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Archive for September 2010

Handy und Konto

29. September 2010 1 Kommentar

So, ich bin wieder in Lure. Wir haben gerade Dienstag Abend; veröffentlichen werde ich dies wohl erst etwas später, da ich in der Wohnung ja kein Internet habe. Inzwischen kenne ich das Schulinternet und weiß, dass ich von dort aus auch Zugriff auf meinen Blog habe. Überhaupt funktionieren recht viele Seiten auf den Schulrechnern, auch StudiVZ, und das, obwohl mir gesagt wurde, dass das hier eben nicht geht. Was tatsächlich nicht funktioniert, ist Facebook, was sicherlich für die amerikanische Assistentin besonders bitter ist, da sie keine Alternative hat, aber für mich schon auch, da ich Facebook inzwischen bedeutend mehr nutze als StudiVZ und Co.

Montag war schlussendlich ein recht langer Tag. Eigentlich wollte ich vormittags los, aber schlussendlich wurde es dann doch 12:30 Uhr. Beim Tanken stellte ich fest, dass ich noch etwas daheim vergessen hatte, weswegen ich nochmal zu Hause vorbei musste, das hat natürlich auch Zeit gefressen.

Dieses Mal bin ich nicht direkt nach Lure gefahren. Ich habe unterwegs in Belfort Halt gemacht, um mir bei Orange eine französische Handynummer zuzulegen. Ich weiß nicht, ob das überall in Frankreich so ist, aber in dem Shop in Belfort gab es einen bedeutenden Unterschied zu deutschen Läden: Am Eingang meldet man sich bei einem Orange-Mitarbeiter mit seinem Anliegen an und dann werden alle Kunden nacheinander „abgearbeitet“. Im Prinzip ein System wie auf Ämtern, nur eben nicht mit Nummern, sondern man wird mit Namen aufgerufen.

Was ich in den letzten zwei Tagen festgestellt habe, ist, dass alle Franzosen unfassbar langsam sind. Auffällig ist dies vor allem im Supermarkt, wo man in Deutschland selbst bei fünf vollen Einkaufswagen vor einem in der Schlange recht bald dran kommt. Hier jedoch dauert der selbe Fall Stunden. Ich habe das Gefühl, Franzosen kaufen einfach grundsätzlich mehr ein. Dann wird alles erst wieder in den Einkaufswagen gelegt, bevor man sich dann in den Taschen auf die Suche nach Geld macht. Dann hat man noch irgendwelche Kundenkarten usw. Heute habe ich auch bemerkt, dass eine Kundin an der Kasse wartete, weil eine Mitarbeiterin bei Leclerc irgendeinen Artikel holte, um diesen über den Scanner zu ziehen, damit die Kundin ihn kaufen konnte. In Deutschland gäbe es dies vermutlich nicht; da müsste die Kundin den entsprechenden Artikel wohl im Laden lassen. Diese Lässigkeit ist etwas, was mir als Deutschem dann doch noch etwas schwer fällt.

Aber zurück zu Orange in Belfort. Ich habe dort jetzt also meine Karte bekommen und damit auch eine französische Handynummer. Gekostet hat das Ganze 15 Euro; fünf Euro Guthaben befinden sich auf der Karte. Ich wollte ja eine Micro-Sim-Karte, damit ich sie im iPhone nutzen kann (eine normale Mobicarte hätte ich auch in Lure selbst bekommen). Die habe ich jetzt auch; Problem ist aber, dass man beim Sim-Karten-Wechsel das iPhone neu mit itunes synchronisieren muss. Aber mein eingerichtetes iPhone befindet sich bei mir zu Hause in Ludwigshafen. Daher habe ich die französische Sim-Karte jetzt in meinem alten Handy und die deutsche wieder im iPhone. Mal sehen, wie ich das in Zukunft mache.

Möglichkeiten für Internet gibt es auch mit der Mobicarte; ich bekomme vier Stunden Internet gratis, wenn ich die Karte mit mindestens 30 Euro auflade. So etwas in der Art werde ich auch tun, denn bei Orange verfällt das Telefonguthaben sehr schnell. Gestaffelt ist dies nach dem Betrag, den man auf das Handy lädt, anders gesagt: Wenn ich viel auf das Handy lade, dann ist das auch lange gültig. Eigentlich eine blöde Sache, aber man kann es nicht ändern.

Belfort ist übrigens eine sehr schöne Stadt. Zumindest zum Teil; die Fußgängerzone, in der der Orange-Shop war, wirkte doch irgendwie seltsam künstlich. Es waren auch sehr viele Läden zu, und das an einem Montag Nachmittag. Die obligatorische Mittagspause, die bei allen kleineren Läden in Frankreich eingehalten wird, war eigentlich schon lange vorbei. Vielleicht haben manche Geschäfte montags auch einfach ganz geschlossen. Ich weiß es nicht…

Durch all das kam es dazu, dass ich erst gegen Abend in Lure ankam. Meine Wohnung war noch da und auch unverändert. In meinem Postfach in der Schule fand ich ein Schreiben, welches bestätigt, dass ich am Lycée Georges Colomb arbeite und auch dort wohne. Das war gut, denn das brauchte ich für meinen Termin auf der Bank am Dienstag.

Den Abend habe ich dann wieder mit Betsy, meiner „Kollegin“ und Nachbarin verbracht. Sie hat in den letzten Tagen offenbar das erlebt, weswegen ich wieder nach Hause bin: Langeweile. Ihren Internetanschluss hat ihre Betreuerin auf den Weg gebracht; ich hoffe sehr, dass ich diesen dann mitbenutzen kann; weiß aber noch nicht wie. Ich sollte mal herausfinden, wie genau die letztjährigen Assistenten das gemacht haben.

Am Dienstag hatte ich dann einen Termin auf der Bank. Ich habe mich für das Institut „Le Credit Lyon“ (LCL) entschieden. Meine Vorgängerin war da und hat diese Bank empfohlen. Die Filiale ist sehr klein und man muss klingeln, um hereingelassen zu werden. Mitarbeiter scheint es da auch so gut wie keine zu geben; der Mann am Schalter war der selbe wie letzte Woche, als ich mit Hilfe meiner Betreuungslehrerin den Termin gemacht habe.

Bei der Filialleiterin habe ich dann das Konto gemacht. Sie ist recht jung und sehr freundlich und hilfsbereit (ähnliches gilt für den Mann am Schalter, allein aufgrund des Personals kann ich diese Bank empfehlen). Um ein Konto zu eröffnen, braucht man zum einen den Personalausweis, zum anderen die Wohn- bzw. Arbeitsbescheinigung der Schule. Da ich ein Studentenkonto eröffnete, hatte ich auch meinen Studentenausweis und eine Studienbescheinigung mit. In diesem Fall wurde dies jedoch nicht gebraucht.

Die LCL hat ein sehr gutes Studentenangebot, welches als Paket nur einen Euro im ersten Jahr kostet (und länger bleibe ich eh nicht). Man bekommt ein zweites (Spar-)Konto, die carte bancaire, kostenloses Online-Banking und irgendwas per SMS und offenbar sogar eine Hausratversicherung. Ich muss mal klären, ob ich da für hier eine bestimmte machen muss, aber ich nehme mal an, dass ich diese in Anspruch nehmen kann, denn eine Hausratversicherung muss ich ja machen.

Insgesamt verlief der Besuch auf der Bank sehr positiv. Es waren sehr viele Formulare auszufüllen und mir wurde sehr viel erklärt, aber ich denke, das meiste hab ich verstanden (zumindest mal das relevante; die ganzen Extras sind im Zweifel nicht so wichtig, da ich nicht alles davon benutzen werde). Auch noch interessant: Die LCL hat keinen eigenen Geldautomaten in Lure. Daher bin ich gezwungen, an Fremdautomaten zu gehen, jedoch werden mir die so anfallenden Kosten von der LCL erstattet. Eine feine Sache, wie ich finde.

Danach war ich noch zusammen mit Betsy im Leclerc und habe mich ein wenig mit Grundnahrungsmitteln eingedeckt. Jetzt habe ich immerhin etwas im Haus und vorhin habe ich auch das erste Mal hier gekocht (wenn auch nur eine Tütensuppe, aber jetzt weiß ich, dass der Herd funktioniert).

Was die nächsten Tage noch so ansteht, weiß ich noch nicht. Ein grüner Zettel hat mir heute verraten, dass die Sekretärin des Proviseur mich sehen will. Sie kümmert sich ja um alle administrativen Dinge und ihr muss ich auch noch ein paar Sachen abgeben, die ich ausfüllen musste. Dazu habe ich aber noch ein paar Fragen, da ich mir nicht mit allem sicher war. Mal sehen, ob ich da morgen was erreiche. Und dann würde ich wahnsinnig gerne endlich erfahren, zu welchen Zeiten ich arbeiten muss. Das weiß ich nämlich immer noch nicht, da ich meine Betreuungslehrerin noch nicht gesehen habe, seit ich zurück bin. Ich denke auch nicht, dass ich sie morgen sehen werde, da mittwochs hier zwar Schule ist, aber irgendwie weniger und wohl kein Deutsch, weswegen sie vermutlich nicht in der Schule sein wird. Ich hoffe, dass ich dann am Donnerstag etwas erfahren werde. Außerdem sollte ich mal beim office de tourisme vorbeigehen, da ich da immerhin mal eine Karte von Lure bekommen kann. Ansonsten wird wohl Langeweile anstehen, da hier einfach nicht viel zu tun ist. Immerhin habe ich jede Menge DVDs und Bücher hier, so habe ich immerhin ein bisschen Beschäftigung.

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Neue Leute

So, wie versprochen die Fortsetzung vom Bericht über meine ersten Tage in Lure.

Wie bereits erwähnt, habe ich direkt nach meiner Ankunft meine Wohnung gezeigt bekommen, mit der ich sehr zufrieden bin. Nachdem mir diese gezeigt und mir die Schlüssel übergeben wurden, wurde ich alleine gelassen, damit ich mich einleben kann. Ich hatte am Montag also nichts administratives mehr zu erledigen. Das war mir durchaus recht, so konnte ich mir in Ruhe alles ansehen. Neben den Möbel waren ja auch noch einige andere Sachen da und insbesondere in der Küche gab es diverse Utensilien, ich wollte aber auch wissen, was ich noch mitbringen muss.

Die Küche ist gut ausgestattet; es hat Teller, Besteck, Gläser, aber auch Töpfe, eine Pfanne und weitere Sachen, die man braucht. Ein paar Sachen, wie einen etwas größeren Topf, ein Küchenmesser etc., nehme ich aber noch mit; beim Kochen bin ich dann vielleicht doch ein wenig anspruchsvoller.

Am Nachmittag war ich dann noch einkaufen und hab bei der Gelegenheit auch endlich den Leclerc-Supermarkt gefunden. Der ist echt schön. Im Grunde so aufgebaut wie etwa ein Real, aber etwas schöner (dafür nicht ganz so schön wie Globus, aber immerhin). In Lure hat es zwei Gewerbegebiete mit Supermärkten, Tankstellen und diversen anderen Sachen. In dem einen findet man u.a. Leclerc und auch Aldi, im anderen (Z.A. La Saline, an dem fahre ich vorbei, wenn ich von Belfort aus nach Lure fahre) ein Intermarché, Lidl und McDonald’s. Letzterer wird insbesondere in meiner Anfangszeit in Lure von großer Bedeutung sein. Im McDonald’s gibt es nämlich für die Kunden gratis W-Lan. Ich war daher am Montag und auch am Dienstag dort, um E-Mails zu checken etc. Das ist wirklich ne feine Sache; ich persönlich würde sagen, man sollte, wenn man vorhat, länger zu bleiben, nicht unbedingt zu den Stoßzeiten kommen, sondern vielleicht nachmittags, wenn eh nichts los ist. Dann ne kleine Cola kaufen, irgendwo etwas abseits hinsetzen und man hat schnelles und kostenloses Internet.

Am Abend habe ich dann zum ersten Mal meine Nachbarin besucht. Die heißt Betsy, wohnt direkt unter mir und ist die amerikanische Assistentin. Sie ist zwei Tage vor mir angekommen. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns etwa drei Stunden unterhalten. Auf Englisch übrigens, und ich möchte betonen, dass sie mein Englisch gelobt hat. Auf Englisch kenne ich einfach (noch) mehr Wörter, weswegen Gespräche so einfacher sind als in Französisch. Ich hoffe aber, dass sich das in den nächsten Monaten ändern wird.

Am Dienstag standen dann die Treffen mit den Lehrern an. Zunächst bin ich aber noch einmal bei der Intendante vorbei, wo ich den Mietvertrag unterschrieben habe. Sie ist mit mir die einzelnen Paragraphen durchgegangen, hat sie mir so gut wie möglich erklärt und dann habe ich unterschrieben. Irgendwie ja doof, dass man all diese komplizierten Sachen zu Beginn machen muss, wenn das Französisch noch etwas schwach ist.

Neben dem Mietvertrag gab es auch noch einen Vertrag zum Mobiliar, indem eben alle Einrichtungsgegenstände aufgeführt sind. Die Miete für das Ganze liegt übrigens knapp unter 78 Euro. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Ich muss sie immer zu Monatsbeginn für den kommenden Monat bezahlen und außerdem eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete hinterlegen. Aber das ist geschenkt bei der Miethöhe.

Danach wurde mir noch ein wenig die Schule selbst gezeigt. Der Eingangsbereich des Lycée Colomb sieht ja echt hübsch aus, aber der Rest ist auch nicht besser als bei jeder durchschnittlichen Schule. Ein großer Unterschied zu deutschen Schulen: Es gibt Klassenräume für jedes Fach. Die Schüler haben also nicht ein Klassenzimmer und die Lehrer wandern, sondern es ist im Grunde umgekehrt. In jedem Klassenzimmer stehen ein Fernseher und ein Computer, was ich ziemlich ordentlich finde.

Was ich auch sehr spannend finde, ist, dass es an der Schule surveillants gibt. Das sind Aufsichtspersonen, die nur dazu da sind, die Schüler zu überwachen. Im Foyer der Schule haben die ihren offiziellen Posten, aber ich glaube, sie sind auch in den Gängen unterwegs und passen auf die Schüler auf, wenn diese vor dem Klassenzimmer auf den Lehrer warten (z.B. nach Pausen).

Im Anschluss an diese kleine Führung wurde ich zum Lehrerzimmer gebracht, da es kurz vor 10 war und ich um 10 Uhr ein Treffen mit der Deutschlehrerin des Lycée hatte. Die Intendante stellte mich noch den bereits anwesenden Lehrern vor und ließ mich dann zurück. Kurz darauf begann die Pause und mit der Zeit kamen jede Menge Lehrer ins Lehrerzimmer. Aber woher sollte ich wissen, wer die Lehrerin ist, die ich suche? Ich hoffte einfach, dass sie mich irgendwie erkennen würde (sie hatte ja schlussendlich nur ein fremdes Gesicht im Lehrerzimmer zu erkennen). Doch niemand kam. Nachdem die Pause vorbei und das Lehererzimmer schon wieder deutlich geleert war, sprach mich ein Lehrer dann noch einmal an. Er führte mich dann wieder zu den Deutsch-Räumen, vor denen ich am Morgen schon einmal war. Dort war sie dann auch. Offenbar unterhielt sie sich noch mit ihrer Kollegin, der zweiten Deutschlehrerin, die ich so ebenfalls kennen lernte.

Wir gingen dann ins Lehererzimmer. Dort bot sie mir an, ihr Fragen zu stellen, doch ich hatte nicht wirklich welche. Und so kam es dann dazu, dass sie mir ein wenig die Innenstadt zeigte. Es hat doch einige Geschäfte im Zentrum von Lure, für so eine kleine Stadt ist das gar nicht mal schlecht, muss ich zugeben. Auch gibt es diverse Banken, bei der LCL (ich weiß gerade nicht mehr, was genau die Abkürzung bedeutet, aber über die Bank werde ich eh noch einmal schreiben) haben wir uns dann entschieden, rein zu gehen. Meine Vorgängerin war nämlich auch bei dieser Bank und hat sie auch empfohlen. Die Filiale ist sehr klein und ich wollte da nicht unbedingt arbeiten, aber was soll’s. Wir haben einen Termin gemacht; am Dienstag werde ich dort aller Voraussicht nach ein Konto eröffnen.

Nachdem das erledigt war und ich mich von der Lehrerin verabschiedet hatte, fuhr ich dann die kurze Strecke (die ich definitiv auch hätte laufen können) zum collège Albert Jacquard. Dort sollte ich mich um 11:30 Uhr mit den beiden Deutschlehrerinnen treffen. Auch dort wartete ich ein paar Minuten im überraschend kleinen Lehrerzimmer (immerhin soll es sich ja um das größte collège in ganz Haute-Saône handeln). Dann kam aber jemand auf mich zu und es war auch die richtige Person. Die zweite Deutschlehrerin (die aus Deutschland kommt) stellte sich mir dann auch direkt vor und wir setzten uns zumsammen hin. Die beiden sprachen auch fast nur Deutsch mit mir, was ich jetzt am Anfang auch sehr positiv fand. Wir haben über die Stundenpläne gesprochen und versucht, festzulegen, wann ich kommen soll. Das ist noch ein wenig kompliziert, weil ich noch nicht weiß, wann ich am Lycée bin. Das müssen wohl auch die Schulen noch irgendwie miteinander absprechen.

Danach gingen wir zusammen in die Kantine der Schule. Da die Schulen in Frankreich ja alle Ganztagsschulen sind, ist es normal, dass es überall Kantinen gibt. Da ich eingeladen wurde, kann ich nichts zu den Preisen sagen, aber zum Essen. Zu jedem Menü gehört ein Entrée, eine Hautspeise und eine Art Dessert. Als Entrée gab es verschiedene kleine Salate und eine halte Grapefruit mit Zucker. Als Hauptspeise konnte man zwischen einer Art Paellapfanne und so einer Art Tomatenreis wählen. Als Fleischbeilage gab es entweder Hähnchenschlegel oder Calamares. Das „Dessert“ bestand aus einem Stück Käse und einer Frucht. Ich entschied mich für Grapefruit (die ich dann doch nicht gegessen hab), Tomatenreis mit Hähnchenschlegel und ein Stück Melone. Der Geschmack war zufriedenstellend. Nicht berauschend, aber durchschnittliche Kantinenqualität, sprich: macht satt.  Ich denke aber, dass ich mir die Kantinen eher schenken werde und selber koche. Am collège werde ich voraussichtlich einen Vormittag sein und den Rest bin ich eh am lycée, von wo aus ich ja gar keinen Anfahrtsweg habe.

Administratives habe ich am collège gar nichts gemacht. Ich nehme mal an, das kommt noch irgendwie. Ich bin dann wieder zurück zu meiner Wohnung, wo ich noch ein paar administrative Dinge mit der Sekretärin des Proviseur zu erledigen hatte. Zuvor bin ich noch kurz ins Zentrum gelaufen, um mir eine Handykarte zu besorgen. Jedoch gab es entsprechendes dort nicht als Mikrosim, was ich ja gerne hätte für mein iPhone. Schätze, ich muss deswegen nach Belfort oder Vesoul fahren; zumindest hat der Verkäufer mir das gesagt.

Zurück in der Schule war die Sekretärin dann bei einer Sitzung mit dem Proviseur. Ich wartete eine Weile, aber nachdem mir zwei Leute vom Warten abgeraten hatten, beschloss ich, erst einmal zurück in meine Wohnung zu gehen, dort ein bisschen aufzuräumen und dann wieder zu schauen. Als ich dann wieder kam, war die Sekretärin da und ich bekam eine Menge Unterlagen zum anschauen, ausfüllen, etc. Durch diese Dokumente muss ich mich jetzt noch kämpfen, damit ich sie bald wieder abgeben kann. Außerdem muss ich mich noch dringend um die Versicherungen kümmern, die abzuschließen sind. Da bin ich momentan noch ein wenig ratlos. Wird sich hoffentlich bald zeigen…

Nachdem auch dies erledigt war, habe ich mich entschlossen, noch am Dienstag nach Hause zu fahren. Es war gerade einfach nichts mehr zu tun und ich hatte keine Lust, in einer Wohnung ohne Internet herumzusitzen und Däumchen zu drehen. Also habe ich gepackt, bin noch einmal zu Leclerc und dann nach Hause.

Am Montag fahre ich wieder nach Lure. Am Dienstag habe ich dann den Termin auf der Bank und am Freitag fange ich offiziell in der Schule an. Zunächst werde ich nur hospitieren; ich denke mal, nach den Herbstferien Ende Oktober werde ich dann richtig anfangen. Es wird jetzt also wirklich ernst…

Wieder daheim

Die Überschrift mag vielleicht recht negativ klingen. Wie toll kann es in Lure schon sein, wenn ich so schnell wieder zurück bin?

Aber es ist ein wenig anders. Es ist sehr schön in Lure, auch die Leute sind nett und die Wohnung gefällt mir. Der Grund, wieso ich schon wieder zu Hause bin, ist ein anderer: Es ist momentan einfach nichts zu tun und damit extrem langweilig.

Aber der Reihe nach. Am Montag Mittag bin ich in Lure angekommen. Ich war etwas mehr als drei Stunden unterwegs, was normal bis relativ schnell ist. Wenn man über die französische Seite fährt (also in der Pfalz über die Grenze und dann nach Süden), hat man auf der Autobahn praktisch keinen Verkehr. Zu manchen Zeiten ist um Straßbourg viel los, aber abgesehen davon geht es einigermaßen.

Was auf dem Weg noch etwas nervig ist, sind die letzten Kilometer. Bei Belfort verlässt man die Autobahn und hat dann noch über 30 Kilometer Landstraße vor sich. Die ist offenbar vor sehr kurzer Zeit neu gemacht und in der Verkehrsführung geändert worden (was schlussendlich aber positiv ist, weil man eine etwas direkterer Verbindung hat); die meisten Navigationssysteme bekommen hier also evtl. leichte Probleme.

Auch in der Stadt muss man ein wenig auspassen. In Frankreich gibt es kaum Ampeln, fast alles ist entweder durch Kreisverkehre oder – für Fußgänger – durch Zebrastreifen geregelt. Für den Autofahrer bedeutet dies: Alle fünf Meter aufpassen, ob am Fahrbahnrand nicht vielleicht doch ein Fußgänger ist, der gleich die Straße betritt. Das Zebrastreifensystem funktioniert in Frankreich auch ohne Probleme, sprich: Es bleiben wirklich alle stehen. Tolle Sache, nur wenn man neu in dem Ort ist, ist es hart, zeitgleich auf den Verkehrsfluss, das Navi und auch noch die Zebrastreifen zu achten.

Auf jeden Fall bin ich dann am Lycée Georges Colomb angekommen. Vor der Schule hat es einen sehr großen (Markt-)Platz, der die meiste Zeit als Parkplatz dient. Als ich zum ersten Mal in Lure war, war dort ein Jahrmarkt und Dienstag Vormittag ist dort ein Markt, aber am Montag konnte ich dort parken. Als ich ankam, war in der Schule offenbar gerade Mittagspause, weswegen sehr viele Schüler auf dem Platz vor der Schule waren.

Ich bin dann rein und habe mich nach Mme Courbet erkundigt. Das ist die Intendante des Lycée, so etwas wie die Verwalterin. Sie ist unter anderem für die Wohnungen der Assistenten verantwortlich. Sie hat mich dann auch zu meiner Wohnung gebracht. Außerdem habe ich erfahren, dass ich Zugang zu einem Parkplatz der Schule habe, mein Auto also nicht auf der Straße stehen muss. Das fand ich sehr positiv.

Das Lycée Georges Colomb beinhaltet auch ein Internat für Schüler aus der Umgebung, die nicht jeden Tag nach Hause fahren können (durch die Ganztagsschule lohnt sich das schlussendlich nur, wenn man in Lure selbst wohnt). Neben dem Internatsbereich ist noch ein Bereich mit normalen Wohnungen, in denen unter anderem die Intendante und auch der Proviseur (= Rektor) wohnen. Die sind nämlich unter der Woche für die Schüler im Internat verantwortlich. Neben diesen Wohnungen hat es wiederum einen weiteren Eingang, durch den es zu der Wohnung der amerikanischen Assistentin und eben zu meiner Wohnung geht.

Ich wohne im zweiten Stock. Die amerikanische Assistentin wohnt direkt unter mir im ersten Stock. Das ist offenbar immer so. Irgendwie rassistisch. Die Wohnung ist sehr schön. Es gibt einen kleinen Flur, ein Bad und das eigentliche Zimmer mit Kochecke. Teile der Wohnung wurden frisch renoviert, so gibt es im Bad beispielsweise eine ganz neue Dusche (vorher war da eine Badewanne). Insgesamt ist die Wohnung zwar etwas kleiner als ich dachte, aber absolut ausreichend und vor allem sehr schön. Es gibt ja doch das ein oder andere Vorurteil gegenüber Frankreich und Hygiene und ich erinnere mich nur zu gut an die wunderschöne Jugendherberge in Paris, von daher bin ich sehr positiv überrascht, hier eine saubere und ordentliche Wohnung vorzufinden.

Das muss reichen für heute. Ich habe noch die Lehrer beider Schulen kennen gelernt und auch die amerikanische Assistentin, aber davon berichte ich in meinem nächsten Eintrag, der in den nächsten Tagen folgt.

In wenigen Stunden…

Morgen früh geht es los. Morgen fahre ich wieder nach Lure, sehe zum ersten Mal meine Wohnung und treffe zum ersten Mal auf die Lehrer und andere Leute. Bis heute Mittag habe ich keinerlei Nervosität verspürt, inzwischen kribbelt es aber dann doch.

Gepackt habe ich im Wesentlichen erst heute. Morgen nehme ich eh noch nicht alles mit, wobei es ganz wenig auch nicht ist. Offiziell ist die Wohnung ja eingerichtet, aber man weiß ja nie, was jetzt vielleicht doch fehlt. Kann sehr gut sein, dass ich von meinem ersten Kurztrip wieder sehr viel mitbringe.

In meiner Anfangszeit in Lure werde ich vermutlich nicht wirklich bloggen können. Bis ich in der Wohnung Internet habe, wird wohl noch etwas dauern; Internet im Lehrerzimmer gibt es zwar, aber zum einen weiß ich nicht, wie häufig ich das nutzen kann und zum anderen wurde mir gesagt, dass manche Seiten (z.B. StudiVZ, ich vermute daher auch sehr stark Facebook) dort gesperrt sind. Daher bitte ich euch auch: Wenn ihr irgendwas von mir wollt, schreibt mir bitte möglichst per Mail. Über dieser Seite hier könnt ihr mir sicherlich auch schreiben, wenn ihr Antwort wollt, gebt aber bitte eure echte E-Mail-Adresse an, weil ich auch nicht weiß, ob ich auf meinen Blog zugreifen kann. Ansonsten aber bitte nur per Mail an die Adresse bei googlemail, die den meisten ja bekannt sein dürfte.

Dann sehen wir mal, was das morgen wird…

Unterricht

Am Montag geht es also los. Ich habe die Bestätigung, dass ich in die Wohnung kann und werde daher am Montag hinfahren und mindestens eine Nacht bleiben. Viel länger werder ich jetzt zu Beginn jedoch auch nicht bleiben. Erst einmal will ich mir die Wohnung ansehen, um dann auch zu entscheiden, was ich überhaupt alles mit nach Frankreich nehme und was ich dort nicht brauche. Angeblich ist die Wohnung ja vollständig eingerichtet, aber irgendwelche Kleinigkeiten braucht man immer. Ich koche ja auch ganz gerne und da will ich vielleicht auch das ein oder andere Küchenutensil mehr haben als manch anderer vielleicht. Aber das wird sich am Montag zeigen.

Außerdem werde ich natürlich einige Leute kennen lernen. Zum einen die Fremdsprachenassistentin aus den USA, die am Samstag ankommt, zum anderen natürlich die Lehrer der beiden Schulen. Sie alle werde ich, so wie es aussieht, erst am Dienstag kennen lernen. Aber das ist auch noch in Ordnung.

Von meiner Vorgängerin habe ich mal wieder sehr nützliche und interessante Informationen erhalten. Endlich habe ich einmal dran gedacht, nach den Unterrichtszeiten zu fragen. Tatsächlich hat es nur vier Tage in der Woche Unterricht. In Frankreich gibt es ja zum Teil Samstagsunterricht, in Lure ist dies aber nicht der Fall. Hinzu kommt, dass in Frankreich traditionell mittwochs keine Schule ist. Ursprünglich kommt das von kirchlicher Seite, da der Mittwoch früher für den Katechismus-Unterricht reserviert war. Das gibt es heute nicht mehr, jedoch ist der Mittwoch heute für Vereinsaktivitäten vorgesehen.

Eine Schulstunde dauert in Frankreich 55 Minuten. Auch insgesamt sind die Schultage in Frankreich länger als in Deutschland; die Schule am Lycée geht von 8 Uhr bis 17:30 Uhr, am Collège von 8:30 Uhr bis 16:30 Uhr. Diesen Umstand finde ich offen gestanden ziemlich heftig, Hausaufgaben gibt es nämlich meines Wissens auch noch. Immerhin nur vier Tage…

Ein paar Unterrichtsmaterialien als Anregung habe ich jetzt auch bekommen. Irgendwie ist es lustig; ich übersetze da in Gedanken vieles ins Französische und stelle mir vor, wie die Schüler die Aufgaben entsprechend auf Französisch lösen. Dabei sollen die ja aber Deutsch reden. Bin mal gespannt, wie schnell ich die richtige Mischung finde zwischen Deutsch und Französisch (ich denke mal nicht, dass ich denen alles auf Deutsch erklären können werde…). Es ist übrigens auch gar nicht so einfach, sich Dinge auszudenken, die „typisch Deutsch“ sind. Heute glaube ich, herausgefunden zu haben, dass das Spiel „Stadt, Land, Fluss“ deutsch ist, zumindest in der Variante, wie wir es spielen. Wäre also auch eine Möglichkeit, die man im Unterricht mal probieren könnte – wenn ich passende Kategorien finde.

Zeitplan!

13. September 2010 2 Kommentare

Es wird konkret! Ich weiß jetzt, wann ich wieder nach Lure fahre.

Aber der Reihe nach. Am Freitag habe ich erfahren, dass meine Wohnung „presque prêt“ (fast vorbereitet) ist. Am 18. September kommt die amerikanische Assistentin an, die wohl ein Stockwerk unter mir wohnen wird und die im Normalfall sozusagen meine erste Bezugsperson dort sein wird, da wir beide ja das gleiche Schicksal teilen.

Am Samstag ist dann meine internationale Geburtsurkunde per Post gekommen. Eigentlich sollte das etwa eine Woche dauern, es waren aber nur zwei Tage. Da soll noch einer sagen, Ämter brauchen immer so lange…

Auf jeden Fall bin ich jetzt vorbereitet. Am Montag in einer Woche, also dem 20. September, werde ich wieder nach Lure fahren. Wenn alles klappt, werde ich dann auch zum ersten Mal dort übernachten und dann auch schon einige organisatorische Dinge erledigen. Es wird also ernst und ich freue mich echt darauf.

Da ich zeitnah mit diesem Eintrag den Link zum Blog wohl auf Facebook veröffentlichen werde, möchte ich zum einen den ein oder anderen neuen Leser willkommen heißen (oder auch zurück heißen), zum anderen aber auch noch zwei Fragen anschließen:

1. Was würdet ihr zwei französischen Lehrerinnen als Begrüßungsgeschenk mitbringen? Es sollte typisch für Mannheim und die Region sein, aber ich will nicht „Mannemer Dreck“ hören.

2. Das hier steht schon in einem der vorherigen Beiträge: Ich will / soll den Schülern meine Heimat (also Mannheim) vorstellen. Was alles würdet ihr da erwähnen oder zeigen? Spontan fallen mir die Uni / das Schloss, der Wasserturm und die SAP-Arena ein, das sollte aber recht klar sein. Was ist noch wichtig zu sagen oder zu zeigen über diese Stadt?

Es lebt!

Endlich habe ich mal wieder eine E-Mail von Seiten des lycée erhalten. Schon im Erfahrungsbericht meiner Vorgängerin habe ich gelesen, dass die verantwortliche Lehrerin dort oft sehr wenig Zeit hat; auch in der ersten Mail hat sie das schon angedeutet (in etwa: ich habe nicht viel Zeit, aber ich wollte kurz Kontakt mit dir aufnehmen…). In ihrer zweiten Mail (nach jetzt mehr als zwei Monaten) hat sie mir jetzt also geschrieben, dass sie bislang keine Zeit hatte, zu antworten. Nun ja… Ich könnte mir übrigens gut vorstellen, dass die Lehrerin des collège sie ein wenig angeschubst hat, denn ihr habe ich ja kurz vorher geschrieben und auch erwähnt, dass ich mehr oder weniger dringend auf eine Nachricht vom lycée warte.

Geschrieben hat sie übrigens nur, dass sie sich in Kürze (vielleicht noch heute) erkundigen wird, ab wann ich in meine Wohnung kann. Mal gespannt, wann ich wieder etwas von ihr höre.

Gestern habe ich meine internationale Geburtsurkunde beantragt. Die werde ich in Frankreich wohl für ein paar Dinge brauchen. In etwa einer Woche wird diese mir zugeschickt und ich hoffe, dass ich dann zu Beginn der übernächsten Woche (also so etwa am 20. oder 21. September) endlich nach Frankreich fahren kann. Am 23. September geht die Lehrerin des collège nämlich auf Klassenfahrt nach Asperg in Deutschland und ich würde sie ganz gerne noch vorher kurz kennen lernen.

Nächste Woche werde ich dann wohl hier noch das ein oder andere erledigen, vor allem möchte ich noch ein paar Informationen zu Mannheim und Umgebung sammeln, damit ich meine Heimat den Schülern in Frankreich da auch vorstellen kann. Hierzu werde ich wohl zum einen irgendwelche Tourismusbüros aufsuchen und mir die ein oder andere Gratisbroschüre besorgen und zum anderen werde ich wohl mit einer Kamera bewaffnet durch die Stadt rennen und die ein oder andere Sehenswürdigkeit fotografieren. Wer hierbei übrigens Vorschläge hat (z.B. welche Sehenswürdigkeiten ich erwähnen sollte oder was sonst noch auf jeden Fall erwähnenswert ist), kann sie mir übrigens gerne mitteilen. Ich bin hier wirklich für jeden Vorschlag dankbar!