Archive

Archive for Oktober 2010

Die Batterie

Was für eine schräge Woche!

Dienstag und Mittwoche würde ich wohl unter dem Kapitel „Dinge, die nur im echten Leben passieren“ ablegen. Im Grunde war es alles andere als schön, aber inzwischen, mit dem nötigen Abstand, kann ich glücklicherweise darüber lachen.

Am Dienstag stieg ich in mein Auto, weil ich einkaufen fahren wollte. Jedoch ging nichts mehr. Zunächst war ich noch verwundert, weil sich das Auto schon nicht per Fernbedienung öffnen ließ. Jedoch dachte ich, dass die Batterie der Fernbedienung leer sei. Mit Batterie lag ich richtig, mit Fernbedienung falsch.

Die Batterie vom Auto war zusammengebrochen. Nichts ging mehr, kein Licht, keine Anzeigen, einfach nichts. Eine neue Batterie musste her.

Es war Dienstag Nachmittag und am Dienstag begann in Frankreich mal wieder eine große Streikphase. Den ganzen Tag über war in der Schule schon nicht viel los (am Vormittag habe ich in einer Klasse hospitiert, in der eigentlich 14 Schüler sind; da die Schüler aber bei Streik auch durchaus gerne zu Hause bleiben, waren gerade einmal drei da) und am späteren Nachmittag erstrecht nicht. Aber ich hatte jetzt ein großes Problem: Wo bekomme ich in Lure eine Autobatterie her? Überhaupt: Wo kann man in Frankreich Batterien kaufen und wo nicht?

Mein Vater erwähnte am Telefon Baumärkte als deutsche Alternative. Auf meiner ersten Suche nach Leclerc landete ich zwischenzeitlich auf dem Parkplatz eines Leclerc-Baumarktes in unmittelbarer Nähe von Leclerc selbst. Also beschloss ich, es dort zu versuchen. Da mein Auto nicht mehr lief, machte ich mich zu Fuß auf den Weg.

So fand ich immerhin einen kurzen Weg zu Leclerc. Man muss die Bahnschienen überqueren und in Lure gibt es nur einen richtigen Bahnübergang. Jedoch habe ich auf dem Weg zu Leclerc noch einen zweiten Fußweg über die Schienen gefunden. So beträgt die Entfernung zu Leclerc von der Schule aus etwas mehr als 1,5 Kilometer, man kann also problemlos in 20 Minuten hinlaufen.

Ohne Batterie.

Baumärkte in Frankreich sind wesentlich kleiner als die in Deutschland. Entsprechend haben sie auch weniger Produkte; unter anderem keinerlei Produkte für das Auto. Also ging ich weiter; ich wollte es jetzt beim normalen Leclerc Supermarkt probieren. Auf dem Weg dorthin lief ich aber an einem Point S vorbei, einem Laden mit Autoteilen und Werkstatt. Dort konnte ich dann tatsächlich eine Batterie erwerben.

Jetzt kam der komplizierte Teil, den ich vorher nicht unbedingt für kompliziert gehalten hätte: Die Batterie musste nach Hause.

Klar, mir war bewusst, dass eine Autobatterie nicht unbedingt leicht ist, aber ich dachte mir, das wird schon gehen. Sind ja „nur“ 1,5 Kilometer.

Getäuscht.

Es war die Hölle. Hab mal im Internet gesucht; eine Batterie in der Größe, wie ich sie getragen hatte, wiegt etwa 15 bis 17 kg. Oben sind zwar Griffe montiert, aber die dienen eigentlich vor allem dazu, eine Batterie aus einem Motor raus und auch wieder rein zu heben. Zum durch die Gegend tragen sind sie eigentlich nicht geeignet, wie ich nach 100 Metern feststellen durfte. Es war echt eine Katastrophe. Das Ding war schwer und ich fand einfach keine zumindest einigermaßen bequeme Tragestellung. Rechte Hand, linke Hand, in beide Arme nehmen… im Grunde war alles gleich schlecht.

Alle 50 bis 100 Meter musste ich eine Pause machen und das Ding abstellen. Aus den 20 Minuten Hinweg wurden mindestens 45 Minuten Rückweg, wenn nicht eine Stunde. Ich war richtig fertig. Das nächste Mal lasse ich mir was anderes einfallen…

Es war eine echte Tortur, die Batterie heim zu bekommen. Ich wurde später von verschiedenen Leuten gefragt, warum ich den nichts gesagt hätte; man hätte mich ja hinfahren können. Ich kann nur immer wieder betonen, wie hilfsbereit und freundlich hier alle sind. Aber ich war halt irgendwie mehr oder weniger in Panik und hab sehr spontan gehandelt, ohne viel nachzudenken. Immerhin ging der Muskelkater sehr schnell vorbei…

Am nächsten Tag stand dann das Projekt „Batterie einbauen“ an. Ich hatte kein Werkzeug, war also auf Hilfe angewiesen. Daher bin ich zur intendante und habe ihr mein Problem geschildert. Auch an der Stelle lief alles reibungslos; an der Schule arbeiten zwei Mechaniker, die wohl für sämtliche Reparaturen u.ä. verantwortlich sind. An dem Tag, als ich in Lure ankam, haben sie beispielsweise die Dusche in der Wohnung von Betsy repariert. Die beiden hatten dann nicht nur Werkzeug, sie haben mir die Batterie dann auch eingebaut. Eigentlich war also alles gut.

Eigentlich.

Die Batterie war drin und ich testete. Nichts passierte. Einfach keine Reaktion. Was war jetzt also? Ich bekam Panik. Wenn es nicht die Batterie war, was dann? Musste das Auto in die Werkstatt? Zu Hause wäre das ja kein Problem, aber im Ausland? Mir ging es in dem Moment echt nicht gut.

Ein dritter Mann kam hinzu, der ein Testgerät dabei hatte. Ich weiß nicht so genau, wie der zu der Schule gehört; habe ihn glaube ich schon ein paar Mal im Lehrerzimmer gesehen, es könnte sich also um einen Lehrer handeln, aber wieso dann mit einem Testgerät an meinem Auto auftauchte – ich weiß es nicht…

Sie haben getestet, sie haben das Testgerät gewechselt (glaube ich), sie haben miteinander geredet und ich habe nicht alles verstanden. Nach einer Weile habe ich dann mal nachgefragt und erfahren, dass die Batterie das Problem war. Anders gesagt: Ich hatte am Vortag eine defekte Batterie gekauft und durch halb Lure getragen. Zum Kotzen.

Aber auch an dieser Stelle waren die Leute sehr hilfsbereit. Der eine hat aus seinem Privatauto ein Starthilfekabel geholt, der andere hat dann sein Privatauto selbst aufs Gelände geholt und man hat mir Starthilfe gegeben. Dann sprang mein Auto tatsächlich endlich mal wieder an. Und so konnte ich zum Point S fahren und meine Batterie reklamieren.

Und auch hier verlief dann alles ohne Diskussion und Probleme. Der Mechaniker wollte nicht einmal die Rechnung sehen. Er testete kurz und tauschte die Batterie dann aus. Seither funktioniert mein Auto wieder. Aber was für ein Stress… Wie gesagt, so eine Geschichte kann nur im echten Leben passieren…

Im Moment bin ich gerade zu Hause; in ein paar Stunden werde ich aber wieder zurück nach Frankreich fahren. Theoretisch müsste ich diese Woche in einigen Klassen schon unterrichten, aber noch bin ich mir da nicht so sicher. Im collège werde ich sicherlich etwas machen, das habe ich auch diesen Freitag schon. Aber am lycée bin ich noch ein wenig uninformiert. Im Zweifel kann ich mein Zeugs fürs collège auch am lycée anwenden und die erste Stunde mit mir (und gleichzeitig die letzte vor den Ferien für die Schüler) werde ich schon irgendwie rumbekommen (Vorstellungsrunde etc.). Langsam wird es echt ernst…

Schule und Unterricht

Kommen wir also endlich zum im Grunde spannendsten Teil meiner Berichterstattung hier, dem Unterricht. Deswegen bin ich ja hier; mein Aufenthalt hier ersetzt ja mein Praxissemester an einer deutschen Schule, sprich: Mit deutschen Schülern werde ich erst zu tun haben, wenn ich mit der Uni fertig bin.

Leider habe ich diese Woche nicht ganz so viele Stunden observiert wie geplant, da Claudine, meine Kontaktperson hier, in deren Klassen ich die meisten Stunden habe, krank war. Immerhin habe ich letzten und diesen Freitag meine je vier Stunden am collège machen können, sodass ich schon sehr viele Eindrücke habe gewinnen können.

Die Deutschklassen sind Sprachgruppen, sprich nicht eine komplette Klasse ist im Deutschunterricht, sondern meist Teile von zwei Klassen. Da Deutsch nicht so beliebt ist wie Englisch oder wohl auch Spanisch, sind die Klassen nicht besonders groß, was zum Arbeiten natürlich gut ist. Im lycée überschreiten die Deutschklassen, die ich beobachtet habe, nie die Marke von 20 Schülern; es gibt auch einige mit weniger als zehn.

Am collège gibt es schon Klassen mit mehr als 20 Schülern, aber mehr als 25 kommen, glaube ich, nicht vor.

Ein großer Unterschied zwischen deutscher und französischer Schule ist, dass es hier viel mehr Verwaltungsangelegenheiten gibt. Ich glaube, inzwischen hat auch in Deutschland (oder zumindest am PPG) jeder Schüler (oder waren das nur die der Unterstufe?) ein eigenes Heft, in dem offizielle Dinge eingetragen werden. Auf jeden Fall gibt es das hier auch, schon länger und soweit ich weiß, haben das alle Schüler, also nicht nur die Jüngeren am collège, sondern eben auch die am lycée. In dieses carnet (der genaue Name will mir gerade nicht einfallen) werden wohl Fehlzeiten eingetragen bzw. die Entschuldigungen geschrieben und es gibt da auch das, was man bei uns als Klassenbücher bezeichnet. Ein Klassenbuch gibt es auch; da müssen die Lehrer wie in Deutschland den Unterrichtsstoff und auch die Fehlenden eintragen. Zusätzlich müssen sie letzteres offenbar noch auf einen Zettel schreiben, der dann entweder (am collège) in irgendeinen Briefkasten geworfen wird, den ich noch nicht bemerkt habe, oder (im lycée) in die Klarsichthülle, in der der Raumbelegungsplan steckt,  gesteckt wird, wo er dann wiederum offenbar von den surveillants eingesammelt wird. Die surveillants sind ja, wie ich glaube ich bereits mal erwähnt hatte, so eine Art Überwachungspersonal, die dafür sorgen, dass die Schüler keinen Unsinn treiben.

In jeder französischen Schule gibt es ein sogenanntes CDI. Das ist eine Art Bibliothek und Mediathek, in der die Schüler eben recherchieren können, Hausaufgaben machen können und in der sie auch teilweise während des Unterrichts als Klasse gehen. Am PPG hatten wir ja „zufälligerweise“ die Zweigstelle der Stadtbücherei, aber das CDI hat hier schon einen recht deutlichen Unterschied, u.a. da es nur für die Schule da ist und weil es dementsprechend auch immer geöffnet ist, wenn die Schule auf hat.

Am collège hat es einen Raum, in den die Schüler gehen müssen, wenn sie eine Freistunde haben. So wird verhindert, dass sie überall verstreut sind und sie sind eben unter Aufsicht. Soweit ich weiß, werden dort auch die Nachsitzstunden abgehalten; die werden nämlich nicht von dem entsprechenden Lehrer betreut, sondern von zentraler Stelle; der Lehrer muss dem Schüler nur Aufgaben geben, damit der beschäftigt ist.

Die französische Schule hat also einige Vorteile gegenüber der deutschen. Größter Vorteil ist meiner Meinung nach, dass mehr Personal an den Schulen vorhanden ist. In den Bio- und Chemielaboren hat es, wenn ich das richtig verstanden habe, sogar eigene Laboranten, die etwa die Klassenzimmer vorbereiten (als die Biostunde, die ich hab, begann, stand an jeder Bank bereits ein Mikroskop und der benötigte Kleinkram dazu). Aber auch diese Überwachungsleute sind durchaus sinnvoll, denke ich. Ich habe einfach das Gefühl, dass hier kaum Spannungen in der Luft liegen. Kann aber natürlich auch damit zusammen hängen, dass ich hier mehr oder minder auf dem Land bin.

Dennoch ist das französische Bildungssystem alles andere als ideal. Ein riesiges Problem ist das Gesamtschulsystem, also dass es nicht wie in Deutschland Haupt-, Realschule und Gymnasium gibt, sondern eben nur eine Stufe.

Bis heute halte ich prinzipiell das deutsche System für wesentlich besser; ich hatte nur sehr lange Zweifel, da die Länder, die bei der Pisa-Studie ganz vorne waren, ja auch ein Gesamtschulsystem hatten. Jedoch hat mir ein Buch, das ich gerade lese („Unter Linken“ von Jan Fleischhauer; für mich als Konservativen, der in einem sehr linken Milieu aufgewachsen ist, eine Wohltat ich Buchform; mit Dank an Thomas) zu diesem Thema ein wenig die Augen geöffnet: In Finnland und den anderen skandinavischen Ländern ist die Bevölkerungsdichte zu gering, um dreigleißig zu fahren. Man hat quasi keine andere Wahl, als auf die Gesamtschule zurückzugreifen. Ob die Ergebnisse mit einem mehrgleißigen Schulsystem noch besser gewesen wären, kann man nicht sagen. Außerdem findet man in der Spitzengruppe der Pisa-Studie auch Länder mit verschiedenen Schulen und Norwegen steht mit seinem Gesamtschulsystem noch weit hinter Deutschland.

Dank dem System liegt Finnland also nicht vorne, es dürfte eher daran liegen, dass in einer Klasse ganz wenige Schüler und auch noch zwei Lehrer sind. Das wurde in oben erwähntem Buch auch geschrieben: Wenn man in Deutschland über die schlechten Pisa-Ergebnisse diskutiert, wird sofort die Systemfrage gestellt und man will alles ändern, anstatt ein wenig darüber nachzudenken. Meiner persönlichen Meinung nach ist das größte Problem am deutschen Bildungssystem die Tatsache, dass es von den Ländern geregelt wird und nicht vom Bund. Das muss meiner Meinung geändert werden, aber allen muss hierbei auch klar sein, dass das nicht von heute auf morgen geht, sondern dass dies mindestens zehn, wenn nicht sogar noch mehr Jahre dauert. Und in zehn Jahren sind mindestens zwei Bundestagswahlen, bei denen sich was ändern kann. Ein sehr kompliziertes Problem, das Ganze, aber darauf wollte ich heute gar nicht groß eingehen.

 

Kommen wir jetzt endlich mal zum Unterricht, den ich bisher beobachten durfte. Die beiden Lehrerinnen am collège sagten mir über die Klassen: Die Sixieme (die Jüngsten; entspricht der sechsten Klasse in Deutschland, jedoch geht es umgekehrt weiter, sprich: Danach kommt die cinquième) sei total engagiert und die Schüler wollen unbedingt mitarbeiten; die Klassen danach sind eher ruhig und müssen stärker aufgefordert werden. Mein Fazit nach gut einer Woche: Die Schüler am collège sind total engagiert, während die am lycée im Unterricht weitgehend zum Stühle wärmen da sind.

Die Stunden im collège haben mir echt Spaß gemacht. Für mich ist es momentan echt spannend, zu beobachten, was überhaupt für Ausländer die Probleme der deutschen Sprache sind. Ein Problem sind die vielen deutschen Laute, die es in Frankreich nicht gibt, z.B. ä, eu, au, ei, sp, st, …

Das Niveau ist zum größten Teil ziemlich gering. Die Schüler machen sehr einfache Dinge, wie etwa das Konjugieren von Wörtern (Ich spiele Computer. Du spielst Computer. Er …). In der 6è wurden Tage und Monate geübt; in der zweiten Woche jetzt die Geburtsdaten. Was auch lustig ist, ist, dass die Schüler das „h“ vor sehr viele deutsche Worte setzen, die mit einem Vokal anfangen. Sie kennen das halt nicht und wenden es ganz oft an. Auch den Buchstaben „u“ sprechen sie anders aus; im Französischen wird er eben als „ü“ gesprochen und die Schüler übernehmen das dann auch im Deutschen.

Einen Tag vor meinem Arbeitsbeginn war Céline, meine Kontaktperson am collège, von einem Deutschland-Austausch nach Asperg (der deutschen Partnerstadt von Lure) zurück gekommen. In der entsprechenden Klasse war ich an dem Tag dann auch. Es war nur die Hälfte der Klasse bei dem Austausch dabei, daher machte Céline eine Gruppenarbeit mit dem Ziel, dass die vom Austausch den anderen von selbigem erzählen sollten und die anderen eben Fragen stellen sollten. Das war dann auch mein erster Einsatz, denn ich bin dann auch, wie Céline, durch die Klasse gegangen und habe den Schülern geholfen, ihre Fragen etc. zu formulieren.

Die zweite Lehrerin am collège, Tanja, eine Deutsche, die schon sehr lange in Frankreich lebt und jetzt neu nach Lure gekommen war, gab allen Klassen an diesem Tag übrigens die selbe Hausaufgabe auf: Sie sollten herausfinden, was am 3. Oktober in Deutschland so passiert. Mir war erst unklar, was sie wollte, da sie nur vom Sonntag sprach und erst, als sie das Datum nannte, wusste ich, was sie wollte. Leider habe ich die Ergebnisse nicht mitbekommen, da das wohl irgendwann am Anfang dieser Woche besprochen wurde und ich ja nur freitags im collège bin.

Am Abend des 1. Oktober, in der letzten Stunde, habe ich dann noch eine Klasse am lycée von Claudine besucht. Die Klasse bestand aus gerade mal neun Schülern; ein Teil davon macht Deutsch wohl im Abi, diese vier Leute werde ich dann in Zukunft einmal die Woche betreuen. Die Schüler durften Fragen an mich stellen, etwa, was für Musik ich höre. So spontan sind mir irgendwie kaum deutsche Bands eingefallen, die ich höre. Aber was soll’s, meine Antworten waren zufriedenstellend.

Am Montag hatte ich dann eine besondere Stunde: Am lycée gibt es eine Gruppe mit fünf Schülerinnen, die eine Stunde in der Woche deutschsprachigen Biologieunterricht haben. Die Lehrerin, Valérie, ist sehr jung und hat Deutsch nicht studiert. An französischen Schulen unterrichtet der Lehrer ja nur ein Fach und nicht mindestens zwei. Ihr Deutsch war dementsprechenden auch nicht so wahnsinnig gut; sie hat auch Texte auf Deutsch verfasst, in denen ich dann doch relativ viele Fehler gefunden habe. So gesehen ist es sehr sinnvoll, dass ich dabei bin, denn so kann ich ihr helfen, die Fehler zu vermeiden.

In der Stunde ging es dann um das Thema Mikroskop. Die Schülerinnen bekamen ein Blatt mit einem beschrifteten Bild eines Mikroskops und einem Text, in dem beschrieben wurde, wofür die einzelnen Teile des Mikroskops da sind. Den Text sollten sie durcharbeiten und dann eine Tabelle ausfüllen. Gerade das Lesen hat unglaublich lange gedauert, sodass außer dem Besprechen des Blattes nichts mehr gemacht wurde. In der nächsten Stunde will Valérie dann noch Moos mikroskopieren lassen und einen kurzen Film über das Mikrofon zeigen.

Später an dem Tag hatte ich dann noch meine erste Stunde bei Christine, der zweiten Deutsch-Lehrerin am lycée. Sie ist offenbar mit einem Deutschen verheiratet und wohnt in Lanau, fährt entsprechend jedes Wochenende nach Hause. Die Klasse, die sie hatte, war keine normale Deutschklasse, auch wenn sie alle Deutsch in der Schule hatten. Der Sinn dieser Stunde hat sich mir bislang noch nicht ganz erschlossen; irgendwie müssen die jetzt ein Projekt machen zum Thema Nobelpreis. Dazu wurde ihnen zunächst ein Film gezeigt über Mutter Theresa. Der Film war auf Französisch, sodass ich nicht allzu viel verstanden habe; ich habe mir aber auch absolut keine Mühe gegeben. Es war eine Arte-Dokumentation, die 51 Minuten ging. Die Lehrerin übersprang ein paar Teile, aber die Schüler sahen garantiert noch eine halbe Stunde des Films. Es war einschläfernd. Ich finde das Medium Film in der Schule ja toll, aber dann doch bitte interessante Filme oder ganz kurze. Aber auf keinen Fall eine halbe Stunde über Mutter Theresa!

Danach sollten die Schüler im CDI ein paar Nobelpreisgewinner recherchieren. Sie sollten alle Nobelpreisgewinner der ersten drei Jahre recherchieren und dann noch für jede Kategorie je einen deutschen und einen französischen Nobelpreisgewinner finden. Dazu durften sie aber nicht die Computer benutzen, wie Christine mir erklärte. Begründung: Mit Hilfe des Internets wäre die Aufgabe viel zu einfach; die Schüler sollen auch lernen, mit Büchern umzugehen. Da mag ja was dran sein, aber wenn man so einfache Dinge wissen will, befragt man heutzutage nun mal das Internet. Ein Schüler fand nach einer ziemlichen Weile dann einen Artikel über den Nobelpreis mit großen Tabellen aller Preisträger. Ohne diese Tabelle wäre die Aufgabe für die Schüler ja mehr oder minder unlösbar gewesen, denn tatsächliches Wissen der Schüler war nicht ausreichend vorhanden.

Das Ganze war eine Doppelstunde, die aus meiner Sicht zum größten Teil Zeitverschwendung war. Ich glaube nicht, dass ich mit Christines Unterrichtsstil gut auskommen werde, aber ich werde ja die meiste Zeit Hälften der Klassen alleine betreuen, kann dem Ganzen also meinen eigenen Stempel aufdrücken.

Im Laufe dieser Woche hatte ich dann auch mal die Gelegenheit, in ein Schulbuch hier zu schauen. Dieses war leider ziemlich veraltet, was man vor allem daran erkannte, dass in den Texten noch die alte Rechtschreibung gebraucht wurde. Auch war zu einem Thema das Titelblatt einer Ausgabe des Focus abgebildet – vom Dezember 1993.

Heute im collège hat Céline einer Klasse dann einen Film gezeigt, der vom Goethe-Institut war. Der Film war schon gute zehn Jahre alt, was man an der Mode sehr deutlich erkannte. Es ging darum, dass sich ein paar Schüler aus Deutschland vorstellten, also Name, Alter, Größe… Wirklich nicht viel und so weit auch in Ordnung; er erfüllte seinen Zweck. Faszinierend fand ich nur diese extreme politische Korrektheit, mit der man diesen Film gemacht hatte. Unter den sechs Jugendlichen, die in dem Film vorgestellt wurden, war selbstverständlich eine dabei mit Migrationshintergrund. Sie war aber keine Türkin, sondern einfach dunkelhäutig, damit man auch ganz deutlich erkennen konnte, dass in Deutschland alle Völker zusammen leben, nehme ich an. Auch gab es zwei animierte Figuren in dem Film und sogar hiervon war eine dunkelhäutig. Dann wurden noch ein paar Kinder gezeigt, die von ihren Hobbys berichteten – mit dabei zwei Kinder im Rollstuhl, die Basketball als Hobby angaben. Im Grunde ist das ja alles ganz toll, aber das ist doch ein harmloser kleiner Film, der Anfängern mit Deutsch ein bisschen was über deutsche Jugendkultur vermitteln soll. Und es ist doch nicht gerade typisch, dass deutsche Jugendliche im Rollstuhl sitzen und Basketball spielen. Diese politische Korrektheit ist echt etwas nervig…

Insgesamt habe ich bislang einen sehr positiven Eindruck von den Schulen hier. Alle sind sehr freundlich zu mir und auch sehr hilfsbereit. Die Kommunikation am lycée gefällt mir im Moment noch nicht so extrem (dass Claudine diese Woche krank ist, habe ich nur durch Zufall erfahren und ich frage mich, wie das in Zukunft ist, wenn ich einen Teil der Klassen betreue…), aber das ist im Grunde auch das einzige.

Die Schüler sind auch nicht so schlimm, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich kannte Jugendliche aus Frankreich bislang wohl nur aus den Medien oder maximal noch den Großstädten, wo es naturgemäß mehr Probleme gibt als in einer so kleinen Stadt wie hier. Hier wirken alle sehr friedlich und ich denke mal, dass ich mit den Leuten hier gut arbeiten können werde, selbst mit denen, die nicht so gut sind oder eher als Störenfriede gelten. Am nächsten Freitag ist meine Observationszeit offiziell vorbei; dann werde ich zum ersten Mal selbst etwas machen. Ich bin sehr gespannt, wie das wird…

 

 

Besançon

8. Oktober 2010 1 Kommentar

Wenn alles klappt, lest könnt ihr dies hier noch am Freitag Abend lesen. Ich schreibe dies hier noch in meiner Wohnung, aber ich habe vor, gleich noch in die Bar Le BMC zu gehen. Dort laufen recht oft Fußballspiele, und da Frankreich erst morgen spielt, zeigen sie vielleicht heute Abend das Spiel Deutschland – Türkei. Aber ich würde mir auch andere Länderspiele anschauen; ein bisschen Fußball kann ja nie schaden.

Am Dienstag war, wie ich bereits erwähnt habe, mein stage in Besançon. Offen gestanden hat es nicht besonders viel geholfen; wirklich gut war nur, dass man mal die ganzen anderen Assistenten in Franche-Comté kennen lernen konnte. Aus meiner Sicht waren das überraschend wenige. Ich glaube, es waren elf deutschsprachige Assistenten. Englischsprachige Assistenten waren es deutlich mehr, aber auch einige spanischsprachige Assistenten sind dabei und zwei aus Italien.

Das stage begann mit dem petit dejeuner, also mit Frühstück. Anders gesagt: Die erste halbe Stunde hatte keinen Programmpunkt, man konnte nur rumsitzen und essen. Prinzipiell zwar schön, da man so Zeit hatte, die anderen Assistenten kennen zu lernen, aber irgendwie auch sinnlos. Ich hätte lieber eine halbe Stunde länger geschlafen; ich musste ja schließlich schon recht früh los, da man von Lure nach Besançon schon eine gute Stunde fährt. Netterweise hat mich mein Navi übrigens nicht auf die Autobahn geleitet, sodass wir keine Maut zahlen mussten.

Dann ging es weiter. Wir wurden in einen großen Saal geleitet, in dem uns dann alle Leute vorgestellt wurden und in dem wir dann auch ein wenig über den weiteren Tagesverlauf erfuhren. Es wurde aufgeteilt zwischen EU-Einwohnern und Nicht-EUlern, da diese ja auch noch Fragen in Sachen Visum zu klären hatten.

Wir Deutschen wurden dann von zwei Frauen betreut. Bevor wir den großen Saal verließen, konnten wir uns noch mit einigen Werbebroschüren über Franche-Comté eindecken und bekamen auch die Unterlagen zum MGEN. Das ist die Sozialversicherung, die alle Assistenten verpflichtend abschließen müssen. Eigentlich sollten wir – dachte ich – bei diesem stage nähere Informationen zu dem ganzen Versicherungskram bekommen. Es kam jedoch ein wenig anders: Während die Nicht-EU-Gruppen tatsächlich über diesen Kram informiert wurden (es waren also Leute von der Versicherung da), wurden wir Deutschen hierbei ausgelassen. Die Begründung: Letztes Jahr wussten angeblich schon alle Deutschen über das MGEN bescheid, weswegen man dachte, dass diese Veranstaltung für uns dieses Jahr nicht nötig sei. Toll. Eigentlich war das für mich einer der Hauptgründe für dieses stage. Tatsächlich hatten dann eine ganze Menge Deutsche die ein oder andere Frage, weswegen wir uns dann improvisierter Weise zu einer anderen Gruppe in gesellen konnten, sodass wir dann doch noch zumindest einigermaßen die nötigen Informationen bekamen. Schlussendlich muss man sagen, dass das MGEN nicht so extrem kompliziert ist; es sei denn, man möchte noch Zusatzversicherungen abschließen, was ich aber nicht tun werde, da ich alles, was die MGEN nicht übernimmt, bei meiner Versicherung in Deutschland einreichen kann.

Was bei dieser improvisierten MGEN-Veranstaltung dann auch lustig war, war die Art, wie die beiden Frauen Französisch sprachen. Die eine war eben von der MGEN, deren Französisch war eine echte Katastrophe. Man konnte fast nichts verstehen. Die zweite Frau wiederum war von der académie Besançon oder von der Schule; sie war sich also sehr bewusst, dass vor ihr nur Ausländer saßen. Sie erklärte dann das Wesentliche immer noch einmal, aber gaaaaaanz laaaangsaaam. Und zwar so, als säßen vor ihr nur Dreijährige. Ich will mich ja nicht beschweren, aber ein bisschen Französisch können wir alle ja schon…

Im Grunde war das auch schon der ganze Vormittag. Ich fand das so weit ziemlich unorganisiert. Wir Deutschen stellten uns vorher noch alle kurz untereinander vor und sagten, wie es uns bisher gefällt. Den meisten gefiel alles bislang auch echt gut; nur eine hatte offenbar ziemliche Probleme mit ihrem Zimmer. So wie ich es verstanden habe, wohnt sie in einem Wohnheim der Uni in Besançon. Das Zimmer wurde von ihrem Vormieter in katastrophalem Zustand hinterlassen; offenbar stinkt es bis heute stark nach Urin. Da sie aber schon ein wenig renoviert hat, will sie das Zimmer nur ungern wechseln und offenbar wurde ihr dann gedroht, dass, sollte sie sich weiter beschweren, ihr Zimmer einfach abgeschlossen wird und sie sich eine andere Bleibe suchen darf. Manchmal sind Menschen echt komisch. Ich persönlich kann mir aber irgendwie nicht vorstellen, dass ich dann so eingeknickt wäre; hierbei handelt es sich ja echt um eine Frechheit und ich persönlich finde, dass die Verantwortlichen hierfür gerade zu stehen haben und gerade bei solchen Drohungen sollten die dann aufs Feinste verklag werden.

Dann war offiziell eineinhalb Stunden Mittagspause. Der Franzose braucht da seine Zeit. Da wir durch all das Nichtstun aber schon hinter unserem Zeitplan lagen, wurde unsere Pause auf gerade mal eine Stunde gekürzt. Das war schon knapp; wir hatten gerade einmal eine halbe Stunde, um sinnlos in der Schulkantine herumzusitzen.

In den Schulkantinen in Frankreich gibt es immer Drei-Gänge-Menüs. Also eine kleine Vorspeise, meist Salat, in dem Fall gab es auch mit Käse gefüllte Teigtaschen (keine Ahnung, was das für ein Käse sein soll, schmeckte eigentlich ein bisschen wie kaum bis gar nicht gesüßter Vanillepudding), dann den Hauptgang, in dem Fall ein Hähnchenschlegel mit verkochtem Gemüse. Die Dessertauswahl war an der Schule (die übrigens unfassbar groß ist) recht groß; ich entschied mich für ein Stück Käsekuchen, der sehr lecker war.

Am Nachmittag gab es dann Programm für die Assistenten aller Länder zusammen. Das war ja mal sinnvoll… Wir sollten ein Speed-Dating vorbereiten. Dazu sollte sich jeder von uns seine Trauminsel für einen Urlaub überlegen und dann fünf Leute „daten“, um herauszufinden, wer die ideale Begleitung ist. Das ganze sollte eine sinnvolle didaktische Übung darstellen, die uns einen Anstoß geben sollte für unseren eigenen Unterricht. Prinzipiell war die Übung in unserem speziellen Fall auch nicht so schlecht, denn zum einen sprechen wir Assistenten gut genug Französisch, damit eine flüssige Unterhaltung möglich ist, zum anderen kannten wir uns nicht und die Gespräche waren daher nicht allzu albern. Ich hatte so die Möglichkeit, mich mit zwei Amerikanerinnen, einer Jamaikanerin, einem Argentinier und einer Mexikanerin zu unterhalten. Aber wie soll so etwas in einer Deutschklasse funktionieren, wo man froh sein muss, wenn sie mal einen ganzen Satz korrekt hinbekommen? In den letzten Jahren war dieses Nachmittagsprogramm wohl für die einzelnen Sprachen unterteilt und damit konkreter. Das wäre auch hier besser gewesen, denn so war es schlussendlich ziemlich albern und vor allem unnötig. Bislang hat mir hier ja im Grunde alles gefallen, dieses stage in Besançon ist daher im Grunde das erste, wovon ich ein negatives Fazit ziehe…

Ingesamt ließ sich der Tag dann aber doch noch zum Positiven wenden. Nach dem Ende des stage überredete Betsy mich, noch in die Innen- bzw. Altstadt von Besançon zu gehen. Ich hatte eine Deutsche kennen gelernt und mich auch sehr gut mit ihr verstanden, die in Besançon wohnte und sich daher ein klein wenig auskannte. Sie kam mit uns, lotste mich zuerst zu einem Parkplatz unmittelbar im Zentrum (der überraschend billig war; in Mannheim kann da höchstens der in B6 mithalten) und zeigte uns dann auch noch ein wenig die Stadt.

Was soll man sagen? Besançon ist unglaublich toll. Die Innenstadt ist nicht besonders groß, sodass man sie in wenigen Minuten durchquert hat. Sie liegt in einer Schleife des Flusses Doubs, sodass sie fast komplett vom Wasser umschlossen ist. Die ganzen Gebäude sind echt schön und es hat viele eher kleine Geschäfte und auch Cafés. Auch die Getränke sind nicht teuer; man kann sagen, dass es nicht überall in Frankeich teuer ist (ich muss zugeben, dass ich da ein bisschen von Paris geprägt war). Eigentlich ist es ein bisschen schade, dass ich fast 80 Kilometer von Besançon weg bin, denn da würde ich auf jeden Fall öfters hingehen. Aber ich denke, dass ich das auch so machen werde, beispielsweise an Wochenenden oder an jedem Mittwoch, weil ich da ja auch nix habe.

 

Inzwischen sitze ich im BMC und schreibe hier. Fußball läuft leider nicht, aber was soll’s. Immerhin Internet. Und da ich noch ein bisschen bleiben möchte, schreibe ich einfach noch ein wenig weiter.

Was hier in Frankreich auch spannend ist, ist das Einkaufen. In Lure hat es eine gute Auswahl an Supermärkten, darunter auch die günstigen Alternativen Aldi und Lidl. Lidl hat die deutscheste Produktpalette, habe ich festgestellt. Ein typisch deutsches Produkt ist beispielsweise Apfelschorle, die habe ich bislang nur dort gefunden. Es ist genau die selbe Marke wie beim deutschen Lidl und die Flaschen sehen auch genau so aus. Einziger Unterschied: Kein Pfand. Diese Tatsache ist toll, aber wenn man als Deutscher Pfand gewohnt ist, auch ein wenig ungewohnt. Gerade in den allerersten Tagen habe ich immer mal wieder den richtigen Zeitpunkt verpasst, eine Flasche wegzuwerfen. Immerhin habe ich inzwischen wieder einen Grund zum Behalten, denn auch hier recyclet man inzwischen. Und da der entsprechende Container nicht gerade auf einem meiner täglichen Wege liegt, kann ich die Flaschen jetzt wieder sammeln, um sie wegzuwerfen.

Was hier auch nicht leicht zu bekommen ist, ist Hackfleisch. Bei Leclerc gibt es oft nur etwas namens „farce à tomate“, etwas, was bereits irgendwie gewürzt ist. Und wenn man norales „viande haché“ bekommt, ist es sehr teuer. Auch hier schafft Lidl Abhilfe, 500g Hackfleisch sind hier nicht nur ständig im Sortiment, sondern auch mit 2,49 Euro nicht so extrem viel teurer als in Deutschland. Lidl wird wohl schlussendlich zu meinem Standardsupermarkt werden.

Zu Leclerc würde ich ja auch öfters gehen, aber der liegt so abseits. Gerade momentan verbinde ich Einkaufen ganz gerne mit Internet, und Lidl liegt fast neben McDonalds und dem Gratis-W-LAN, welches auch vor der Tür funktioniert, wodurch ich nicht immer was kaufen muss. Leclerc (und auch Aldi) sind leider in dem zweiten Gewerbegebiet in Lure, weswegen ich da nur zu besonderen Anlässen hinfahre, etwa, wenn ich nach Hause fahre, um tolles Gebäckzeugs wie etwa Eclairs mitzubringen. Da hat Leclerc eine unglaubliche Auswahl und alles sieht sensationell gut aus. Extrem teuer ist es auch nicht; für zwei Eclairs bezahlt man 2,50 Euro. Und die Dinger sind es echt wert.

Auch immer schön ist es, im Regal mit dem Pudding und ähnlichem zu stöbern. Da könnte ich auch jedes Mal etwas Neues kaufen. Die ersten Monate hier in Frankreich werden wohl nur aus Probieren bestehen.

Nervig ist hier dagegen das Bezahlen. Das dauert. Und dauert. Und dauert… Das ist echt unglaublich. Ein Grund dafür sind die kurzen Kassenbänder. Ihr kennt ja die Länge der Teile in Deutschland. Hier sind die maximal halb so lang, was etwas kontraproduktiv ist, wenn man bedenkt, dass Franzosen nur den Großeinkauf kennen (vielleicht lebt man hier in ständiger Angst vor einem Atomkrieg und will zumindest versorgungstechnisch vorbereitet sein!?). Dann sind die Kassierer langsamer, man redet mehr miteinander und am Ende des Kassiervorgangs wird, natürlich erst, nachdem man den Einkaufwagen wieder gemütlich eingeräumt hat, noch ein Scheck ausgeschrieben (die sind hier noch sehr verbreitet). Und man selbst steht dahinter und wartet sich kaputt.

Lustigerweise haben die Kassenbänder bei Aldi und Lidl die deutsche Länge. Hoffentlich orientieren sich die anderen Läden daran und das ändert sich mit der Zeit.

 

Da hier in der Bar ein Musiksender läuft, habe ich gerade eine neue französische Sängerin entdeckt: Joyce Jonathan. Geboren am 3. November 1989. Jünger als ich. Immer mehr Popstars und sogar Fußballspieler sind älter als ich. Eine Karriere als U-Nationalspieler kann ich mir jetzt schon abschminken. Ich glaube, ich werde alt…

Viel passiert

Die letzten Tage waren wirklich ereignisreich; daher bin ich auch nicht mehr zum Bloggen gekommen. Am Wochenende wäre zwar Zeit gewesen, da ich da wieder zu Hause war, aber da hatte ich dann keine Lust dazu; wenn man schon nur ein Wochenende zu Hause ist, will man ja auch was anderes tun (vor allem, wenn man da deutsches Fernsehen und Internet hat).

Letzten Donnerstag haben sich einige Assistenten in Belfort getroffen. Ich bin über Betsy (hab ich ihren Namen schon irgendwo erwähnt? Falls nicht: Das ist die amerikanische Assistentin, die direkt unter mir wohnt) dazu gekommen. Wir waren insgesamt 16 Leute, aber alle waren entweder aus England oder aus den USA. An diesem Tag lernte ich noch die anderen Assistenten kennen, die auch in Lure sind. Eine davon ist aus den USA, der zweite aus Manchester in England und die dritte aus Bern, also eine Fremdsprachenassistentin für Deutsch wie ich. Wenn ich es richtig verstanden habe, unterrichten die drei hier an einer Grundschule.

Wie dem auch sein, dadurch dass wir fast ausschließlich englischsprachige Menschen waren, war die Sprache des Tages natürlich auch Englisch. Ich würde sagen, dass ich bislang hier ca. 70% Englisch gesprochen habe. Noch fällt mir Englisch aufgrund der besseren Vokabelkenntnisse leichter; ich hoffe ja, das ändert sich in den nächsten Wochen und Monaten.

Da wir aus Lure etwas früher da waren, da die zwei von der Grundschule (die dritte aus der Schweiz kam erst später, weil sie erst am Vortag in Frankreich angekommen war und noch einige Dinge zu erledigen hatte) in Belfort noch ihren Internetanschluss auf den Weg bringen wollten. So haben Betsy und ich dann alleine die Fußgängerzone erkundet (und dabei festgestellt, dass wir extrem umständlich vom Bahnhof zu dem Punkt gelaufen waren, an dem wir die beiden zurück gelassen hatten. Belfort ist eine sehr schöne kleine Stadt. Da ich meine Einträge momentan noch über die Schul-PCs veröffentliche, ist es schwierig, Bilder zu veröffentlichen; ich werde das aber nachholen, wenn wir hier Internet haben.

Am Bahnhof haben wir dann mittags die anderen Leute getroffen, die quasi aus ganz Franche-Comté angereist waren. Einige waren auch aus Besançon direkt, was mit dem Zug eine gute Stunde von Belfort entfernt ist. Wir haben uns dann entschlossen, im Supermarkt Essen zu kaufen und dann zu picknicken, da 15 Leute in einem Restaurant oder Café ein Problem darstellen könnten. So saßen wir dann eine ganze Weile in einem kleinen Park auf den Stufen von etwas, was an ein Amphitheater erinnerte. Tatsächlich gab es nach einer Weile auch ein wenig Programm: Ein älterer Mann sah uns, blieb stehen und redete auf uns ein. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich absolut nichts verstanden habe, aber damit war ich nicht alleine. Vom Sprachrhythmus her könnte es aber gut sein, dass er irgendwas Lustiges erzählt hat. War eine etwas surreale, aber dennoch sehr lustige Situation.

Da es im Park keine Toilette gibt, sind wir dann in die Wohnung von einer Assistentin, die direkt in Belfort ist. Sie hatte nicht wie ich eine Wohnung von der Schule gestellt bekommen (sie macht auch Grundschule hier und da läuft vieles etwas anders ab und meiner persönlichen Meinung nach ist es auch nicht ganz so gut organisiert; zumindest habe ich den Eindruck) und wohnte daher erst in einer Kirche, die sie aber recht schnell verlassen wollte, weil da wohl doch ein paar etwas komische Menschen zugegen waren (offenbar wurde ihr bei einem Abendessen aufgrund der Tatsache, dass sie Amerikanerin ist, erklärt, wie die Amerikaner im zweiten Weltkrieg Belfort bombardiert haben). Sie hat dann allerdings eine hübsche Wohnung mit einem quasi unbezahlbaren Ausblick im Zentrum von Belfort bekommen. Den durften wir dann eben auch genießen. Durch Belfort fließt ein Fluss (muss mal recherchieren, wie er heißt). Ihre Wohnung ist mit Blick auf den Fluss und dann eben in die schöne Fußgängerzone von Belfort auf der anderen Seite des Flusses. Echt toll, den Ausblick würde ich schon nehmen. Insgesamt bleibe ich aber trotzdem lieber bei meiner Wohnung hier, alleine schon, weil sie wesentlich billiger ist.

In unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung war dann noch ein Irish Pub, in den wir dann sind. Ja, ich war in Frankreich mit mehreren Amerikanern und Engländern in einem Irish Pub. Nachdem wir auch dort eine Weile waren, hat uns dann die eine aus Belfort noch die Altstadt gezeigt. Wes gibt dort einen großen Löwen aus Stein, der an einem Gebäude ist. Dort sind wir hingelaufen und haben Bilder gemacht. Hierbei kann man auch noch erwähnen, dass nicht nur der Innenstadtbereich von Belfort schön ist, sondern vor allem auch die Altstadt mit ihren vielen kleinen Gassen etc.

Abends sind wir fünf aus Lure dann mit dem Zug nach Hause. Hierbei ist zu erwähnen, dass Zug fahren hier echt günstig ist. Ich habe mir eine carte 12 – 25 gekauft. Ich glaube zumindest, die heißt so. Man kann sie bekommen, wenn man zwischen 12 und 25 Jahre alt ist. Diese Karte kostet 49 Euro, ist ein Jahr gültig und man bekommt bei jeder Zugfahrt zwischen 25 und 50 Prozent Rabatt auf den eigentlichen Fahrpreis. So habe ich für die einfache Fahrt von Lure nach Belfort 3,20 Euro bezahlt. Die Fahrt dauert je nachdem, ob der Zug unterwegs in den kleinen Orten hält, zwischen 20 und 30 Minuten. Mit dem Auto ist man keinesfalls schneller; ich würde eher sagen, man braucht etwas länger, insbesondere, wenn man noch einen Parkplatz suchen musst (und wenn man den ganzen Tag dort parkt, ist das Parken auch nicht billiger als die 6,40 Euro für Hin- und Rückfahrt.

In Bahnhofsnähe waren wir dann noch in einer „Crèperie“ essen. Das ist im Prinzip ein normales Lokal, nur bekommt man dort eben eine recht große Auswahl an Crèpes, und zwar nicht nur süße, sondern eben auch defitge. Und so haben wir alle „Galettes“ gegessen, was eigentlich auch Crèpes sind, nur eben die deftigen. Warum die einen anderen Namen haben, muss ich noch herausfinden. Ich für meinen Teil habe eine Gallette américaine gegessen, was im Prinzip ein Crèpes mit Tomatensoße ist, auf den man ein Hacksteak legt und noch etwas Ketchup dazu. Falls ich mal ein Bild davon veröffentlichen werde, sollte ich dazu sagen, dass es vielleicht nicht so sensationell aussieht, aber dann doch ganz gut geschmeckt hat (vor allem, wenn ich es mit anderen Restaurantbesuchen in Frankreich, insbesondere bei meinen zwei Reisen nach Paris, vergleiche). Gekostet hat das ganze neun Euro, was aus deutscher Sicht nicht allzu billig ist, aber in Frankreich ist Essen gehen nun mal teurer als bei uns. Jedoch ist der Unterschied zu Paris ziemlich gewaltig. Am Dienstag war ich ja in Besançon, wovon ich noch berichten werde, und dort bekommt man in der wirklich malerischen Innenstadt wirklich günstig Getränke in den zahlreichen Cafés (liegt vielleicht daran, dass Besançon eine Universitätsstadt mit vielen Studenten ist).

Ich muss auf jeden Fall noch von diesem Tag in Besançon und auch von meinen ersten Erfahrungen beim Hospitieren im Unterricht berichten; da gab es nämlich auch viel Spannendes. Aber für diesen Eintrag reicht es jetzt erst einmal. Ihr werdet aber bald wieder von mir hören.