Das war’s!

Seit einer ganzen Weile ist meine Zeit als Fremdsprachenassistent schon vorbei. Mit der (vollständigen) Rückkehr nach Deutschland gab es tausend kleine Dinge zu tun bzw. ich habe alte Routinen wieder entdeckt, die ich in Frankreich nicht ausleben konnte (damit hat beispielsweise auch ein Fernseher zu tun…). Daher bin ich bislang nicht zum Schreiben gekommen oder besser gesagt: Ich habe es verdrängt und immer wieder verschoben. Aber jetzt ist es endlich mal wieder so weit.

Die letzten Unterrichtswochen verliefen gut. Einige Stunden haben sich von wöchentlich auf jede zweite Woche verschoben, weswegen ich (noch) weniger arbeiten musste als am Anfang. Bei gleicher Bezahlung. Feine Sache.

Lola rennt haben ich beendet. Ist (glaube ich) gut angekommen. Das Schöne an dem Film ist, dass man ihn sehr gut in einige Abschnitte einteilen kann, die bequem in eine Stunde passen. Dazu kommt, dass man den Film relativ gut verstehen kann. Sollte also irgendwer auch mal im Ausland Deutsch unterrichten, dann kann ich diesen Film nur empfehlen.

In der letzten Woche gab es dann einige Besonderheiten. Am Dienstag war so ein bisschen der offizielle Verabschiedungstag. Zehn Minuten nach Ende der Stunde gab es in der Kantine des lycée eine Art Empfang für mich und Betsy. Anwesend waren der proviseur sowie die Englisch- und die Deutschlehrer. Am Anfang sagte der proviseur ein paar Worte, dann bedankte sich meine Kontaktperson bei mir und eine der Englischlehrerinnen sagte etwas entsprechendes zu Betsy. Außerdem bekamen wir beide Geschenke. Ich bekam ein Buch über die Region Franche-Comté und dazu noch ein Kochbuch mit Rezepten der Region. Hat mich sehr gefreut.

Nebenbei machte der proviseur noch einen Scherz, den zu verstehen mich doch ein bisschen Zeit kostete. Er meinte, dass ich mir ja extra ein Auto besorgt habe, auf welchem die zum département passende Nummer steht.

Ich bin mal so frei und erkläre das kurz: In Frankreich haben nicht die Städte feste Buchstabenkombinationen auf dem Autokennzeichen, sondern es gibt Nummernkombinationen für die verschiedenen départements (die Regionen bestehen aus mehreren départements; Franche-Comté besteht, meine ich aus vieren). Das département, in dem Lure liegt, heißt Haute-Saône und hat die Nummer 70. Und ich hatte in Frankreich eben den Volvo V70 von meinem Vater. Und das steht auch hinten drauf. Klingt geschrieben nicht wirklich witzig, aber war eine nette Anmerkung.

Am selben Abend ging es dann noch weiter. Die beiden Lehrer des collège hatten mich zum Essen eingeladen. Wir gingen in ein Lokal in einem kleinen Ort in der Nähe von Vesoul, welchen ich fast nicht gefunden habe. Das Lokal war sehr schön und das Essen sehr lecker. Ich hab Entenbrust gegessen, dazu gab es Kartoffelgratin und Gemüse. Als Dessert dann noch Nougat. War wirklich gut. Ich finde es sehr schwer, in Frankreich essen zu gehen, denn fast alle Lokale sehen von außen ziemlich mies aus. Hinzu kommt, dass Lokale in Frankreich ein gutes Stück teurer sind als in Deutschland, was es irgendwie auch schwieriger macht, etwas auszuwählen, da man sich immer so vorkommt, als gehe man relativ edel essen.

Dieses Lokal sah eigentlich gut aus, aber es war in einer Nebenstraße und auf der Hauptstraße war ein großes buntes Schild, welches ich persönlich als billigen Versuch fehlinterpretiert hätte, Touristen zu locken. Sah halt irgendwie billig gemacht aus. Aber das Lokal war sehr schön und geschmeckt hat es auch. Da ich mich mit den beiden Lehrern ohnehin immer sehr gut verstanden habe, haben wir auch einen sehr angenehmen Abend miteinander verbracht.

Die letzten Unterrichtstage verliefen auch ganz gut. Natürlich musste ich mich auch von meinen Schülern verabschieden. Bei meinem letzten Besuch in Deutschland hatte ich Geschenke eingekauft, die meine Schüler jetzt bekamen: Für die Schüler im lycée gab es Hanuta, für die im collège gab es Haribos. Dass diese Geschenke extrem gut ankamen, muss ich wohl kaum erwähnen. Haribo ist in Frankreich ja auch sehr bekannt, aber laut einer Lehrerin schmecken sie in Frankreich anders. Wenn ich mich richtig erinnere, meinte sie, dass die Gummibärchen in Frankreich Konservierungsstoffe haben oder etwas ähnliches, was die deutschen Haribos eben nicht haben. Nebenbei sei auch erwähnt, dass ich in den verschiedenen Supermärkten zwar durchaus verschiedene Sorten an Haribo gefunden habe, aber nie ganz normale Gummibärchen. Irgendwie seltsam…

Hanuta kannten aber nur die wenigsten. Einige aber schon und die waren auch begeistert. Insgesamt habe ich also offenbar die richtigen Dinge ausgewählt.

Von zwei Klassen im collège (die beiden 6è, also Sechstklässler) bekam ich auch ein kleines Geschenk. Von der ersten Klasse bekam ich eine selbst gebastelte Geburtstagskarte. Die zweite Klasse hat eine Mappe zusammengestellt, in der jeder Schüler einen Steckbrief über sich ausgefüllt hat. Somit habe ich tatsächlich eine Erinnerung an ein paar Schüler.

Der letzte Tag im collège war dann auch mein letzter Arbeitstag. Es gab nochmal ein paar Probleme mit einem Schüler in der ersten Stunde, dafür war die allerletzte Klasse (die aus meiner Sicht die schwierigste war, die ich in Frankreich hatte) an dem Tag ganz in Ordnung. Am Ende des Tages bekam ich dann auch noch von den beiden Lehrern des collège Abschiedsgeschenke. Auch hier waren es Bücher, nämlich ein Kochbuch mit französischen Desserts (ich hatte mal erwähnt, dass ich mit der französischen Küche an sich nicht allzu viel anfangen kann, aber die Desserts sensationell finde), eines über französische Redewendungen, ein kleines Büchlein mit französischen Zungenbrechern und dazu noch ein Comic-Band „Titeuf“. Das ist ein ca. 10jähriger Junge, der so langsam in die Pubertät kommt. Die Comics gehen alle nur über eine Seite und daher kann ich die später mal bestimmt gut im Unterricht einsetzen (die anderen Bücher sind hier übrigens ebenfalls hilfreich).

Am selben Tag ging es dann noch zurück nach Deutschland, wo ich die Osterferien verbrachte. Ich hatte Geburtstag und nach Ostern bekam ich noch einmal Besuch von Betsy, mit der ich für ein paar Tage nach Berlin fuhr.

Inzwischen ist es auch schon mehr als zwei Wochen her, dass ich zum letzten Mal nach Lure gefahren bin. Wir fuhren montags schon früh zurück, denn Betsy hatte einiges zu erledigen, denn sie reiste am Tag darauf schon weiter. Ich wiederum hatte am Montag gar nichts zu tun. Ich musste mein Konto auflösen und die Wohnung ausräumen. Da meine Bank montags geschlossen hatte, konnte ich dies erst dienstags tun. Daher verbrachte ich meinen letzten Tag in Lure weitgehend mit nichts tun.

Der Dienstag verlief dann ohne große Probleme. Alles dauerte zwar länger als geplant, jedoch klappte am Ende alles. Meine Wohnung bestand die Abnahme und somit bekam ich auch meine Kaution zurück. Nach einer freundlichen Verabschiedung von der intendante verließ ich Lure dann zum vorerst letzten Mal.

Es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Ich habe jetzt ohnehin etwas Abstand, kann das Ganze also recht nüchtern betrachten. Aber mein Urteil wäre vor zwei Wochen nicht anders gewesen: Es war toll!

Jede einzelne Minute war es wert, an diesem Programm teilzunehmen. Da ich ja ohnehin als Teil meines Studiums eine Weile im Ausland verbringen muss, wäre die einzige Alternative ein Auslandssemester an einer Uni. Der Vorteil dabei wäre gewesen, dass man mehr Franzosen und insbesondere Franzosen im selben Alter und mit dem selben „Status“ kennen lernt (Einige der Schüler waren ja fast so alt wie ich. Aber das kann man selbstredend nicht wirklich vergleichen). Jedoch habe ich auch gehört, dass man nur sehr wenige Kurse dann auch im eigenen Studium anrechnen kann.

Ein Vorteil des Fremdsprachenassistenzprograms ist auf jeden Fall, dass man das erforderliche Praxis- und das Auslandssemester kombinieren kann. Je nach Uni (Mannheim gehört leider nicht dazu) kann man das Programm in einem Semester absolvieren und spart damit sogar noch Zeit. Bei mir war das, wie erwähnt, nicht der Fall, aber ich habe auch keine Zeit verloren und jetzt eben auch bis September frei (ob das gut oder schlecht ist, ist relativ). Natürlich ist auch noch zu erwähnen, dass man für die wenige Arbeit, die man hat, auch noch bezahlt wird, und das auch noch ziemlich ordentlich. Ich konnte mir durch dieses Programm jetzt also auch noch etwas Geld ansparen und das kann man ja immer gut gebrauchen.

Das Unterrichten an der Schule hat sehr viel Spaß gemacht. Es gab zwischendurch zwar auch mal ein paar kleinere Probleme, aber nie etwas Großes und es wurde auch immer eine Lösung gefunden. Die Lehrer waren alle sehr nett und die Zusammenarbeit mit ihnen war daher sehr gut.

Ich konnte mit Chris, Kaitlin, Corinne und vor allem Betsy tolle Leute kennen lernen, mit denen ich auch viel unternommen habe. Ich habe zwar längst nicht so viel gesehen wie die anderen Assistenten, aber auch ich konnte einige neue Städte in Lure kennen lernen und somit einiges über Frankreich erfahren.

Auch wenn die betroffenen Personen dies nicht lesen werden: Ich möchte allen, die mich durch meine Zeit in Lure begleitet haben, bedanken. Merci beaucoup! J’ai bien aimé être et travailler à Lure.

Und auch meinen Lesern möchte ich noch danken. Ich hab es euch nicht gerade leicht gemacht, weil ich nur sehr selten und unregelmäßig gebloggt habe. Vermutlich habe ich den einen oder anderen Leser so auch verprellt mit der Zeit. Das tut mir sehr leid. An die, die das hier noch lesen aber: Vielen Dank dafür.

Ich habe gemerkt, dass das Bloggen im Tagebuchstil nicht mehr meine Welt ist. Das Schreiben an sich jedoch schon. Von daher gibt es durchaus eine Chance, dass dieser Blog fortgeführt wird. Wie genau das aussieht, weiß ich jedoch noch nicht. Ich würde gerne ab und an etwas über das aktuelle Tagesgeschehen schreiben und auch über die Fernsehwelt. Ob das passiert oder nicht, wird sich noch zeigen. Ihr werdet aber davon hören; Abonnenten per Mail und der Rest per Facebook!

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Quelque chose à déclarer

Und wieder ist es mehr als einen Monat her, dass ich gebloggt habe. Tagebuch schreiben scheint absolut nicht mehr meine Welt zu sein. Gut zu wissen…

Was ist inzwischen passiert? Gute Frage, nächste Frage. Im Grunde wohl ziemlich viel, andererseits aber auch nicht so wahnsinnig viel, was man hier erzählen müsste.

Das letzte Mal habe ich von einer Klasse mit vier Schülern berichtet, die mir auf den Geist gegangen sind. Diese Klasse ist auf zwei Schüler geschrumpft. Ich habe mich mit der Lehrerin unterhalten und sie hat entschieden, dass die beiden Störenfriede nicht mehr kommen sollen. Soll mir Recht sein. Lustiger Nebeneffekt: Von den beiden Verbliebenen kommt eine nur alle zwei Wochen. Bewusst war mir das nie aufgefallen. Sie war nicht immer da, ja, aber dass sie so regelmäßig abwesend war, habe ich nicht bemerkt. Mit nur einer Schülerin Unterricht machen ist aber unsinnig, weswegen die Stunde jetzt nur noch alle zwei Wochen stattfindet.

Ohnehin wird mein Unterricht immer weniger: Erst jetzt habe ich erfahren, dass ich eine Klasse, die ich zu Beginn jede Woche und dann nur noch alle zwei Wochen hatte, jetzt gar nicht mehr habe. Deren Stundenplan wurde geändert, so dass sie zum Zeitpunkt meiner Stunde keine Zeit mehr haben. Also eine weitere Stunde gespart. Dazu kommt noch, dass meine „Nachhilfeschülerin“ nur noch sehr unregelmäßig erscheint (was mir egal ist, ist ihre Entscheidung und meines Wissens eh keine so richtig offizielle Stunde) und die eine Lehrerin im collège ein wenig im Rückstand mit einer ihrer Klassen ist, weswegen ich diese Klasse auch schon eine Weile nicht mehr gesehen habe. Aus wenig Arbeit ist inzwischen also sehr wenig Arbeit geworden.

Aber das hat nicht nur Vorteile. In der ersten Woche nach den Ferien hatte ich gerade mal sechs Stunden. Die erste war mit meiner SVT-Klasse, wo die Lehrerin immer noch abwesend war (meines Wissens ist sie morgen wieder da) und in der ich keinen richtigen Unterricht mache. Wir haben in den letzten Wochen fast immer Stadt, Land, Fluss gespielt; diesen Montag haben wir uns fast die ganze Stunde über Fernsehserien unterhalten (die eine schaut genauso viel wie ich). War sehr lustig und die fünf können auch echt gut Deutsch.

Die zweite Stunde war der größte Schwachsinn seit langem. Im Grunde war es eine Observationsstunde. Ich sollte kommen, weil ich etwas aufnehmen sollte, was die Schüler vorbereitet hatten. Jedoch war an diesem Tag kein einziger Schüler vorbereitet, weswegen ich nichts machen konnte. Aber dennoch wollte die Lehrerin, dass ich dableibe, weil sie nach der Stunde etwas mit mir besprechen wollte. Diese Besprechung hatten wir meiner Meinung nach aber schon vor der Stunde (es gab also keine neuen Informationen), was das Ganze umso nerviger machte. So saß ich rum und beobachtete den Unterricht – und ich fand ihn nicht einmal gut. Die Lehrerin hat in der Stunde zweimal Schüler auseinandergesetzt und ebenfalls zweimal Strafarbeiten verteilt. Nach der Stunde meinte sie zu mir, die Klasse sei ganz schön unruhig gewesen. Aber dem war nicht so! Ich fand die Stimmung in der Klasse angenehm bis lustig. Die Gründe für all die Bestrafungen waren mir absolut nicht ersichtlich. Aber was will man machen…

Am Freitag habe ich dann eine Klasse erlebt, bei der die Bestrafungen tatsächlich Sinn gemacht hätten. Die Lehrerin musste zu einem conseil de classe, daher war ich mit den Schülern alleine. Ich hatte da vorher schon ein ungutes Gefühl, denn ich kenne die Klasse ja schon eine Weile. Die 4ème entsprechen der 8. Klasse in deutschen Schulen und das scheint eine sehr schwierige Stufe zu sein. Und tatsächlich hatte mir dann auch mehr oder weniger niemand zugehört. Ich hatte eine Präsentation zu Karneval und am Ende gab es eine kleine Aufgabe. Ich habe den Schülern den Refrain von sechs Karnevalsliedern vorgespielt (Das rote Pferd, Ich bin ein Döner, Polonäse Blankenese, Viva Colonia, Cowboy und Indianer, Die Hände zum Himmel) und sie sollten die Titel zuordnen. In den beiden Klassen davor war das kein großes Problem (incl. den 6ème, den Kleinsten, die im ersten Lehrjahr Deutsch sind), aber bei denen (sie waren die Ältesten des Tages) ging das gar nicht. Beim ersten Lied schafften sie das Kunststück, erst im sechsten (!) Versuch, den richtigen Titel zu erraten. Ich spielte ihnen die Titel ein zweites Mal vor und währenddessen klingelte es. Hier war die Aufmerksamkeit dann auf einmal größer, da ich von mehreren darauf hingewiesen wurde, dass es gerade geklingelt hatte. Dass ich meine Übung noch schnell fertig machen wollte, wurde nicht allzu gern gesehen, aber die halbe Minute blieben sie dann immerhin noch im Zimmer.

Am Samstag war in Lure Karneval. Irgendwie lustig: Ich konnte mich fast komplett vor dem deutschen Karneval drücken (und habe auch nichts mitbekommen), und dann mache ich eine Präsentation über genau das. Begonnen damit habe ich am Aschermittwoch! Irgendwie schräg. Am selben Tag gab es im Rathaus eine Art Präsentation von Karneval. Genau erklären kann ich es nicht. Es scheint von der Stadt Lure eine Art Institution zu geben, in der Kinder irgendwas in ihrer Freizeit machen können. Und deswegen waren da eben eine Handvoll Kinder im Grundschulalter, die ein bisschen was über Karneval, Beignets und Crèpes erzählten. Ich habe nicht allzu viel verstanden (die Raumbedingungen waren nicht optimal), was mich aber auch nicht groß gekümmert hat. Neben uns Assistenten waren noch zwei Journalisten da und der Vater eines der Kinder. Das Ganze war irgendwie ein bisschen seltsam; die Kinder wirkten auf mich auch nicht so vorbereitet, als wollten sie jetzt freiwillig etwas erzählen. Hatte mehr etwas von mündlichem Abfragen. Immerhin gab es danach beignets und etwas zu trinken.

Zurück zum Karneval vom Samstag. Der bestand hier aus einem Umzug durch die Innenstadt. Beginn war auf dem Platz vor dem lycée, also bin ich dahin gegangen und war erstaunt: So viele Menschen auf einem Haufen habe ich in Lure definitiv noch nicht gesehen. Das Motto des Umzuges waren offenbar Gesellschaftsspiele, was echt schön gemacht war. Viele waren als Spielkarten verkleidet und eine Gruppe sogar als Monopoly. War wirklich sehr schön gemacht.

Auf dem Umzug gab es keine Kamelle, dafür aber Konfetti, das z.T. auch gezielt auf Leute im Publikum geworfen wurde. Im Dorf kennt halt jeder jeden. Dummerweise liefen auch zwei Englischlehrer von lycée mit und die kannten mich. So bekam ich dann auch zwei Hände voll Konfetti ab, die ich dann mit in meine Wohnung trug. Aber egal – es war lustig.

Auch das Kino von Lure habe ich inzwischen noch ein paar Mal von innen gesehen. Gleich zwei Mal gesehen habe ich „Rien à déclarer“, einen Film von Dany Boon, dem Mann, der auch „Bienvenue chez les ch’tis“ gemacht hat. Auch hier hat er das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und selbst mitgespielt. Und das merkt man dem Film an: Er ist wirklich gut und sehr lustig.

Es geht im Wesentlichen um den Konflikt zwischen Frankreich und Belgien. Das Verhältnis dürfte dem von Deutschland und Österreich sehr ähneln, denke ich. Der Film spielt im Jahr 1993 an der Grenze; zu diesem Zeitpunkt wurden irgendwelche Gesetze geändert, sodass zukünftig keine Zollbeamten mehr gebraucht werden. Ein Franzose und ein Belgier sollen dann zusammen eine Einheit bilden und mobile Zollkontrollen durchführen. Dabei jagen sie nebenbei noch einen Drogenschmuggler. Der Belgier hat dummerweise extreme Vorurteile gegenüber den „camenberts“, was das Ganze nicht gerade einfacher, dafür aber wesentlich lustiger gestaltet.

Der Film kann meiner Meinung nach mit „Bienvenue chez les ch’tis“ wirklich mithalten. Ich kann ihn nur jedem empfehlen. Gleichzeitig hoffe ich, dass der Film irgendwann auch nach Deutschland kommt. Warten wir’s ab.

Einmal war ich auch in Vesoul im Kino. Dort war vor einiger Zeit ein asiatisches Filmfestival. Zunächst kurz zur Stadt: Vesoul ist nicht sehr groß, aber wirklich hübsch. Hat mich echt positiv überrascht. Muss definitiv noch einmal hinfahren.

Das Kino von Vesoul ist aber schon deutlich größer als jenes von Lure. Hier sind auch den ganzen Tag Vorführungen, nicht nur am Abend. Der Film, den wir gesehen haben („La fiancée syréenne), war auf Hebräisch und / oder Arabisch mit französischen Untertiteln. Es ging um eine syrische Braut, die verheiratet werden sollte, aber dazu musste sie wohl nach Israel und ihre Familie konnte da nicht mit, aber an der Grenze gibt es jede Menge politische Konflikte. War kein schlechter Film, nur das Ende war seltsam.

Auf jeden Fall komme ich langsam auf den Geschmack, was Kino in Frankreich betrifft. Sollte ich auf jeden Fall beibehalten, auch wenn ich in Deutschland bin. So weit weg ist Frankreich ja glücklicherweise nicht.

Fünf Wochen sind es noch, dann ist meine Zeit in Lure zu Ende. Unfassbar, wie schnell das jetzt ging. Allerdings glaube ich nach der letzten Woche, dass es jetzt allmählich Zeit ist, zu gehen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber meine Motivation hier ist momentan ziemlich am Boden. In den Ferien war ich zu Hause und habe ein paar Pläne gemacht, was zu tun ist, wenn ich daheim bin, aber jetzt kann ich logischerweise noch nichts angehen, weil ich eben noch hier rumsitze. Ich hoffe aber (und bin auch optimistisch), dass die nächsten Wochen wieder besser werden und ich noch ein paar schöne Tage hier erlebe. Ein paar Ausflüge stehen evtl. auch noch auf dem Programm (wir wollen nach Domrémy-la-pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d’Arc) und mit etwas Glück bekomme ich vielleicht auch endlich doch noch mal Besuch. Und in wenigen Wochen ist das ganze Abenteuer dann beendet…

 

Nervensägen

7. Februar 2011 2 Kommentare

Letzten Mittwoch habe ich mal wieder einen Tagesausflug gemacht. Wie schon erwähnt – so langsam mache ich hier etwas mehr. Zusammen mit Kaitlin und Betsy ging es nach Dijon.

Als ich wusste, dass ich nach Lure komme, habe ich nachgesehen, welche bekannteren Städte dort in der Nähe sind. Dijon war eine davon. Ich habe damals mehr oder weniger im Scherz zu meinen Eltern gesagt: „Wenn ich mal nach Dijon fahre, dann bring ich euch Senf mit.“ Und so war es dann auch.

Die erste Hälfte des Ausflugs war dann besonders lustig: Es ging zur Ikea. Bei der Frage, welche Ikea-Filiale die geringste Entfernung zu Lure hat, müsste (wie mir gerade in den Sinn kommt) Freiburg gewinnen, Dijon liegt aber auf Platz zwei (Strasbourg ist noch ein gutes Stück weiter). Kaitlin (die bis Juni bleibt) wollte noch ein paar Sachen haben und – vor allem – sie war noch nie in einer Ikea. Das musste natürlich geändert werden.

Ikea in Frankreich sieht nicht anders aus als Ikea in Deutschland. Ich glaube aber, dass die Produktnamen nicht identisch sind. Im Grunde ist das total unsinnig und ich würde es selbst nicht glauben, aber ich habe meinen alten Schreibtischstuhl wieder erkannt und der Name war ziemlich sicher ein anderer.

Kaitlin hat gut eingekauft (u.a. einen Spiegel, einen kleinen Tisch, etwas, um Kleidung aufzuhängen, nicht zu vergessen diverser Kleikran) und auch Betsy fand zwei oder drei Dinge. Ich habe tatsächlich nichts gekauft. Vorher war ich mir noch sicher, dass auch ich irgendwas finden werde. Aber nein. Ich habe ein paar Sachen gesehen, die ich gerne für mein „richtiges zu Hause“ hätte, aber die kaufe ich dann doch lieber in Deutschland.

Betsy meinte ein oder zwei Tage vor unserem Ausflug noch, dass Kaitlin sagte, sie brauche wohl etwa eineinhalb Stunden; sie selbst dachte, es würde schneller gehen. Tatsächlich waren wir gut drei Stunden dort, allerdings inklusive Mittagessen. Es war extrem voll und so dauerte es eine Weile, bis wir unser Essen bekamen.

Ich kam mir mit meinem Tablett ziemlich nackt vor. Der Franzose isst ja immer mehrere Gänge. Das bedeutet: Jeder Franzose hatte ein Brötchen (30 Cent) auf dem Tablett und ein Dessert, viele auch Vorspeisen. Wir hatten nur jeder unseren Hauptgang und einen Becher für unser Getränk. Aber was soll’s, satt wurden wir trotzdem und es war gut und dazu noch billig. Halt auch: Wie in Deutschland.

Dann ging es weiter nach Dijon. Es war eine Art Höllenritt: Ich kenne keine Stadt, in der Auto fahren so unangenehm ist wie in Dijon. Paris kann da kaum schlimmer sein; da sind immerhin die Straßen etwas größer. Ganz Dijon war offenbar eine riesige Baustelle. Dazu war leider auch nicht gerade wenig Verkehr. Das Fahren hat wirklich keinen Spaß gemacht.

Auch das Parkhaus war ganz schön eng. Wir fuhren immer tiefer nach unten bis auf Ebene J. Zum besseren Merken war diese Ebene zusätzlich noch mit einer Katze versehen. Die Parkplätze waren auch ziemlich eng, was mit meinem Volvo Kombi (auch Schlachtschiff genannt) dann auch noch ein ziemlicher Spaß war. Immerhin: Das Parken war angenehm günstig; die erste Stunde einen Euro, jede weitere 50 Cent.

Zu Dijon: Mir persönlich gefällt die Stadt nicht besonders. Dijon ist zum shoppen sicherlich besser als Besançon (und als Lure sowieso, aber das muss man eigentlich nicht extra erwähnen). Da ich mit zwei Mädchen unterwegs war, musste ich auch in Kleidergeschäfte. Aber zum Glück nur zwei Stück, es war also zu ertragen.

Es gibt einige ganz gute Fotomotive in Dijon, einige recht beeindruckende Gebäude. Jedoch sind viele davon recht heruntergekommen oder verdreckt; zumindest wirkten sie so. Aber gut, die Meinungen gehen ja auseinander. Kaitlin und Betsy gefiel die Stadt und ich muss erwähnen, dass es trotzdem ein sehr schöner Tag war; nur eben im Vergleich mit den wenigen anderen Städten in Frankreich, die ich kenne, hält Dijon nicht wirklich mit.

In einem Souvenirladen kaufte ich dann den zu Beginn angesprochenen Senf. Am Wochenende habe ich festgestellt, dass man die exakt selben Marken auch im deutschen Supermarkt bekommt. Den, den ich gekauft habe, habe ich aber nicht gesehen. Ich selbst esse ja keinen Senf, also war das wirklich nur ein Mitbringsel für meine Eltern. Es gibt unfassbar viele Sorten an Senf, viele davon recht exotisch und ausgefallen. Ich habe mich für Senf mit Weißwein entschieden, das klang noch mit am normalsten.

Danach haben wir dann endlich mal etwas getan, was für mich ein wesentlicher Bestandteil des Flairs von Frankreich ist: Wir haben uns in ein Café gesetzt. Genau das macht Frankreich für mich aus, aber getan habe ich es bislang noch nicht besonders oft. In Lure gibt es einfach kein entsprechendes Café mit gemütlichem Flair und woanders bin ich ja nicht so oft.

In Dijon haben wir es dann aber getan. War auch sehr schön. Es hat bis zu dem Ausflug nach Besançon in der Woche zuvor gedauert, bis ich hier mal einen Crêpes gegessen habe. Dafür habe ich dann in Dijon gleich wieder einen gegessen. War auch wieder gut.

Gegen Abend waren wir dann noch in einem Spielwarengeschäft und einem Musikladen. Dann begann der beschwerliche Rückweg. Von Dijon nach Lure sind es rund 140 km. Mein Navi leitete mich (im Gegensatz zu google maps) keinen Kilometer über die Autobahn. Komplett Landstraße. Bei Tag eine schöne Strecke. Recht hügelig und so – schöne Landschaft. Bei Nacht allerdings extrem anstrengend. Ich habe mich mehrfach verfahren, weil das Navi sich entweder unklar ausdrückte oder ich nicht richtig aufgepasst habe bzw. bestimmte Dinge erst in letzter Sekunde gesehen habe, weil es eben dunkel war. Ich fahre wirklich gerne Auto, aber diese Fahrt war Stress pur.

Dann haben wir noch einen Zwischenstopp bei Kaitlin gemacht, um ihr Zeug auszuladen. Wir sind dann auch noch eine halbe Stunde oder so geblieben. Insgesamt war es ein sehr langer und anstrengender Tag. Jedoch war es sehr schön, mal etwas zu unternehmen und etwas von der Region zu sehen. Diesen Mittwoch werden wir wahrscheinlich nach Vesoul gehen. Das ist wesentlich näher und damit nicht so umständlich zu fahren.

Heute hatte ich zwei Unterrichtsstunden, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. In meiner SVT-Klasse haben wir heute nur Stadt, Land, Fluss gespielt. Hat sehr viel Spaß gemacht: Ich habe mitgespielt, jedoch nicht auf Deutsch, sondern auf Französisch. Habe auch tatsächlich gewonnen, jetzt ist also auch rechnerisch erwiesen, dass ich besser Französisch kann als meine Schüler Deutsch.

Am Abend hatte ich dann in der nächsten Klasse meine erste Stunde zu „Lola rennt“. Die Klasse hat ja nur vier Schüler und gerade die beiden Jungs sind sehr schwierig. Sie reden nur (und das nicht auf Deutsch) und lenken alle ab. Besonders der eine der beiden ist für mich inzwischen nur noch nervig. Wir haben uns den ersten Teil des Films angesehen und er hat nur geredet. Ich hatte einige Dinge vorbereitet, aber habe dann spontan meine Pläne umgeschmissen. Ich wollte sie mündlich erzählen lassen, was passiert ist. Aber da mündliche Aufgaben bei denen nie richtig klappen (und meine Laune jetzt auch nicht mehr die beste war), habe ich mich entschieden, dass sie einen Text schreiben sollen. Die beiden Mädchen haben auch etwas zustande gebracht, der eine Junge einen Satz, der andere hat gar nichts geschrieben, weil er alles im Kopf habe, wie er sagte. Was er dann erzählt hat, war dann zwar auch korrekt, aber eben viel zu wenig, gerade im Vergleich mit den beiden Mädchen.

Ausgerechnet diese Klasse habe ich jede Woche. Ich weiß nicht, wie ich mit denen umgehen soll. Ich war immer tolerant und habe mich nie beschwert. Aber so ausnutzen lassen will ich meine Gutmütigkeit auf Dauer dann doch nicht. Ich habe ihnen angekündigt, dass ich mal mit ihrer Lehrerin reden werde, was man machen kann, damit das aufhört. Keine Ahnung, ob das eine Auswirkung hat oder ob die Lehrerin eine Idee hat. Vielleicht reicht es ja auch, wenn sie nur etwas sagt. Ich will wirklich niemanden reinreiten oder bestrafen, aber ich will auch vernünftig Unterricht machen. Das funktioniert im Großen und Ganzen in allen Klassen, nur in dieser habe ich regelmäßig Probleme. Sicher haben die Deutsch nur als dritte Fremdsprache, sind also noch nicht besonders gut, aber ein bisschen Aufmerksamkeit und Respekt kann man ja schon erwarten…

Wie die Zeit vergeht…

Und schon wieder ist es mehr als drei Wochen her, dass ich gebloggt habe. Irgendwie schaffe ich es einfach nicht öfter, ich weiß auch nicht, wieso. Diese Art zu bloggen scheint mir nicht mehr wirklich zu liegen. Mal sehen, was ich mit diesem Blog mache, wenn meine Zeit in Frankreich zu Ende ist. Vielleicht mache ich dann etwas in Richtung Kommentare zur TV-Landschaft, Politik und allem anderen, was in der Öffentlichkeit so passiert. Mal sehen; ich würde auf jeden Fall gerne weiterschreiben und ein Blog ist eben eine Möglichkeit, dies zu tun.

Inzwischen war ich endlich zum ersten Mal hier im Kino. Das Kino ist ja nur ein paar Meter von hier entfernt; ich kann also in weniger als zehn Minuten hinlaufen, wenn ich will. Dennoch hat es mehr als drei Monate gedauert, bis ich endlich mal dort gelandet bin. Der Film hieß „Des vrais mensonges“. Es ist eine Komödie mit Audrey Tautou und Nathalie Baye. Die Handlung: Ein Typ ist verliebt in die Besitzerin eines Friseursalons (Audrey Tautou) und schreibt ihr einen Brief. Sie wirft diesen Brief jedoch weg. Später holt sie ihn aber wieder aus dem Müll, tippt ihn ab und schickt ihn an ihre Mutter, die die Trennung von ihrem Mann nie überwunden hat. Da die Wirkung nicht allzu lang anhält, muss sie weitere Briefe schreiben und durch eine Verwechslung hält die Mutter dann den echten Verfasser des ersten Briefes für ihren heimlichen Verehrer.

Insgesamt eine schöne Komödie, die ich auf jeden Fall empfehlen kann. Der Handlung konnte ich sehr gut folgen, wenn ich auch nicht jedes Wort verstanden habe. Es hat sich aber etwas blöd angefühlt, wenn die ganzen Franzosen um einen rum an einer Stelle lachen, man selbst aber nicht. Etwas beruhigend: Die anderen Assistenten (Betsy, Corinne und Kaitlin waren dabei) haben auch nicht alles verstanden / auch nicht bei jedem Witz gelacht. Ich liege also im Soll mit meinem Französisch. Es fällt mir ein wenig schwer zu beurteilen, ob sich mein Französisch in den letzten Monaten verbessert hat. Ich denke aber schon. Ich kann mich inzwischen einigermaßen flüssig unterhalten und auch bei den Nachrichten im Radio kann ich zumindest teilweise verstehen, was passiert ist. Und für den Kinobesuch hat es auch gereicht; ich hoffe, zukünftig schaffe ich es öfters dorthin.

In meinem letzten Eintrag habe ich ja angesprochen, dass ich ein Arbeitsblatt namens „Menschen 2010“ mit meinen Schülern machen wollte. Das habe ich auch gemacht; genau genommen habe ich nicht viel anderes gemacht seit dem. Die meisten Klassen habe ich ja nur alle zwei Wochen (bei einer Klasse hat sich das auch gerade erst von jeder Woche auf jede zweite Woche geändert), von daher ist das einigermaßen normal. Zudem ist noch die eine oder andere Stunde ausgefallen (was nie meine Schuld war).

Auf jeden Fall hat dieses Arbeitsblatt wirklich gut funktioniert. Die Schüler sind nicht schlecht und bekommen die Leute, die sie kennen können, ganz gut hin. Nur der Name „Jörg Kachelmann“ bereitet ihnen große Probleme. War mir gar nicht bewusst, dass dieser Name so schwierig ist für Franzosen. Ich hatte als weitere Aufgabe noch vorgesehen, dass sie sich überlegen sollten, wer für sie ein „Mensch 2010“ war. Bislang hat das nicht so wahnsinnig gut geklappt, da die Schüler auch nach recht langer Vorbereitungszeit nicht allzu viel sagen konnten. Aber der erste Teil hat ziemlich gut funktioniert.

Seit Freitag habe ich endlich die Materialien zu „Lola rennt“. In den Klassen, in denen ich das mache, werde ich nichts anderes mehr vorbereiten müssen. Im Grunde ist das Problem jetzt anders herum: Viele Klassen habe ich ja nur alle zwei Wochen, was bei noch acht Arbeitswochen (ja, mehr sind es nicht mehr) bedeutet, dass ich sie nur noch vier Mal sehen werde. Der Film hat eine kurze Vorgeschichte und dann wird drei Mal das selbe erzählt. Will ich das alles zeigen, brauche ich eigentlich mindestens diese vier Stunden. Will ich es etwas ausführlicher machen, dann habe ich schon ein Problem. Am Donnerstag könnte ich das zum ersten Mal machen und so lange habe ich jetzt noch Zeit, zu überlegen, was genau ich machen könnte.

Letzte Woche war meine Mutter da. Ich habe ihr Lure ein wenig gezeigt und wir haben einen Ausflug nach Besançon gemacht. Ich kenne Lure jetzt wesentlich besser als zuvor. Normalerweise laufe ich hier ja nicht allzu viel rum und daher habe ich auch noch nicht allzu viel von Lure wahrgenommen. Das hat sich jetzt ein wenig geändert. Ich kenne jetzt immerhin auch ein paar Seitenstraßen und war auch in noch ein paar Geschäften mehr (es gibt hier ein Geschäft, in dem man sehr gute und leider auch sehr teure Schokolade und auch Pralinen kaufen kann).

Besançon ist eine wundervolle Stadt. Vom Flair ähnelt sie sehr Heidelberg. Es gibt sehr viele Studenten, sprich man sieht fast nur junge Menschen in Besançon. Und die vielen kleinen Gassen im centre ville sind einfach nur toll. Ich kann jedem nur empfehlen, mal in dieser Stadt vorbeizuschauen.

Gestern war ich bei meinem ersten Konzert in Frankreich. Im Auditorium in Lure spielte Xavier Merlet. Vor dem Konzert waren ich und Betsy, die auch mitging, noch bei Tanja, der einen Lehrerin vom collège, eingeladen. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe vom Auditorium in einem sehr interessanten aus. Es hat ein bisschen was von einem Schloss. Am Eingang ist ein riesiges Tor und wenn man in das Gebäude geht, hat es noch ein etwas verwirrendes Treppenhaus, bis man in der Wohnung ist.

Wir bekamen etwas zu trinken und einige Snacks (Wurst, Käse, Chips, Tomaten…). Und wir haben uns natürlich unterhalten. Eine recht lange Konversation auf Französisch – das hatte ich bislang nicht oft. Aber es war wirklich angenehm und hat auch gut geklappt.

Das Konzert, auf das wir dann im Anschluss alle drei gingen, war wirklich gut. Es ist nicht gerade leicht, den Stil zu beschreiben. Hatte etwas von schrägem Schlager der 70er Jahre (die Anmoderationen vom Sänger waren auch sehr schräg und auch sonst haben er und seine Band viele schräge Dinge getan auf der Bühne), aber auch von typischer französischer Musik. Die Instrumente waren Gitarre, Klavier, Kontrabass und Akkordeon. Ich habe mir (ebenso wie die anderen beiden) im Anschluss die CD von ihm gekauft. Es war also wirklich ein gelungener Abend.

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit jetzt auf einmal doch vergeht. Ich habe noch acht Arbeitswochen. In drei Wochen sind schon wieder Ferien und danach sind es nur noch fünf Wochen, bis alles vorbei ist. Und dabei habe ich mich gerade daran gewöhnt, hier zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir die Zeit hier fehlen wird, wenn ich erst einmal weg bin. Klar, es wird auch schön, wieder zu Hause zu sein, aber ich habe mich beispielsweise gerade daran gewöhnt, alleine zu wohnen und es ist weit weniger unangenehm, als ich dachte.

Ich werde jetzt also versuchen, die letzten Wochen hier so gut wie möglich zu genießen. Ich habe auch die Hoffnung, dass ich etwas mehr unternehme als zu Beginn. Der Ausflug nach Besançon, der Kinobesuch vor ein paar Wochen und der Konzertbesuch gestern waren ja schon einmal ein guter Anfang; mal sehen, wie es weitergeht.

 

Die Vorweihnachtszeit – Teil 2

Ein frohes neues Jahr an alle! Während in Deutschland bzw. insbesondere in Baden-Württemberg die meisten diese Woche noch Ferien oder Urlaub genossen haben (oder zumindest am Donnerstag frei hatten, weil da ja Feiertag war), bin ich seit letztem Sonntag schon wieder in Lure und habe fleißig gearbeitet.

Bevor ich aber dazu komme, muss ich noch die restlichen Dinge erzählen, die vor Weihnachten passiert sind.

Mitte Dezember ist Betsy mit mir nach Mannheim gefahren. Ich wollte ihr Mannheim zeigen und vor allem den Weihnachtsmarkt. In Frankreich ist das Phänomen Weihnachtsmarkt inzwischen auch sehr verbreitet (Betsy hat in den Weihnachtsferien eine Art Rundreise durch Frankreich gemacht und ich habe Bilder gesehen von mehreren Weihnachtsmärkten in den verschiedensten Regionen Frankreichs), aber ursprünglich ist es ja etwas Deutsches und bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie auch noch keinen gesehen. So gesehen also eine spannende Sache.

Ich denke (und auf Betsys Blog lässt sich das auch nachlesen), ihr hat der Aufenthalt in Mannheim gefallen. Es war für sie das erste Mal in Deutschland. Auf jeden Fall hat sie sich mal sehr positiv über das Essen geäußert. An dem Tag, als wir ankamen, hatten wir Nürnberger Bratwurst und Pommes. Sonntags waren wir bei mir in der Nähe essen und am Samstag waren wir auf dem Weihnachtsmarkt, wo sie (glaube ich) nur eine Brezel aß, die sie aber auch toll fand. Ich sollte ein Foto von ihr machen mit einer Brezel in der Hand. Irgendwie schräg. Amerikaner sind offenbar sehr leicht zu begeistern…

Neben mir und Betsy war noch Thomas (für alle, die ihn nicht kennen: Das ist ein Freund von mir.) dabei. War ein lustiger Nachmittag / Abend. Die beiden haben keinen Glühwein, aber dafür Feuerzangenbowle getrunken. Schön daran ist zweifelsohne das Wort an sich; ich denke nicht, dass man das als Ausländer ohne mehrere Jahre Deutsch-Studium auswendig hinbekommt…

Nebenbei bekam ich von Betsy im Laufe des Wochenendes noch ein paar Einrichtungstipps. Ich denke, ich werde einer Idee sogar folgen, wenn ich wieder ganz zu Hause bin. Thanks for that!

Einen Tag, nachdem wir wieder zurück waren, haben wir fünf Assistenten aus Lure uns dann noch zum Abendessen bei mir getroffen, sozusagen als kleine Weihnachtsfeier. War ein sehr gemütlicher und angenehmer Abend. Internet ist auch in so einem Fall eine schöne Sache; das ein oder andere youtube-Video hat uns an diesem Abend auch begleitet.

Ich habe ein typisch deutsches Weihnachtsessen gekocht: Würstchen mit Kartoffelsalat. Ist ja glücklicherweise einfach zu machen (vor allem wenn man am Vortag daheim war und so auch deutsche Würstchen besorgen konnte). Außerdem habe ich noch eine Kartoffel-Sellerie-Suppe gemacht, die, wie auch das andere, gut ankam (offenbar so gut, dass das Dessert, welches Corinne, die Schweizerin, gemacht hat, unangetastet blieb, weil alle voll waren. Es scheint, als kann ich tatsächlich ganz gut kochen…

Vor den Ferien habe ich noch eine besondere Schulstunde besucht. Eine Klasse im lycée hat in einer Doppelstunde Hexenhäuser gebastelt. Die sahen echt klasse aus. Ich war echt beeindruckt, was manche da hinbekommen haben. Die Schüler mussten wohl den Lebkuchen zu Hause backen und zurechtschneiden; das Zusammensetzen und Dekorieren fand dann in der Kantine statt. Dazu brachten die Schüler halt jede Menge Zeugs mit: Puderzucker, Schokolade zum Schmelzen, Gummibärchen etc., Smarties (oder M&Ms?)… Die Ergebnisse waren echt toll. Eine schöne Idee, die ich mir merken werde. Kann man ja auch mal als Deutschlehrer in Deutschland kurz vor den Ferien machen oder so…

Und dann waren auch schon Ferien. Und seit einer Woche bin ich jetzt eben wieder hier. Letztes Wochenende hatte ich absolut keine Lust zu fahren. Ich hatte mich in den Ferien wieder zu sehr ans Daheim-Sein und an das Nichtstun gewöhnt; dazu kam noch das deutsche Fernsehen etc. Aber das ist schon wieder Vergangenheit. Ich fühle mich schon wieder sehr wohl hier. Das lag wohl auch daran, dass der Unterricht diese Woche ziemlich gut geklappt hat. Ich habe mir das Lied „Wenn jetzt Sommer wär‘“ von Pohlmann ausgesucht, daraus (wie üblich) einen Lückentext gemacht und nach Vervollständigen sollten mir die Schüler erst sagen, was Pohlmann machen würde, wenn jetzt Sommer wäre und danach noch, was sie selbst machen würden, wenn jetzt Sommer wäre. Somit hatte ich sogar eine kleine Konjunktivübung mit drin (jedoch nur für den Konjunktiv mit „würde“, aber mit dem kann man ja schon wunderbar ausdrücken, was man ausdrücken will). Donnerstags habe ich ja an und für sich meine schwierigste Klasse, aber dieses Mal wirkten sie echt motiviert und arbeiteten sehr gut mit. Das hat mich sehr gefreut. Das Lied „Wenn jetzt Sommer wär‘“ ist also sehr zu empfehlen.

Gestern im collège habe ich noch etwas gemacht, was ich nächste Woche auch im lycée machen werde. Zum einen eine kleine Präsentation über Silvester in Deutschland (was nicht so wahnsinnig spannend ist, da es zu dem Thema nicht wirklich viel gibt), zum anderen eine Art Quiz mit dem Titel „Menschen 2010“. Ich hab die Bilder und Namen von zwölf Deutschen, die 2010 in irgendeiner Form besonders waren (z.B. Thomas Müller, Christian Wulff, Lena usw.) auf ein Blatt gedruckt und darunter pro Person einen Satz in Ich-Form. Die Schüler sollten die Sätze den Personen zuordnen. Zum Teil mussten die Schüler raten (weil wenn man Jörg Kachelmann und Thilo Sarrazin nicht kennt, kann man nicht wissen, wer ein Buch geschrieben und wer gerade einen Gerichtsprozess am Laufen hat), zum Teil konnte man es auch erschließen (Thomas Müller als Fußballspieler könnte was mit der WM 2010 zu tun haben etc.). Das hat auch ziemlich gut funktioniert; die Schüler haben nicht einfach blind geraten (außer bei den Personen, bei denen es nicht anders ging), sondern wirklich nachgedacht und das meiste logisch erschlossen.

Außerdem habe ich durch die eine Lehrerin gestern eine großartige Idee bekommen: Der Film „Lola rennt“. Den kann man sehr gut in drei Teile teilen und dazu einiges arbeiten. Ich hab den Film hier und werde ihn mir jetzt noch einmal genau anschauen und überlegen, was man da alles machen kann. Auf jeden Fall bietet das Potential für mehrere Unterrichtsstunden. Die Lehrerin, die mir davon erzählt hat (ein Kollege von ihr hat das Thema angefangen und sie hat es zu Ende geführt), hat mir erzählt, dass die Schüler zum Beispiel ein Telefonat am Anfang nachsynchronisieren mussten. Dazu müssen die Schüler auch mal ein bisschen aus sich rausgehen und emotional werden. Im collège hat das offenbar echt gut geklappt. Dann sollte ich damit im lycée auch etwas anfangen können. Dass ich auf den Film nicht früher gekommen bin…

So, jetzt seid ihr endlich wieder auf dem aktuellsten Stand. Ich habe dieses Wochenende mehr oder weniger Halbzeit, da hier ja ab Mitte April Ferien sind. Insgesamt habe ich noch genau zwölf Unterrichtswochen vor mir. Klingt irgendwie nach total wenig. Aber wir werden sehen…

Die Vorweihnachtszeit – Teil 1

Oh je, es ist ja schon eine Ewigkeit her, dass ich zum letzten Mal etwas geschrieben habe. Zuerst war es irgendwie so, dass nichts Spannendes passiert ist, danach wurde dann alles ein wenig hektisch, weswegen ich nicht wirklich dazu gekommen bin, einen Eintrag zu schreiben. Dann war ich in der letzten Woche vor den Ferien auch noch erkältet (und natürlich auch mit der Abreise beschäftigt) und in den Ferien hatte ich meinen Kopf auch die meiste Zeit woanders.

Dennoch: Ich möchte mich in aller Form bei meinen treuen Lesern (gerade solchen, die ich nicht so oft sehe und die daher vielleicht wirklich nicht wissen, was ich in letzter Zeit so gemacht habe) entschuldigen. Ich hoffe sehr, dass es im neuen Jahr wieder besser wird.

Hätte ich den Eintrag am Anfang des Monats geschrieben, würde ich jetzt wohl ausführlich beschreiben, wie viel Schnee in Lure lag. Aber inzwischen ist das in Deutschland (bzw. Mannheim und Umgebung) ja nicht anders. In Lure hat es nur ein paar Tage früher angefangen. Es war auch nicht mehr als in Deutschland; genau genommen lag jetzt um Weihnachten hier deutlich mehr Schnee als es in Lure vor ein paar Wochen der Fall war. Aber zweifelsohne gab es auch dort sehr viel Schnee, was sehr schön war. Dummerweise war es aber auch sehr kalt, was aber zu ertragen war, da ich ja praktisch keinen Schulweg habe.

Im Dezember standen zwei Ausflüge nach Freiburg an. Im collège wird dieser Ausflug wohl jedes Jahr gemacht; er besteht hier aus einer Stadtrallye durch die Freiburger Altstadt, die am Weihnachtsmarkt endet, wo die Schüler dann ein paar Stunden Freizeit haben, in denen sie eben den Weihnachtsmarkt selbst erkunden können, aber auch einige Straßen um den Weihnachtsmarkt herum, in denen es auch Geschäfte gibt. In einer Klasse war ich auch bei der Vorbereitungsstunde zu dem Ausflug dabei. Die Lehrerin hat einige Geschäfte erwähnt, unter anderem Müller, in dem man eben auch CDs kaufen kann. Die sind in Deutschland doch ein ganzes Stück billiger als in Frankreich. Bei PC-Spielen etc. hat sie auch darauf hingewiesen, dass diese dann eben auf Deutsch sind.

Bei dem Ausflug mit dem collège waren sehr viele Schüler dabei. Ich glaube, es waren vier Klassen mit knapp 70 Schülern. Auf jeden Fall waren zwei Busse voll und auch acht Lehrer als Begleitperson dabei – und eben ich. Pro Klasse / Schülergruppe waren zwei Lehrer dabei und sind mit ihnen die verschiedenen Stationen der Rallye abgelaufen. Der Anfang war das Münster. Auf dem Platz am Münster bzw. um das Münster herum war gerade ein Markt, der wirklich sehr schön war. Auch das Münster selbst was sehr beeindruckend, von innen wie von außen. Und auch sonst muss ich sagen: Freiburg ist eine wirklich schöne Stadt. Ich denke, auch für Deutsche lohnt es sich, da mal hinzufahren und sich die Stadt anzusehen. Was mir vor allem aufgefallen ist: Es scheint sehr viele Lokale zu geben, in denen man richtig traditionelle badische Küche bekommt. Das fand ich sehr sympathisch. Ich persönlich hatte eigentlich geplant, auf dem Weihnachtsmarkt zu essen, aber so kam es dann leider nicht.

Als die Rallye zu Ende war, wurden die Schüler am Weihnachtsmarkt in ihre Freizeit verabschiedet (die mussten mindestens zu dritt losgehen, was aber ganz gut klappte). Dass wir Lehrer mehr oder weniger zusammen bleiben würden, dachte ich mir, aber ich dachte halt auch weiter, dass man dann eben zusammen ein wenig den Weihnachtsmarkt erkunden würde. Ich mag Weihnachtsmärkte ja sehr, daher war das auch so ein wenig meine Hoffnung. Jedoch kamen die Lehrer dann zu dem Schluss, dass sie in einem Lokal essen wollten. Da ich jetzt nicht gleich aus der Rolle fallen wollte, schloss ich mich an.

Gelandet sind wir dann in einer sehr schönen Brauereigaststätte. Es war ein richtig uriges Gasthaus, was mir sehr gut gefallen hat. Das Essen war auch gut; den Franzosen hat das deutsche Essen (u.a. Haxe oder auch Wildschweinbratwurst) offenbar geschmeckt. Ein wenig kompliziert wurde es beim Bezahlen, da man es im Ausland ja nicht gewohnt ist, dass jeder einfach bei der Kellnerin direkt getrennt bezahlt. So kam es dann am Tisch zu einem ausführlichen Rumgerechne und es wurden viele Geldscheine gewechselt, bis dann genug Geld auf dem Tisch lag. Dabei ist das in Deutschland doch so einfach…

Danach landeten wir noch in einem Café und danach war noch etwas mehr als eine halbe Stunde Freizeit, die ich dann im Buchladen verbrachte. Vom Weihnachtsmarkt habe ich an dem Tag leider nicht allzu viel gesehen. Insgesamt war der Tag sehr anstrengend. Die Schüler bekommen ja eine relativ großzügig bemessene Freizeit; die Lehrer schlussendlich auch. Aber da ich dann noch bei den Lehrern geblieben bin, hatte ich nur bedingt „Freizeit“. Von den acht Lehrern waren ja nur zwei Stück Deutschlehrer, also wurde nur Französisch gesprochen. Und wenn acht Franzosen in einem Lokal Französisch reden, dann versteht man erst einmal nix mehr. Und wenn man etwas verstehen will, muss man sich extrem konzentrieren (zumindest ich muss das mit meinen Französischkenntnissen). Deswegen war der Tag für mich extrem anstrengend.

Für den zweiten Ausflug (mit dem lycée) hatte ich mir dann vorgenommen, mich mehr abzuseilen. Noch einmal wollte ich den Tag nicht so anstrengend verleben. Hinzu kam, dass ich bis zu dem Tag vor dem Ausflug nur von einer Begleitperson wusste und das war die neue Deutschlehrerin vom lycée. Ich weiß nicht, was ich schon über sie geschrieben habe, aber sie ist ein wenig anstrengend. Mir gegenüber ist sie immer sehr freundlich; ich kann mich also nicht beklagen. Ich habe aber schon mitbekommen, dass sie im Kollegium ziemlich unbeliebt ist. Sie scheint sich wenig mit den anderen Kollegen zu unterhalten etc. Daher war es auch nicht so einfach für sie, einen weiteren Lehrer als Begleitung zu finden (ich bin mir da zwar nicht sicher, aber ich glaube, dass ich offiziell nicht als Lehrer zähle, also nur „zusätzlich“ dabei bin. Aber eine Person mit tatsächlicher Verantwortung bin ich nicht).

Schlussendlich hat es aber doch geklappt. Ich hab von der zweiten Begleitperson selbst am Vortag des Ausflugs erfahren, dass sie es ist. Darüber war ich aber sehr froh: Die zweite Begleitperson war eine Spanisch-Lehrerin, die ich aus dem Lehrerzimmer schon ganz gut kannte. Na ja… „kannte“ ist genau genommen nicht ganz wahr, denn ich wusste ihren Namen nicht. Sie wusste aber meinen und so grüßte sie mich auch immer, wenn wir uns sahen und fragte auch immer, wie es mir geht. Sie war stets sehr freundlich zu mir, weswegen ich dann auch damit rechnete, dass es ein angenehmer Tag würde.

Der Tag begann mit schneebedingter Verspätung. Es hatte in der Nacht davor sehr viel geschneit und der Ausflug stand auf der Kippe. Zunächst mal war der Bus nicht da. Wir warteten bestimmt eine halbe Stunde, bis sich das Missverständnis aufklärte: Der Bus hatte nicht da gewartet, wo alle Schulbusse hinkommen (hinter der Schule am Friedhof, wo ein großer Parkplatz ist), sondern eben vor der Schule, wo sich ja der Marktplatz befinden. Als das aufgeklärt war, musste der proviseur noch seine offizielle Erlaubnis geben. Es ist nämlich so: Passiert bei dem Ausflug etwas, so ist der proviseur der Verantwortliche. Und gerade bei dem Wetter und den eventuell damit verbundenen Straßenverhältnissen hätte das ja kritisch werden können. Aber der proviseur gab seine Erlaubnisse und es ging los.

Jedoch ging es nicht direkt nach Freiburg, sondern nach Neuf-Brisach, einem Ort, der noch auf der französischen Seite liegt. Dieser Ort ist sehr historisch geprägt, was den Aufbau angeht. Es gibt eine Stadtmauer und auch mehrere Gräben, die die Stadt umschließen. In Neuf-Brisach bekamen wir dann eine Stadtführung. Der Führer hatte dann auch ein historisches Kostüm an (ich werde jetzt kein Jahrhundert nennen; darin bin ich sehr schlecht – es war eben etwas wirklich Altes). Er machte seine Sache echt gut; Jugendlichen historische Dinge über eine Stadt zu erzählen ist ja nicht gerade einfach. Aber ich glaube, die Schüler fanden das durchaus nicht schlecht, was der Mann da geredet hat.

Danach ging es dann wieder im Bus weiter nach Freiburg. Dieses Mal war es übrigens nur ein Bus und wohl etwas mehr als 30 Schüler. In Freiburg hatten die Schüler dann direkt Freizeit. Dieses Mal gingen aber auch die beiden Lehrer auf den Weihnachtsmarkt. Und so bin ich dann doch noch zu meinem Weihnachtsmarkt-Essen gekommen: Suppe im Brot. Es gab an einem Stand verschiedene Suppen, die im Brot serviert wurden. Das Brot hatte in etwa die Form eines Tellers, weswegen das funktionierte. Und geschmeckt hat das Ganze auch noch. Zum Weihnachtsmarkt in Freiburg muss man eigentlich das selbe sagen wie zu der Stadt selbst: Er ist wirklich schön. Vor allem bekommt man dort keinen rein kommerziellen Schrott wie auf vielen großen Weihnachtsmärkten (ich denke da etwa an den Stand mit den afrikanischen Figuren auf dem Weihnachtsmarkt in Mannheim…), sondern wirklich authentische Dinge und schön gemachtes Zeugs.

Nachdem wir dann ein bisschen was vom Weihnachtsmarkt gesehen haben, sind wir auch dieses Mal in einem Café gelandet. Am Münster gibt es ein „Tee- und Schokoladenhaus“, in dem es eben Tee und diverse Sachen aus Schokolade gibt und es ist auch ein Café dabei.

Nach diesem Café-Besuch trennten wir uns: Die Deutsch-Lehrerin wollte in ein Museum, das ebenfalls am Müsterplatz war. Die Spanisch-Lehrerin wollte einige deutsche Dinge kaufen. Ich begleitete sie, da sie ja kein Deutsch spricht. Im ersten Supermarkt kauften wir dann Zuckerrübensirup und Karamalz (ich war sehr überrascht, dass sie das kannte). Eigentlich wollte sie auch deutsches Bier haben, aber das gab es nicht. Begründung: Bei dem Supermarkt handelte es sich um einen Migros, eine Schweizer Supermarktkette, die keinen Alkohol verkauft. So begann eine sehr schräge Suche: Wir suchten ein Geschäft, das Bier verkauft – in Deutschland!

Es gab einen Edeka, aber den haben wir nicht gleich gefunden, weil er etwas versteckt lag. Dort gab es dann aber auch tatsächlich Bier. So verbrachte ich fast den ganzen Nachmittag mit der Spanisch-Lehrerin, die wirklich sehr sympathisch ist. So erfuhr ich dann auch noch ein bisschen was über den Beliebtheitsgrad der Deutsch-Lehrerin. Offenbar hatte sie bereits diverse Lehrer vor der Spanisch-Lehrerin gefragt, jedoch hatten alle abgelehnt. Die Spanisch-Lehrerin wurde von ihr dann mehr oder minder gezwungen, weil sie die Klassenlehrerin eines Teils der Schüler ist. Eigentlich hätte ein Lehrer für „histoire-geo“ (also in etwas Erdkunde und Geschichte, in Frankreich ist das ein bisschen vermisch) mit gesollt, aber da fand sich eben keiner. Offenbar haben sich die anderen Lehrer am Vortag sogar ein bisschen über die Spanisch-Lehrerin lustig gemacht, weil sie eben zu diesem Ausflug mit musste. Es war wirklich interessant, all das mal direkt zu hören. Teile von all dem habe ich ja schon von Dritten gehört, aber wirklich konkret war da eigentlich nichts. Somit war der ganze Tag eigentlich echt interessant und schön. Blöd war nur, dass ich am Ende des Tages ziemliches Halsweh hatte und mich am selben Abend nach der Heimkehr dann ziemlich schlecht fühlte. Daraus wurde dann eine Erkältung, die inzwischen zwar fast, aber noch nicht komplett abgeklungen ist.

Dennoch war es sehr interessant, mal den Ablauf von zwei Ausflügen zu sehen. Eigentlich habe ich nicht allzu viel mitbekommen, da die gesamte Planung und Organisation ja ohne mich stattfand.

 

Ich lass es jetzt einmal gut sein für heute. Ihr habt ja jetzt schon eine ganze Menge zu lesen gehabt. Der Rest folgt dann in den nächsten Tagen.

 

Routine

Internet haben ist so schön. Es treten einfach wieder gewisse Routinen ein, die eine ganze Weile weg waren. Sei es ICQ, Facebook oder einfach nur die Tatsache, dass man durchgehend E-Mails empfangen oder schreiben kann – es ist angenehm, dass das alles mal wieder da ist.

Auch in der Arbeit kehrt allmählich Routine ein. Ich schaffe es inzwischen sogar, mir den ein oder anderen Namen zu merken. Der Unterricht läuft gut und inzwischen habe ich so ein oder zwei Wochen Vorlauf mit dem, was ich tue. Manche Klassen habe ich ja nur jede zweite Woche, für die brauche ich entsprechend weniger Ideen. Ich glaube eigentlich, dass ich bislang nur bei einer Klasse mit all meinen Ideen durch bin und das wird sich diese Woche wohl auch nicht mehr ändern. Noch ist einfach viel ausgefallen.

Ich dachte immer, Unterrichtsausfälle kommen nur durch abwesende Lehrer zustande. So kann man sich täuschen. Letzten Donnerstag kam unmittelbar vor der ersten Stunde eine Schülerin auf mich zu und versuchte mir zu erklären, dass sie eine conseil de classe vorbereiten muss. Da ich das genaue System hier ja nicht kenne und mein Französisch alles andere als perfekt ist, gab es allerdings zunächst Kommunikationsschwierigkeiten. Es dauerte einige Versuche, bis ich verstand. Ich habe mich inzwischen auch noch mit einer Lehrerin unterhalten und weiß jetzt etwas genauer, was bei einer conseil de classe so passiert:

Im Grunde ist das sehr ähnlich der Notenkonferenzen in deutschen Schulen. Alle Lehrer einer Klasse setzen sich zusammen und reden eben über die Noten der Schüler (das Schuljahr ist hier in Trimester unterteilt). Im Unterschied zu Deutschland sind in Frankreich jedoch nicht nur die Lehrer anwesend, sondern auch gewählte Vertreter von Eltern- und von Schülerseite. Ich muss wirklich sagen, der administrative Teil des französischen Schulsystems gefällt mir deutlich besser als der in Deutschland.

Auf jeden Fall wollte die besagte Schülerin mit ihren Klassenkameraden die conseil de classe vorbereiten. Dazu ist wohl offiziell auch tatsächlich eine Stunde vorgesehen; wie genau das läuft, ist mir aber nicht ganz klar. Sie wollte jetzt eben von mir wissen, ob ich bereit wäre, meine Stunde ausfallen zu lassen, damit sie in der Zeit ihre Vorbereitungen machen können. Hätte ich das auf Anhieb verstanden, wäre alles wunderbar gewesen. Doch das Verständnis war eben das Problem. Es hat doch eine Weile gedauert, bis mir klar war, was sie wollte. Was ich besonders interessant fand: Sie hat mehrfach betont, dass es in Ordnung wäre, wenn ich auf meinen Unterricht bestehen würde. Ihr muss nach einer Weile klar geworden sein, dass ich echt nicht wusste, ob ich sie gehen lassen „muss“ oder ob ich es nur auf freiwilliger Basis tun kann. Normalerweise würden Schüler diese Unwissenheit doch dann ausnutzen, denke ich mal. Ich hätte das vermutlich getan, zumindest so tendenziell. Aber sie hat echt mehrfach betont, dass ich den Unterricht auch machen könne, wenn ich wolle.

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich bin echt überrascht über die die Freundlichkeit der Schüler hier.

Was mir noch nicht genügend gelingt, ist, die Schüler dazu zu bewegen, Deutsch zu reden. Gerade wenn ich alleine mit ihnen bin, ist das nicht so einfach, weil ich dann doch immer wieder ins Französische verfalle. Ich muss mir einfach Sachen ausdenken, bei denen die Schüler mehr sprechen müssen.

Ich habe jetzt in einigen Klassen das Lied „Weltmeister“ von den Wise Guys behandelt. Es war schwerer als ich dachte; das Lied ist doch recht schnell, weswegen der Text nicht so leicht zu verstehen ist. Aber ich habe es dann doch immer einigermaßen hinbekommen, dass die Schüler einigermaßen verstehen, um was es in dem Lied geht. Mindestens in einer Klasse werde ich das nächste Mal noch einmal auf das Lied eingehen, dann lasse ich mir erzählen, welche Vorurteile man in dem Lied über Deutschland erfährt, bzw. was typisch Deutsch ist. Aufbauend darauf will ich dann fragen, ob den Schülern noch mehr Vorurteile einfallen und dann vielleicht auch, welche Vorurteile sie über Frankreich kennen und vielleicht auch noch über andere Länder – mal sehen, was die Zeit dazu sagt.

Außerdem habe ich etwas zur Geographie vorbereitet. In einer Deutschlandkarte sollen die Schüler dann die Bundesländer benennen und auch 15 Städte. Da sie das sehr wahrscheinlich nicht wissen, werde ich noch Hinweise schreiben, mit denen sie die Städte durch Logik zuordnen können. Den Teil muss ich mir noch ausdenken, aber das wird schon.

Sonst gibt es momentan eigentlich nicht besonders viel zu berichten. Es ist insgesamt sehr ruhig hier, aber mir macht das ja schlussendlich nix aus. Ich genieße die Ruhe. Vielleicht sollte ich etwas mehr versuchen, mit Franzosen in Kontakt zu treten, aber man kann ja auch nicht alles haben. Vielleicht kommt das ja auch noch mit der Zeit, ich bin ja schon noch eine Weile hier.

Mal überlegen, was ich im Unterricht alles zu Weihnachten machen kann. Ist ja doch ein wichtiges Thema und im Dezember habe ich drei Wochen, also pro Klasse maximal drei Unterrichtsstunden, in denen ich etwas zu dem Thema machen könnte. Prinzipiell könnte Weihnachten auf jeden Fall mehr als eine Stunde einnehmen – mal sehen, was mir einfällt.