerne weitergebe und jedem rate, sie mal gemeinsam mit Freunden zu erörtern.

Also: Worauf würdest du lieber verzichten: Käse oder Oralsex?

 

 

Mit (oder ohne) Untertitel

Hier sind sie jetzt in Lure: Die Fremdsprachenassistenten haben seit einigen Wochen ihre Koffer ausgepackt, ihre Dokumente seit September sortiert, auf der Mission der nächsten Monate.
Welche? In den Schulen der Stadt unterrichten. Die da sind: Die Grundschulen „du Centre“, „de la Pologne“, „de Jean-Macé“, das collège Jacquard und noch das lycée Colomb.
Dieses Jahr sind es fünf. Kaitlin Grady und Betsy Sanford, die zwei Amerikanerinnen, Corinne Hunziker, die Schweizerin, Mario Henn, der Deutsche und Chris Sudlow, der Engländer. Das Datum des ersten Unterrichts? Anfang Oktober. Einen Monat schon. „Ich bin sicher, dass das Niveau in Englisch am lycée in Frankreich wesentlich besser ist als das von den amerikanischen Schülern, die Französisch lernen“, schätzt Betsy Sanford. Dort, im lycée Colomb, weicht sie nicht von der Regel ab. Alles auf Englisch. In der Originalversion. Ohne Untertitel, nur – mit Rücksicht auf das Alter, für die jüngeren Schüler. „Ich stelle fest, dass die Schüler im collège in den lebenden Sprachen wesentlich besser motiviert sind als die im lycée“, stellt Mario Henn fest. „Man hat mir gesagt, dass die kleinen Franzosen kein Ohr für Sprachen haben. Das ist falsch… Je jünger man anfängt, desto einfacher ist es…“, erklärt Corinne Hunziker. Nun gut.

„Sympathische Einwohner“
Drei Fremdsprachenassistenten haben Französisch bisher nur hinter dem Schreibtisch gelernt. Sie wollen ihre Kompetenzen der Sprache von Molière vor Ort vervollständigen, während sie davon träumen, später als Lehrer in ihren Ländern zu arbeiten. Nur Kaitlin Grady hat bereits vor einigen Jahren für sechs Monate im Sechseck (das ist eine symbolische Bezeichnung für Frankreich) gelebt, in Montpellier. „In unseren Ländern haben die Franzosen das Bild eines arroganten Volks. Zu Unrecht. Nachdem, was wir gesehen haben, seit wir hier sind, sind die Einwohner von Lure sympathisch. Entgegenkommend“, erzählen sie. „Ich mag die Stadt sehr, auch wenn sie sehr klein ist“, komplettiert Betsy Sanford.

Für alle, die Französisch können

9. November 2010 2 Kommentare

Das Interview

8. November 2010 1 Kommentar

(Diesen Eintrag wollte ich eigentlich gestern Abend veröffentlichen, aber das Internet bei McDonalds ging nicht…)

Es ist eine ganze Weile her, dass ich etwas gebloggt habe. Das lag wohl vor allem daran, dass in der Zwischenzeit Herbstferien waren und ich nach Hause gefahren bin und daheim habe ich echt nicht ans bloggen gedacht.

Inzwischen habe ich tatsächlich ein wenig unterrichtet. War – denke ich – auch ganz gut. Es sind aber auch wieder schräge Dinge passiert.

Aber der Reihe nach. Vor den Ferien war ja die große Streikwelle in Frankreich wegen der Rente mit 62 (wer sich nicht auskennt: Sarkozy will das Renteneintrittsalter in Frankreich von 60 auf 62 erhöhen und das ganze Volk incl. der Schüler macht mobil dagegen). Inzwischen habe ich auch erfahren, warum die Lehrer (und damit dann auch die Schüler) immer dienstags oder donnerstags streiken:

Bis vor einigen Jahren wurden die Lehrer auch wenn sie streikten, voll bezahlt. Das hat sich geändert; heute müssen sie 1/20 des Lohns pro Streiktag abgeben. Aus irgendwelchen (mir nicht bekannten, wahrscheinlich unlogischen) Gründen ist es aber so, dass, wenn man montags streikt, auch der Sonntag als Streiktag berechnet wird und man daher 2/20 = 1/10 abgeben muss. Entsprechendes gilt für den Freitag, nur eben mit dem Samstag. Am Mittwoch ist an vielen Schulen in Frankreich gar keine Schule und wenn doch, dann nur am Vormittag. Hier müssten die Lehrer also 1/20 abgeben für nur einen halben Arbeitstag. Da sie aber größtmöglichen Arbeitsausfall bei geringstmöglichem Verdienstausfall wollen, streiken sie immer an Dienstagen und Donnerstagen. Da sieht man mal, wie kompliziert Streik ist. Ich finde das Ganze nach wie vor albern. In Deutschland gehen wir mit 67 in Rente, da sollen sich die Franzosen mal nicht so anstellen. Überhaupt geht mir diese ganze Streik- und Revolutionsmentalität ziemlich auf den Keks. Frankreich braucht mehr Konservative! Ich werde in den nächsten Monaten mein bestes geben, die Franzosen ein wenig zu bekehren…

Bei einem der Streiks hier an bzw. vor der Schule sind offenbar auch Eier geflogen. Gehört habe ich das von Betsy, die wohl zusammen mit Lehrern und dem Proviseur vor der Schule war, als auf dem großen Platz dort jede Menge Schüler waren (die wohl auch von dem anderen Lycée in Lure kamen). Ich weiß nicht genau, ob da vermittelt werden sollte oder so, aber auf jeden Fall flog wohl etwas durch die Luft und Betsy hat es später als Ei erkannt.

Am Donnerstag vor den Ferien war unser zweites und letztes Praktikum in Besançon. Es war wieder an der selben Schule, nur konnte ich dieses Mal nicht auf dem Schulgelände parken. Grund: Es war mal wieder grève und die Schüler hatten mit Hilfe von Mülltonnen die Zufahrt zu den Parkplätzen (die halt vor allem von den Lehrern genutzt werden) blockiert. Mir blieb nichts anderes übrig als auf der Straße zu parken und das in unmittelbarer Nähe zur Schule. So hatte ich den ganzen Tag über ein wenig Angst um mein Auto, schließlich hat man ja schon genug gehört über französische Jugendliche, die Autos anzünden… Aber ich hatte Glück. Die Leute in Franche-Comté sind wohl sehr nett und das trifft wohl auch auf die Schüler zu. Hier in Lure ist das auf jeden Fall so; ich persönlich hatte mir den Umgang mit den Schülern schwieriger vorgestellt, weil alle französischen Jugendlichen, die ich bislang gesehen hatte, eher unsympathisch schienen. Aber meinem Auto ging es noch gut und wir kamen ohne Probleme nach Hause.

Das Praktikum selbst war übrigens (im Gegensatz zum ersten) wirklich nicht schlecht. Der Vormittag plätscherte zwar wieder halbwegs unspannend vor sich hin, aber am Nachmittag gab es einige Gruppenarbeiten, von denen man zwei machen musste, die auch sehr interessant waren. Das erste, das ich gemacht hab, war zu der Frage, wie man die Schüler dazu bekommt, im Unterricht zu reden. Ich war dann dort in der Untergruppe „Spiele“, wo wir uns eben verschiedene Spiele ausgedacht haben, die man im Unterricht machen kann. Eine Idee von mir war Stadt, Land, Fluss, was ich auch schon in einigen Stunden gespielt hab. In Frankreich nennt man dieses Spiel „jeu du baccalauréat“ und den Schülern hat es echt Spaß gemacht. Als Kategorien habe ich gewählt: Substantiv, Adjektiv, Verb (alles auf Deutsch) und Stadt, wobei es die volle Punktzahl nur gab, wenn man eine Stadt aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nannte (bei einer anderen Stadt gab es die Hälfte der Punkte).

In der zweiten Gruppe ging es darum, wie man die Kultur seines Landes präsentieren kann und etwas konkreter um Vorurteile über die verschiedenen Länder. War ganz witzig; wir sind zunächst alle Länder durchgegangen, die im Raum waren (es waren einige; angefangen bei Deutschland, England, Italien in Europa, aber auch die USA und diverse Länder in Mittel- und Südamerika) und dann haben wir in Partnerarbeit je einer Karikatur, die irgendein Land repräsentiert, bearbeitet und überlegt, was man mit der im Unterricht machen könnte. Ich hatte eine Karikatur von einem typischen Amerikaner: dicker Bauch, US-Flagge als T-Shirt, Cowboyhut, iPod, Burger, Cola etc. Man kann mit sowas vor allem gut Bildbeschreibungen machen, da die Schüler das für ihr bac eh können müssen.

Meine erste Unterrichtseinheit in fast allen Klassen war und ist das Präsentieren meiner Heimatstadt, also Mannheim. Ich habe hierzu eine Powerpoint-Präsentation gemacht (in den meisten Klassenzimmern gibt es hier Beamer und einen PC; sehr praktische Sache). Ich habe die Schüler zunächst ein wenig raten lassen, wo Mannheim liegt (niemand kannte Mannheim), dann eben von den Flüssen berichtet, von der Einwohnerzahl, dann von den Erfindungen (Auto, Laufrad, Traktor) und noch von der SAP-Arena mit den Mannheimer Adlern und den Rhein-Neckar-Löwen und zum Abschluss noch von den Musikern in Mannheim, also Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims (mit Hörbeispielen). Die Präsentation kam gut an; besonders schön war aus meiner Sicht immer der Moment, in dem ich das Mannheimer Schloss zeigte und den Schülern erklärte, dass ich da studiere.

Am Donnerstag lief leider nicht alles so glatt, wie ich es wollte. Ich scheine hier echt einige schräge Dinge zu erleben. Der Donnerstag war der erste Tag nach den Ferien und der erste Tag, an dem ich so richtig anfing, nach meinem Stundenplan zu arbeiten. Ich war morgens in der ersten Stunde alleine mit acht Schülern. Wie so oft lief es zunächst nicht perfekt organisiert, da mir nicht klar war, dass ich den appel machen musste und mir auch nie jemand erklärt hatte, wie das geht. Ist aber ganz einfach: Man muss nur die Namen der abwesenden Schüler auf den dafür vorgesehenen Zettel schreiben, unterzeichnen und ihn dann in die Klarsichtfolie stecken, die an jeder Tür hängt und in der sich der Raumbelegungsplan befindet. Das habe ich dann auch gemacht – wie ein richtiger Lehrer.

Dann wollte ich die eben erwähnte Präsentation machen. Zunächst hab ich die Schüler noch aufgefordert, sich mir vorzustellen, aber danach war die Präsentation dran. Ich wollte die Leinwand, die über der Tafel angebracht ist, nach unten ziehen, aber das blöde Ding wollte einfach nicht unten bleiben. Also machte ich einen Fehler: Ich zog fester. Kurz darauf kam mir die komplette Leinwand entgegen. Großartig. Die erste Stunde nach den Ferien, die zweite überhaupt für mich ohne Lehrer im Hintergrund und ich zerstöre eine Leinwand. Organisatorisch war das kein großes Problem; ich meldete den Schaden der intendante und sie kümmert sich jetzt darum; die Lehrerin, die nach mir in dem Raum war, meinte noch, die Leinwand sei vorher schon locker oder irgendwie beschädigt gewesen. Aber es war natürlich ein großartiger Start in den Tag…

In einer anderen Stunde an diesem Tag machte ich dann eine Verbesserung einer Klassenarbeit, die die Lehrerin direkt davor zurückgegeben hatte und schob dann noch eine Grammatikübung ein, da die Klasse in der nächsten Stunde einen Test schreibt und das das Thema ist. Den Test darf ich für den Teil der Klasse, den ich hab, jetzt auch selbst konzipieren. Bin mal gespannt, ob ich das hinbekomme. Bei den Übungen ging es um Nebensätze, die man mit „dass“ einleitet und um Fragen in Nebensätzen. Ich bin mal gespannt, ob ich da einen angemessenen Test hinbekomme…

In der letzten Stunde an dem Tag habe ich die Mannheim-Präsentation dann noch einmal gemacht und, weil noch Zeit war, ein Quiz mit deutschen Personen. Immer, wenn ich noch Zeit hatte, hab ich die Schüler gefragt, welche berühmten Deutschen sie kennen. Sie kennen nicht viele. Angela Merkel fiel immer sehr schnell, aber dann dauerte es immer ein wenig. Nena fiel mehrfach (und ich habe sie mit Lena verwechselt; aber in einer Klasse wurde definitiv Nena gemeint) und nach einer Weile auch der ein oder andere Fußballspieler. Dirk Nowitzki kannte niemand. Im collège haben die Schüler viele Bands genannt, z.B. Juli, die Toten Hosen etc. Tokio Hotel war selbstredend auch ein Begriff.

Im collège hab ich dann diesen Freitag wieder Mannheim vorgestellt, nur eben dieses Mal in den Klassen der anderen Lehrerin. In einer Klasse war das dann auch echt ungemütlich: Weil eine Schülerin mehrfach gestört hat, wollte die Lehrerin ihr einen Eintrag in ihr carnet (das hat noch einen Namenszusatz, aber irgendwie schaffe ich es nicht, mir den zu merken; auf jeden Fall wird in diesem carnet alles vermerkt, was der Schüler so macht, das bedeutet, es gibt keine Einträge im Klassenbuch, sondern in dem carnet, das der Schüler dann den Eltern vorzeigen muss. Ich meine, so etwas gibt es inzwischen auch zumindest in der Unterstufe an deutschen Gymnasien / an meiner alten Schule, bin mir aber nicht sicher. Hier gibt es das offenbar an allen Schulen.) machen. Diese hatte ihr carnet jedoch nicht vorbei. Da das carnet so in etwa die Funktion eines Personalausweises hat, ist es doof, das nicht dabei zu haben. Deswegen muss man das dann auch dem bureau de vie scolaire melden. Dort wird so Zeug verwaltet, auch die Fehlzeiten und Dinge wie Nachsitzen etc. Normalerweise wird der betroffene Schüler dann wohl von einem anderen Schüler begleitet, aber irgendwie muss die Schülerin noch irgendwas gesagt haben oder so, sodass die Lehrerin recht erbost beschloss, sie selbst zu begleiten. Ich sollte inzwischen mit meiner Präsentation anfangen.

Die Schüler sahen in der Abwesenheit ihrer (recht strengen, wobei das gerade in dieser Klasse wohl der einzig funktionierende Weg ist) Lehrerin wohl einen Freifahrtschein zum laut sein. Ich behaupte zwar, eine gewisse Autorität zu haben, aber hier war das echt schwer. Mir fehlt noch ein bisschen Vokabular in die Richtung „Seid ihr bitte ruhig“ etc. Deswegen wusste ich nicht, was ich sagen sollte; auf das Deutsche hat immer nur ein Teil reagiert.

Nach einer Ewigkeit kam die Lehrerin dann wieder zurück und schlagartig wurde es still. Ich weiß jetzt also, was ich noch trainieren muss; ich glaube aber auch, in Deutschland mit deutschen Schülern hätte ich das etwas besser hinbekommen. An solchen Stellen gibt es dann eben doch noch eine Sprachbarriere.

Am Donnerstag Abend gab es dann noch einen Feueralarm. Ich war in meiner Wohnung und hatte den Fernseher an, als ich ein seltsames Geräusch vernahm. Im ersten Moment dachte ich, es wäre im Fernseher (ich war, wie die meiste Zeit hier, am DVD schauen). Doch irgendwie war es zu laut. Ich näherte mich dem Eingang zu meiner Wohnung und es wurde lauter. Dann schloss ich die Tür auf und es war sehr laut, da im Treppenhaus die Alarmdinger hängen. Ich holte mir eine Jacke und mein Handy und beschloss dann, erst einmal das Gebäude zu verlassen. Auf dem Weg traf ich dann Betsy, die genauso ratlos war wie ich. Auf dem Hof sahen wir dann auch die Schüler, die unter der Woche in der Schule wohnten. Es war zwischen halb acht und acht und alle Schüler waren in ihre Bettdecke gewickelt.

Wir warteten eine Weile, bis die intendante kam, auf die Schüler zuging und etwas sagte in der Richtung von: „Es war im ersten Stock. Wer war das?“ Nach einer Weile war der Alarm dann endlich aus und alle gingen wieder nach drinnen. Betsy und ich blieben mehr oder minder ratlos zurück, gingen dann aber auch wieder rein.

Am Freitag Abend wiederum hatten wir dann Besuch. Zwei der drei Assistenten, die auch in Lure sind, kamen zum Abendessen vorbei. Jeder hatte etwas vorbereitet / mitgebracht, so gab es einen Salat, Käse und Brot; ich hatte eine Champignoncremesuppe gemacht, die bei allen sehr gut ankam (da man das Gemüse in dem Rezept variieren kann, wurde der Wusch geäußert, dass ich auf die entsprechende Weise mal eine Kürbissuppe machen soll). Als Dessert gab es eine Art Tiramisu, allerdings ohne Alkohol (da kommt doch welcher rein, oder?) und mit Früchten. War auch sehr lecker.

Vor allem war es auch mal angenehm, mit einigen anderen zusammen zu sitzen und zu reden etc. Wir haben uns (wie immer) fast nur auf Englisch unterhalten, aber mir macht das eigentlich nix aus, Englisch üben lohnt sich ja auch (schlussendlich hätte ich auch kein Problem, Deutsch zu reden, wenn alle Deutsch könnten).

Musikalisch untermalt wurde der Abend vor allem von Popmusik der 90er Jahre. Betsy war und ist großer Fan der Backstreet Boys (sie war schon auf sechs oder acht Konzerten!), sodass deren Musik ein großer Bestandteil des Abends war. Aber auch NSync und die Spice Girls waren da und auch Britney Spears (das waren glaube ich schon nicht mehr die 90er…). Es war auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend; ich hoffe und denke, dass wir das öfters machen werden.

Heute haben wir alle ein Interview gegeben. Bei dem Streiktag mit den Eiern, den ich weiter oben beschrieben habe, hat Betsy offenbar einen Journalisten kennen gelernt. Der will einen Bericht über uns Assistenten schreiben und hat uns deswegen heute in das Gebäude der Zeitung eingeladen.

Wir waren eine knappe Stunde dort und haben uns mit ihm unterhalten. Was wir genau erzählt haben, weiß ich im Detail schon gar nicht mehr, aber ich werde mich melden, wenn der Artikel in der Zeitung steht. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht und ich freue mich, bald in Frankreich in der Zeitung zu stehen^^.

Für morgen sollte ich noch ein paar Kleinigkeiten an Unterricht vorbereiten, weil meine Präsentation über Mannheim vielleicht doch keine ganze Stunde ausfüllt (auch nicht mit den Fragen, die ich vorbereitet habe). Ich hoffe, mir fällt gleich noch etwas ein; wie immer bin ich aber über jede Idee sehr dankbar.